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12.09.2012 Allgemein Von: Christian Müller

Ich bin kein Ghostwriter! – Ein Plädoyer für’s Selber-Schreiben

Manchmal frage ich mich ja allen Ernstes, wie es einige Studenten schaffen, mich per E-Mail zu kontaktieren. Denn lesen scheint nicht die Stärke dieser Damen und Herren zu sein, sonst würden sie sich die folgende Frage einfach schenken:

„Können Sie meine Bachelorarbeit für mich schreiben? Ich zahl auch gut.“

Bei jeder einzelnen dieser Fragen – und es werden leider immer mehr – könnte ich explodieren. Dabei geht es gar nicht darum, dass ich das in meiner Coaching-Beschreibung explizit ausschließe. Viel wichtiger ist mir die dahinter stehende Mentalität, die aus meiner Sicht einfach nur falsch ist. Dennoch arbeite ich inzwischen mit einer Minderheit dieser Fragesteller zusammen. Denn manchmal ist die Frage nach einem Ghostwriter auch nur Ausdruck von Hilfebedarf.

Bevor ich auf diese wenigen Ausnahmen eingehe, noch mal zur Erinnerung, der folgende Text steht genau so auf meiner Coaching-Seite:

Es gibt jedoch auch Leistungen, die Sie garantiert NICHT von einem Coaching mit mir erwarten können:

  • das Schreiben von Studienarbeiten, ich bin kein Ghostwriter
  • fertige Patentlösungen
  • gute Ergebnisse ohne Einsatz Ihrerseits
  • anwaltschaftliche Vertretung gegenüber Ihrem Professor oder Dozenten
  • eine Garantie für gute Ergebnisse oder Beurteilungen
  • eine Garantie, das ich Sie coachen werde

Ist an dieser Formulierung irgendwas unklar? Ich denke nicht, oder? Warum mich solche Anfragen so aufregen? Weil ich Ghostwriter – den Job, nicht die Menschen dahinter – nicht ausstehen kann. Die Arbeit eines Ghostwriters mag fachlich und handwerklich richtig gut sein, dennoch ist und bleibt es Betrug. Betrug an den Prüfern, an den ehrlichen Studenten und vor allem an sich selbst. Denn der Auftraggeber eines Ghostwriters verkauft eine fremde Leistung als seine eigene. Und nein, das „Argument“, dass dafür viel Geld ausgegeben wird, ist nicht akzeptabel! Es regt mich auf, dass ich teilweise Monate lang mit einigen Studenten arbeite und sie bei der Entstehung ihrer Bachelor- oder Master-Arbeit begleite, dabei sehe, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Energie in solche Arbeiten fließt und dann weiß, dass andere diese Zeit mit faulenzen verbringen, nur weil sie das notwendige Geld dafür haben. Nennt mich altmodisch oder idealistisch, doch dieses Verhalten geht komplett gegen mein Gerechtigkeitsempfinden.

In den meisten Fällen ist die Motivation für eine Ghostwriter-Anfrage Faulheit, in manchen Fällen – meist selbst verursachter – Zeitmangel und in wenigen Fällen mangelndes Selbstvertrauen. Dieser letzte Fall ist für mich interessant, denn diese Studenten sind in der Regel potentielle Coachees. Warum? Weil diese Menschen sich einfach nicht zutrauen, eine Bachelorarbeit selbstständig zu erstellen. Manchmal fragen sogar die Eltern (!) an, ob ich die Arbeit für ihr Kind erstelle. Dazu sage ich jetzt mal nichts. Doch einige Studenten glauben schlicht nicht daran, dass sie selbst dazu fähig sind, eine solche Arbeit zu schreiben. Und genau das ist der Fehler. Denn das Potenzial dazu haben alle Studenten, die das Studium so weit geschafft haben.

Die Bacherlorarbeit als Wachstumsschub

Das mag jetzt für einige von Euch seltsam klingen, doch für die oben erwähnten Studenten kann ihre Bachelorarbeit zu einem echten Wachstumsschub führen. Denn wenn sie sich dann doch überwinden und mit der Arbeit beginnen, geschehen drei Dinge:

  1. Sie lernen sich selbst und ihre Grenzen besser kennen.
  2. Sie lernen, strukturiert zu arbeiten.
  3. Sie erleben, dass viel mehr können, als sie dachten.

Dass ein solches Erlebnis für den Einzelnen ein enormer Schub für das Selbstbewusstsein ist, dürfte leicht nachvollziehbar sein. Diese Studenten erleben die Zufriedenheit, das eigene Werk in den Händen zu halten und zu wissen, dass die Benotung wirklich ihre eigenen Leistungen widerspiegelt. Ein Gefühl, dass Auftraggeber von Ghostwritern niemals kennen werden. Doch das dürfte die – leider – nicht interessieren.

Zum Schluss noch mal als Erinnerung:
Ich war, bin und werde kein Ghostwriter sein. Punkt.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

Detmar Haub  |   17. September 2012 um 18:44 Uhr

Ich gehöre zu der Spezies, deren Job Sie nicht ausstehen können. Coaching bieten wir auch an, allerdings ist die Nachfrage danach eher gering. Wir hatten übrigens auch noch keine Anfragen von Eltern, die für ihre Kinder eine Arbeit bestellt haben – darüber habe ich mich in Ihrem Text königlich amüsiert. Leider können wir nicht bestätigen, dass alle Studenten in der Lage sind, eine Bachelorarbeit zu schreiben – zumindest nicht in akzeptabler Qualität. Das liegt bisweilen an sprachlichen Fähigkeiten, teilweise auch an dem engen Zeitplan der neuen Studiengänge. Das Studium ist heute für Schüler ausgelegt, die außer dem Studium keine Verpflichtungen haben. Sie nennen das Faulheit, wir haben aber beispielsweise oft mit Studierenden aus dualen Studiengängen zu tun, die vom Arbeitgeber voll in Beschlag gelegt werden. Das läuft darauf hinaus, neben einer 40-50 Stundenwoche noch eine Bachelorarbeit zu schreiben. Nicht nur Azubis werden ausgenutzt, auch Studenten in dualen Studiengängen! Ob das, was wir dann tun Betrug ist? Wenn überhaupt, dann nur an Menschen, die betrogen werden wollen. Die betreffenden Arbeitgeber wollen meist gar nicht so genau wissen, wie die Studierenden so schnell eine Arbeit fertigstellen konnten, obwohl ihnen maximal zwei Stunden Zeit täglich blieben.

Ich finde es übrigens prima, dass es Angebote wie Ihres gibt. Bedarf an engagierten Coaches besteht angesichts der Betreuungssituation an den Unis in jedem Fall. Ich verstehe allerdings auch diejenigen, die anders reagieren, wenn sie plötzlich eine wissenschaftliche Arbeit schreiben sollen, obwohl sie das im Studium nie gelernt haben.

Christian  |   18. September 2012 um 15:36 Uhr

Guten Tag Herr Haub,

was die sprachlichen Fähigkeiten angeht, kann ich Ihnen teilweise zustimmen, diese lassen sich jedoch lernen. Viel schwerwiegender sind da aus meiner Sicht die oft mangelhaften Kenntnisse im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens, hier besteht noch deutlicher Nachholbedarf seitens der Hochschulen.

Natürlich gibt es Studiengänge – und duale sind da leider stark vertreten – in denen die Studenten als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Ich kann sehr gut verstehen, dass Studenten in solchen Situationen auf Angebote wie die Ihren zurückgreifen. Ein Betrug bleibt es aus meiner Sicht dennoch, wer diesen zu verantworten hat, ist jedoch eine andere Diskussion, da gebe ich Ihnen Recht.

Bis zu einem gewissen Grad – und das ist ja auch Ihr implizite Aussage, wenn ich Sie richtig verstehe – ist das Problem natürlich systemischer Natur. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass es andere Wege gibt und geben muss, als Bachelorarbeiten von anderen schreiben zu lassen. Ich finde es allerdings bewundernswert, dass Sie hier in den Dialog eingestiegen sind. Dafür herzlichen Dank.

Gruß,
Christian Müller

Piotr Snuszka  |   29. Juli 2015 um 23:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,

das ist meines Erachtens Betrug das falsche Wort. Ghostwriting ist in gewisser Hinsicht auch Coaching und von Betrug kann da nicht die Rede sein. Wenn schon, dann sind es die Auftraggeber, die betrügerisch handeln. Würden die Dozenten bei den Verteidigungen die Studenten besser in die Mangel nehmen, würden die betrügerischen Studenten auffliegen.

Grüße
Piotr Snuszka

Christian Müller  |   30. Juli 2015 um 06:26 Uhr

Guten Tag Frau Snuszka,

das klingt für mich sehr danach, als würden Sie Ghoswriting (vor sich selbst?) rechtfertigen.

Natürlich ist Ghost Writing – im akademischen Kontext – Betrug oder zumindest Beihilfe dazu, denn Ghost Writer wissem, was Studenten mit der Arbei tun.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Müller

[…] “Sie haben einen Ghostwriter?!?” […]

[…] So wenig wie ich wissenschaftliche Arbeiten für andere verfasse, so wenig schreibe ich komplette Bewerbungsanschreiben. Gerne ergänze, korrigiere und reflektiere ich Anschreiben, doch die Basis und das Endergebnis müssen vom Bewerber selbst kommen. Der Grund: Eine Bewerbung ist immer eine persönliche und völlig individuelle Angelegenheit, die auch die Persönlichkeit des Bewerbers widerspiegeln und mit dem Eindruck im Bewerbungsgespräch übereinstimmen soll. […]

Julia M.  |   4. August 2016 um 14:49 Uhr

Guten Tag Zusammen,
was ist denn gegen Ghostwriting per se schlecht? Ich denke, man muss hier klar unterscheiden, ob der Student die Arbeit von einer Agentur 1:1 übernimmt, oder diese Vorlage als Orientierungshilfe nimmt.

Viele Studenten haben aus unterschiedlichen Gründen wenig Zeit eine Abschlussarbeit zu schreiben. Basierend auf einer Mustervorlage, wird der Student gecoached und „akademisch an die Hand“ genommen.

Der Student schreibt dann selbstständig seine Arbeit und kann diese nochmals von der Agentur lektorieren lassen.

MFG
Julia

Christian Müller  |   8. August 2016 um 07:33 Uhr

Ein solcher Kommentar von einer Ghostwriting-Agentur, die hier in den Kommentaren anonym und vermutlich unter Fake-Identität auftritt, ist Kommentar-Spam im schlechtesten aller Sinne. Ich lasse den Kommentar allerdings stehen, nehme jedoch alle Links zu euch raus. Es ist übrigens acadoo, die hier so unlauter und unseriös versuchen, sich ins rechte Licht zu rücken.

N.Hertrich  |   20. September 2016 um 10:08 Uhr

Guten Tag Herr Müller,

Sie haben völlig recht, (akademisches) Ghostwriting ist anrüchig und manche unserer Kunden machen es sich sehr einfach. Allerdings hat einer der vorherigen Kommentare die Situation in den dualen Studiengängen sehr gut zusammengefasst. Ergänzen ließe sich dies um die Ihnen sicherlich bekannte mangelhafte, mitunter absurd anmutende Betreuungssituation an vielen Hochschulen. Professoren und Dozenten, die für ihre Studenten keine Zeit und Energie aufwenden, teilweise sogar völlig unqualifiziert für eine Betreuung insbesondere von Masterarbeiten erscheinen. Daraus ergeben sich oftmals sogar spannende inhaltliche (indirekte) Auseinandersetzungen mit unseren Autoren und Coaches, die dann darlegen, warum ein vom Professor veröffentlichter oder bevorzugter Artikel eben keineswegs dem von ihm proklamierten Stand der Forschung widerspiegelt, an dem sich die geplante Arbeit ausrichten soll, sondern nur einen Diskussionsbeitrag von mehreren darstellt. Der bemitleidenswerte Kunde steht dann mittendrin und ist doch am kürzeren Hebel, da sich Professoren ungern nachweisen lassen, dass sie wissenschaftstheoretisch keineswegs auf dem gängigen Stand sind. Was ich damit sagen will? Ghostwriting, so anrüchig und zweifelhaft es sein mag, hat durchaus Facetten, die in der üblichen Diskussion kaum auftauchen. Ob gute Ghostwriter sozusagen indirekt den wissenschaftlichen Horizont eines Betreuers erweitern können? Wir haben zwar eine Reihe von einschlägigen Erfahrungen gemacht, die Frage bleibt aber dennoch gewagt.

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