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21.02.2022 Von: Christian Müller Lesedauer: 9 Minuten

Digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit

Zu Beginn gleich die Kernaussage dieses Artikels für alle, die wenig Zeit haben: Wir müssen aktiv daran arbeiten, digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit zu entwickeln. Sie müssen in Lehre und Ausbildung genauso konsequent Einzug finden wie in den Arbeitsalltag. Und wir müssen mehr Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten schaffen, um digitale Kompetenzen ausbauen und auffrischen zu können. Angebote, die sowohl Kolleginnen und Kollegen als auch Klientinnen und Klienten adressieren. Wenn ich von „wir“ spreche, meine ich damit alle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, denen die Zukunft ihrer Profession, ihre eigene Jobsicherheit und das Wohlergehen ihrer Klientinnen und Klienten wichtig ist.

Klingt interessant? Dann wird Dir der Artikel mindestens Stoff zum Nachdenken liefern. Meine Hoffnung ist jedoch, dass er Dich ein wenig inspiriert, auf eigene Idee bringt und zur Aktivität anregt.

Definition: Digitale Kompetenzen sind … Ja, was eigentlich?

Der geschätzte Kollege Hendrik Epe spricht im Bezug auf digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit vom „gallischen Dorf“. Asterix-Leserinnen und -Leser wissen: Das unbeugsame gallische Dorf leistet Widerstand, auch wenn der Rest des Landes längst erobert ist. Zugegeben, da ist etwas dran.

Doch digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit haben auch mit anderen Dörfern Ähnlichkeit. Denn wenn ich mit Fach- und Leitungskräften verschiedener Einrichtungen und Träger spreche, entsteht bei mir der Eindruck, digitale Kompetenzen sind böhmische Dörfer.

Anders formuliert: Es ist nicht richtig klar, wovon wir eigentlich reden, wenn es um digitale Kompetenzen geht.

Daher beginne ich mit einer Definition, die ich mir bei Wikipedia ausleihe. Der Wikipedia-Artikel bezieht sich bei seiner Definition übrigens auf diesen Text.

Digitale Kompetenz setzt sich aus digital (engl. digit „Ziffer“ bzw. lateinisch digitus „Finger“) und Kompetenz (lateinisch competentia ‚Eignung‘; competere ‚zusammentreffen‘, ‚ausreichen‘, ‚zu etwas fähig sein‘, ‚zustehen‘) zusammen. Sie beinhaltet alle Fähigkeiten, die ein Individuum benötigt, um sich in einer digitalen Gesellschaft zurechtzufinden, in ihr zu lernen, zu arbeiten und am digitalen Alltag teilzunehmen. Digitale Kompetenz schließt mehr als reine Computeranwendungskenntnisse ein und “umfasst eine breite Palette von Verhaltensweisen, Strategien und Identitäten, die in einem bestimmten digitalen Umfeld wichtig sind”.

Zwei Aspekte will ich für diesen Artikel herausheben:

  1. „… um sich in einer digitalen Gesellschaft zurechtzufinden“ – Das ist der Kontext, in dem dieser Artikel und das Thema digitale Kompetenzen steht. Es geht nicht darum, sich digitale Kompetenzen anzueignen, um das eigene professionelle Profil und den Lebenslauf ausschmücken zu können. Nein, digitale Kompetenzen sind in unserer heutigen, digital geprägten Gesellschaft essenziell, um an der Arbeitswelt und gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen. Digitale Teilhabe ist aus guten Gründen in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.
  2. „… die in einem bestimmten digitalen Umfeld wichtig sind“ – Soziale Arbeit findet nicht nur in der gerade beschriebenen digital geprägten Gesellschaft statt, es gibt auch neue digitale Arbeitsfelder, mit denen sich die Fachkräfte der Sozialen Arbeit befassen (müssen). Suchthilfe, Selbsthilfegruppen, Cybermobbing, Online-Beratung, digitale Teilhabe, die Vertretung von Interessen benachteiligter Gruppen bei Gesetzen zum digitalen Zahlungsverkehr oder bei der Einführung neuer digitaler Ausweissysteme – all das sind Themen der Sozialen Arbeit. Ob wir es wollen oder nicht: Der Bedarf an Leistungen der Sozialen Arbeit ist längst im digitalen Raum angekommen.

Digitale Kompetenzen sind im Grunde also das Handwerkszeug, das Fachkräfte der Sozialen Arbeit – auf allen Hierarchieebenen und in allen Arbeitsfeldern – benötigen, um ihre Arbeit in der heutigen Gesellschaft und Arbeitswelt handwerklich und fachlich gut zu machen.

Es ist schon heute nicht einfach, in der Sozialen Arbeit einen guten Job zu machen und sich digitalen Möglichkeiten dabei komplett zu verschließen. Natürlich gibt es Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die ihren Klientinnen und Klienten hervorragend helfen und dabei komplett analog arbeiten.

Doch einerseits werden digitale Werkzeuge in der Sozialen Arbeit wichtiger. Und andererseits ist es in fast allen Arbeitsfeldern kaum möglich, die Bedeutung der digitalen Welt für das Leben der Klientinnen und Klienten auszublenden. Wer das, unabhängig von digitalen Arbeitsweisen und -werkzeugen, durchzieht, tut dem ihr oder ihm anvertrauten Menschen keinen Gefallen, sondern eher das Gegenteil.

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Digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit: Welche brauchen wir wirklich?

Mir stellt sich bei diesem Thema die Frage: Welche digitalen Kompetenzen sollten sich Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter denn nun aneignen?

Hendrik Epe greift im oben verlinkten Artikel die im Europass genannten Kompetenzen auf. Diese umfassen:

Für eine allgemeine Betrachtung ist das ein guter Einstieg. Hendrik geht in diesem Artikel seinem Fokus entsprechend auch genauer auf Herausforderungen und digitale Kompetenzen ein, die Organisationen entwickeln sollten. Daher ist er eine klare Leseempfehlung.

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Mit Blick auf die Soziale Arbeit und basierend auf der Erfahrung, die mein Team und ich in zahlreichen Projekten in der Sozialen Arbeit sammeln durften, halte ich die folgenden digitalen Kompetenzen für relevant:

Uff, das ist eine ganze Menge und die Liste ist sicherlich noch nicht komplett. Aber keine Panik, niemand sagt, dass alle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter all diese Kompetenzen optimal entwickeln müssen. Ich selbst beherrsche längst nicht alle und lerne selbst bei den Kompetenzen, bei denen ich mich für recht fit halte, fast täglich dazu.

Doch genau das ist der Punkt: Es geht nicht darum, perfekt zu sein und alles zu können. Wichtig ist jedoch, sich seiner eigenen Stärken und Kompetenzen – und der vielleicht vorhandenen Lücken – bewusst zu sein. Gepaart mit der Offenheit, sich weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu lernen, ist das Wissen um das eigene digitale Kompetenzportfolio enorm viel wert.

Wer lieber Videos schaut als liest, wird bei Kollege Marc Hasselbach fündig. Er beschreibt die nötigen digitalen Kompetenzen für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mit etwas mehr Fokus auf Anwendungskompetenzen im folgenden Video hervorragend.

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Wenn Dir 17 Minuten zu lang sind, habe ich einen Tipp für Dich: Wenn Du unten rechst im Video auf das Zahnradsymbol klickst, kommst Du zu den Einstellungen. Dort kannst Du bei allen YouTube Videos, auch meinen ;), die Wiedergabegeschwindigkeit erhöhen oder verlangsamen. Wenn du also wenig Zeit hast und mit schnell sprechenden Menschen gut klar kommst, probier doch einfach mal die 1,25- oder 1,5-fache Geschwindigkeit aus. Funktioniert übrigens auch bei Podcasts und Hörbüchern.

Digitale Kompetenzen sind für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter keine Privatsache

In einem unserer Workshops, er fand COVID19-bedingt digital statt, sagte ein junger Sozialarbeiter sinngemäß folgenden Satz: „Jetzt ist endlich klar, wie wichtig Digitalisierung ist. Da müssen sich die älteren Kolleginnen und Kollegen halt mal hinsetzen und ihre Hausaufgaben machen.“

Mein erster Gedanke war: „Ob er das auch in Präsenz so gesagt hätte?“ Meine erste Handlung war dann die Moderation, denn die Äußerung löste wenig überraschend sehr unterschiedliche Reaktionen im Team aus.

Vielleicht hast Du beim Lesen des Satzes zustimmend genickt. Ich gebe zu, ein Teil von mir denkt sich: „Recht hat er.“ Doch dieser Teil liegt falsch.

Natürlich ist der Aufbau von digital Kompetenzen mit Arbeit verbunden und erfordert Einsatz von jeder und jedem Einzelnen. Doch die so nett bezeichneten „Hausaufgaben“ sind keine Privatsache und nicht nur Aufgabe des Individuums. Klar, die Offenheit und Bereitschaft fürs Lernen müssen aus dem Menschen selbst kommen.

Doch wenn es darum geht, wie sich Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter digitale Kompetenzen für ihre Aufgaben in der Sozialen Arbeit aneignen können, stehen Organisationen, Träger, Einrichtungen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Pflicht.

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In meinem oben eingebetteten, schon etwas älterem Video habe ich fünf Hürden für die Digitalisierung der Sozialen Arbeit benannt. Alle haben mehr oder weniger direkt mit den Rahmenbedingungen der Organisation zu tun. Die meisten davon sind in abgewandelter Form auch beim Aufbau digitaler Kompetenzen ein Thema.

Wie oft hast Du schon den Satz gehört: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich echt mal auf die digitalen Möglichkeiten einlassen?“ Wie sieht es mit einer Variation dieses Satzes aus: „Wir haben alle nötigen Tools und sind technisch sehr gut ausgestattet, die Leute nutzen die Möglichkeiten nur nicht“?

Beide Aussagen gehen von falschen Annahmen aus. Längst nicht alle Menschen hüpfen vor Begeisterung im Büro auf und ab, wenn neue Technik und digitale Werkzeuge angeschafft und genutzt werden. Und auch nicht jede und jeder ist in der Lage – oder Willens – sich neue Geräte und Software autodidaktisch beizubringen.

Das ist auch nicht ihr Job. Es ist schlicht unfair, von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern zu erwarten, dass sie sich digitale Kompetenzen selbst und komplett autodidaktisch aneignen. Es liegt in der Verantwortung der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Schulungs- und Lernangebote zu machen. Die Organisationen müssen die nötigen Ressourcen bereitstellen, um digitale Kompetenzen praxistauglich und mit der Arbeitszeit vereinbar aufbauen zu können.

Gibt es dieses Angebot jedoch, sind Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Pflicht, sie wahrzunehmen und ihren Teil dazu beizutragen.

Digitale Kompetenzen für die Soziale Arbeit: Tipps für den Einstieg

Wenn Du bei einer Organisation arbeitest, die vielleicht noch nicht so viele Schulungsangebote bereithält oder wenn Du autodidaktisch loslegen willst, habe ich zum Abschluss des Artikels einige Empfehlungen für Dich. Die folgende Liste umfasst Videos, Artikel und andere Inhalte, mit denen Du Dich digitalen Kompetenzen annähern und diese aufbauen kannst.

Wie immer gilt: Wenn Du Empfehlungen hast, die ich aufnehmen sollte, schreibe mir gerne einen Kommentar und ich ergänze die Liste. Dieser Artikel wird nach und nach ausgebaut, neue Tipps kommen da genau richtig.

Wie erweiterst Du Deine digitalen Kompetenzen? Hat Dir dieser Artikel Anregungen gegeben, die Du umsetzen und nutzen kannst?

Wir freuen uns über Antworten auf beiden Fragen in den Kommentaren. 🙂

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

[…] dass der Mensch der Erde ziemlich egal ist. Digitale Entwicklungen bedrohen ganze Branchen. Die individuell notwendigen Kompetenzen, um hier „mithalten“ zu können, sind in der Breite alles andere als entwickelt. Und in […]

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