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13.08.2012 Von: Christian Müller Lesedauer: 4 Minuten

Ahnungslose Studenten? – Warum die Idee eines Orientierungsjahres zu kurz greift

Unter dem Titel „Orientierungsjahr für Erstsemester“ hat DRadio Wissen einen Beitrag veröffentlicht, der bei mir Stirnrunzeln auslöst. Im sechsminütigen Beitrag fordert Horst Hippler – seines Zeichens Präsident der Hochschulrektorenkonferenz – ein Orientierungsjahr, in dem angehende Studenten einen Einblick in den Hochschulbetrieb erhalten und sich für das passende Studium entscheiden können. Die Idee klingt im ersten Augenblick attraktiv, doch sie greift deutlich zu kurz und geht von falschen Voraussetzungen aus.

Die Grundannahme

Die Notwendigkeit eines solchen Orientierungsjahres begründet Horst Hippler damit, dass ein wachsender Anteil der Studenten – seiner Aussage nach – zu Beginn des Studium keine Ahnung hat, wie eine Hochschule funktioniert und welche Herausforderungen und Abläufe sie erwarten. Außerdem seien Studenten im ersten Semester nicht in der Lage, den für sich passenden Studiengang zu ermitteln.

Das mag einleuchtend klingen und bedient das Klischee der weltfremden und naiven Erstsemester – doch mit der Realität hat das gezeichnete Bild – meiner Erfahrung und Eindruck nach – nur wenig zu tun. Richtig ist, dass die Abläufe und das Studium an einer Hochschule für viele neue Studenten eine gewaltige Umstellung bedeuten. Ein selbstorganisierter Vorlesungsplan, die Unsicherheit, welche Kurse nun wirklich wichtig sind, der Umgang mit der Universitätsverwaltung und das Lernen in großen Hörsälen sind dabei nur einige Herausforderungen, die Studenten im ersten Semester zu bewältigen haben. Auch das weitgehend selbstorganisierte Lernen und die selbstständige Bildung von Lerngruppen stellt für viele eine Herausforderung dar, von den ersten Studienarbeiten und den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens ganz zu schweigen.

Ich bezeichne diese Veränderung gerne als „Kulturschock“, denn die neuen Studenten sind die Kultur der Schule mit einer weitgehend vorgegebenen Organisation und Lernstruktur gewöhnt. Mit dieser Erfahrung treffen sie dann auf das offenere und viel stärker auf Selbstständigkeit aufbauende System der Hochschule. Doch es gibt bereits Strukturen und Einrichtungen, um diesen Schock abzufangen und den Erstsemestern durch die schwierige Zeit zu helfen. Studierendenberatungen, Lernpaten aus höheren Semestern und selbstorganisierte Tutorien und Lerngruppen bieten Hilfe und Orientierung. Dazu kommt, dass die angehenden Studenten durch die Herausforderungen des Studienbeginns viel lernen und Fähigkeiten wie Selbstorganisation, persönliches Zeitmanagement und ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln können, die für das Studium und Arbeitsleben enorm wichtig sind. Diese Lernerfahrungen fallen weg, wenn sie – überspitzt formuliert – in einem Orientierungsjahr an die Hand genommen werden.

Die Suche nach dem passenden Studiengang

Doch Horst Hippler führt ein weiteres Argument ins Feld: Viele Studenten könnten zu Beginn gar nicht einschätzen, welcher Studiengang der richtige für sie ist. Das mag stimmen, doch die eigentliche Frage lautet: Warum können Sie das nicht? Meine Antwort: Weil die Informationen zu den Studiengängen oft zu theoretisch sind und mit der Praxis – sowohl des Studiums als auch der späteren Jobs – nicht viel zu tun haben. Einen Teil des Argumentes von Horst Hippler können jedoch auch stark praxisorientierte Informationsmaterialien und Beratungsangebote nicht entkräften. Auch wenn er es nie ausspricht, schwingt in seiner Argumentation – meiner Meinung nach – mit, dass viele Studenten noch gar nicht reif genug sind, um über ihre Zukunft zu entscheiden. Für einige Studenten mag das gelten, doch diese werden innerhalb eines Orientierungsjahres nicht plötzlich reifen. Die Mehrheit ist jedoch durchaus in der Lage, für sich zu entscheiden, wo es hingehen soll.

Grundlegende Änderungen

Wie bereits erwähnt, greift ein Orientierungsjahr meiner Meinung nach zu kurz. Die Probleme, die damit gelöst werden sollen, werden bereits durch bestehende Einrichtungen abgefangen und einige Lernerfahrungen müssen Studenten einfach selbst machen. Um Studenten grundlegend besser auf ein Studium vorzubereiten, müssten bereits Gymnasien und weiterführende Schulen einen Schwerpunkt auf selbstständiges und selbstorganisiertes Lernen legen. Nur so könnte eine Basis aufgebaut werden, mit der die Studenten beim Eintritt in die Hochschule keinen Kulturschock erleben und mit den Prozessen und Abläufen – prinzipiell – vertraut sind. Doch diese Änderung wird – vor allem Angesichts der Einführung von G8-Zügen – eher nicht statt finden. Dabei wäre sie definitiv sinnvoll.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

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