• Snapchat-Symbol
  • Twitter-Symbol
  • Facebook-Symbol
  • Google+-Symbol
  • YouTube-Symbol
  • Soundcloud-Symbol
  • Xing-Symbol
  • LinkedIn-Symbol
  • Skype-Symbol
  • RSS-Symbol
22.03.2018 Kommunikation Von: Christian Müller 0 Kommentare

Kollaboratives Arbeiten für Soziale Träger und Organisationen: Sozialgespräch Podcast mit Reiner Knudsen

New Work ist als Buzzword in aller Munde, oft sind damit das kollaboratives Arbeiten mit digitalen Tools, flexible Arbeitsweisen und Mobilität gemeint. Diese Aspekte scheinen für Soziale Träger und Organisationen weit weg zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht, wie auch mein Gesprächspartner Reiner Knudsen im Podcast deutlich macht.

Bildquelle: Startupstockphotos.com via Pexels.com

Reiner Knudsen habe ich das erste mal auf dem Sozialcamp – auch als Barcamp Soziale Arbeit – in Siegburg kennen gelernt. Dort hielt er eine Session über kollaboratives Arbeiten gehalten. Für mich ein Kernthema meiner Arbeit, für viele TeilnehmerInnen der Sessions verständlicherweise neues Terrain.

Denn nach wie vor gehen viele Soziale Träger und Organisationen davon aus, dass Bewegungen wie New Work, Cloud-Tools oder flexible Arbeitsmodelle sie nicht betreffen. Aus meiner Sicht ein Fehler, denn auch in der Sozialen Arbeit bietet kollaboratives Arbeiten mit modernen Tools viele Potenzial.

Reiner und ich waren uns in unsere Philosophie und Haltung von Anfang an einig: Die Menschen stehen im Fokus, Tools kommen am Ende des Prozesses. Haltung, Denkweise, Philosophie, Verständnis, Workflows, Wissen und Kompetenz – all das ist wichtiger als die Technik.

Also haben wir uns in Bonn in einem gemütlichen Café getroffen. Herausgekommen ist der folgende Sozialgespräch Podcast. Als Experiment folgt heute erstmalig auch die vollständige – sinngemäße – Transkription im Artikel unten. Da die nicht ganz unaufwändig ist, freue ich mich über Dein Feedback, ob Dir diese Transkription etwas gibt und sie für Dich einen Nutzen bietet oder nicht.

Viel Spaß beim hören und lesen.

Kollaboratives Arbeiten im Sozialgespräch mit Reiner Knudsen: Zuerst die Menschen, dann die Technik

Christian Müller: Herzlich Willkommen beim neuen Sozialgespräch, ihr hört es vielleicht an den Geräuschen, ich sitze heute nicht in meinem Studio, sondern in einem Café mit Kaffee und Tee. Das gehört für diese Folge zur Atmosphäre.

Es geht um das Thema interne Kommunikation, Kollaboration und wie soziale Einrichtungen/ Träger und Social Start Ups davon profitieren können. Dafür habe ich heute einen Gesprächspartner eingeladen, der noch nicht bei mir zu Gast war, den man aber vielleicht kennt, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt: Hallo Reiner, stell dich doch bitte einmal den Zuhörerinnen und Zuhörern vor. Wer bist du und was machst du?

Reiner Knudsen: Ich bin Reiner Knudsen, lebe in Bonn, komme allerdings von der Nordseeküste und da bestehe ich auch immer drauf, denn das ist wichtig. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Kommunikationsthemen, habe erfolgreich 18 Jahre lang IBM in verschiedenen Rollen überlebt und habe dort seit 2007 mit den neuen internen Kommunikations- und Kollaborationstools, die damals intern entworfen wurden, gearbeitet. Als das dann auf den Markt gebracht haben zum Thema Social Business/ Social Collaboration habe ich den Go-to-Market mit begleitet.

Heißt: Ich kenne mich nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis der Tools gut aus und habe mich in den letzten Jahren stark mit psychologischen Themen befasst, denn ich denke das passt gut dazu.
Ich hab mich dann selbstständig gemacht und versuche nun die psychologische Schiene der Kommunikation/ Kollaboration, Zusammenarbeit, Führung in meine Beratung mit einfließen zu lassen.

Christian Müller: Das heißt du kommst aus dem Konzernbackground und hast vorher schon gesagt, dass Konzerne sind heute nicht mehr deine Zielkunden.

Reiner Knudsen: Nein, Konzerne sind für mich sicherlich keine Kunden, wenn sie Anrufen klar, aber ich suche nicht nach ihnen.

Christian Müller: Wir beide haben uns das erste Mal auf dem Barcamp Soziale Arbeit kennengelernt und dort hast du darüber gesprochen, dass die kollaborativen Tools und interne Kommunikation auf agilere Art und Weise auch für Soziale Arbeit sinnvoll sein kann. Der Grundtenor war damals sehr skeptisch, kannst du drei oder vier Sätze dazu sagen, wieso auch soziale Träger und sozial Arbeitende von einer modernen Art der internen Zusammenarbeit profitieren würden?

Reiner Knudsen: Eins möchte ich vorweg sagen. Soziale Arbeit hat für mich einen unglaublich breiten Rahmen und es ist unter Umständen auch nicht für jeden Bereich etwas. Aber wenn man an Pflegearbeit oder Beratungsarbeit und so denkt, dann ist es schon so wie in Unternehmen, dass die Informationsverfügbarkeit und auch die Bereitstellung für jeden Mitarbeiter sehr wichtig ist.

Sei es, dass ich ein Pflegeprotokoll bei einem Klienten brauche, neue Richtlinien oder neue Anweisungen habe. Da ist es heute noch so, dass nur diejenigen Mitarbeiter erfahren, die es gerade brauchen, der Rest bekommt es nicht mit. Und das finde ich grundsätzlich falsch, denn Informationen können auch immer für Menschen interessant sein, die nicht in diesem Fokus sind.

Es schadet einem Unternehmen nicht, wenn bestimmte Informationen im gesamten Unternehmen geteilt werden. Und da sehe ich, zusammen mit der großen Tendenz zur mobilen Kommunikation, die Wichtigkeit die Informationen, die man gerade will oder die gerade gebraucht wird schnell und agil zur Verfügung zu haben. Und das nicht nur beschränkt auf „Mein Chef hat gesagt“, sondern erweitert auf Mitarbeiter kommuniziert offen miteinander.

Christian Müller: Da wird ja von der sozialen Seite aus schnell der Verdacht laut, das macht mehr Arbeit, ich bekomme Sachen mit, die ich nicht wissen muss. Von Leitungsebene heißt es oft, dass man unglaubliche Effizienzgewinne dadurch hat.

Was sind für dich die wichtigsten Effekte die eintreten, wenn ich bereit bin als soziale Organisation oder als größere Organisation meine interne Kommunikation auf den Prüfstand zu stellen und flexibilisieren das Ganze. Welche Wirkung hat das und wie viel mehr Mehrarbeit hat das Ganze tatsächlich?

Reiner Knudsen: Dieser Punkt kommt nicht nur in der sozialen Organisationen sondern eigentlich überall, das gesagt wird: „Nicht noch ein Tool“ und das ist der Punkt an dem man arbeiten muss, es ist nicht nur ein weiteres Tool sondern ist eine völlig andere Art zu kommunizieren, also einen Ersatz für altes zu schaffen.
Die Effekte sind sehr unterschiedlich, man kann von Mitarbeiterseite, aber auch von der Unternehmerseite aus gucken.

Ich fange mit der Mitarbeiterseite an, da ich der Seite näher bin. Ich habe in einem Unternehmen die Möglichkeit mich mehr zu zeigen, abseits von der Fachfunktion. Ich habe die Möglichkeit meine Kompetenz zu präsentieren und das kann etwas völlig anderes sein als ich tagtäglich mache und das kann für das Unternehmen oder die Organisation sehr nützlich sein. Heißt also die Mitarbeiter können Expertise zeigen, aber auch Expertise finden. Dann entstehen auch intern Netzwerke, die anfangen miteinander zu arbeiten obwohl sie sich unter Umständen nicht einmal kennen. Sprich, ein funktionales Netzwerk ergeben, dass dann zu Gunsten des Unternehmens arbeitet.

Da gelingt Informationsvermittlung auch viel schneller. Und wie bei privaten Netzwerken auch, können sich die Mitarbeiter ihr Netzwerk aussuchen, Leute dazu nehmen die ihrer Ansicht nach gute Informationen für sie haben, Leute wieder entfernen, die nicht so nützlich waren und dadurch auch selektiert Nachrichten bekommen und nicht alles lesen müssen, sondern nur das was der Ansicht des Mitarbeiters für ihn von Nutzen ist.

Christian Müller: Dennoch ist es mit spürbaren Veränderungen verbunden, sonst müsste man sich das Ganze auch nicht vornehmen, sowohl für die Mitarbeiter als auch die Leitungsebene. Für die verändern sich Aufgaben komplett, sicherlich werden sie zum Teil die gewünschten Effizienzgewinne auch sehen.

Aber welche Veränderung kommen denn auf Leitung- und Führungskräfte zu, wenn jetzt Wissen nicht mehr punktuell Personengebündelt wird, sondern Wissen frei verfügbar wird. Wenn jeder die Möglichkeit hat sich bei Bedarf das notwendige Wissen zu holen, ohne dass einzelne Personen das Nadelöhr sind?

Reiner Knudsen: Du sprichst da denke ich ein Kernthema an, wenn es darum geht sich in diesem Bereich zu bewegen. Es geht hier nicht darum irgendein Tool zu implementieren, sondern am Blutfluss des Unternehmens zu arbeiten und die Kommunikation im Unternehmen anzufassen.

Eine menschliche Kernkompetenz die wir haben ist ja das Kommunizieren, deswegen geht es nicht nur darum Tools zu implementieren, sondern an der Unternehmenskultur anzusetzen. Wie frei sind wir, wie stark sind wir in Säulen aufgestellt, welchen Führungsstil haben wir. Sind wir hierarchisch oder haben eher schon eine Matrix. Das sind Fragen, die muss man sich stellen und erst dann kann man entscheiden, was die Auswirkungen auf das Unternehmen.
Führungskräfte merken relativ schnell, dass das für sie einen Machtverlust darstellt.

Plötzlich reden Mitarbeiter über Organisationsgrenzen hinweg miteinander, heißt die Führungsebene hat nicht mehr das Netzwerk alleine in der Hand und die anderen Abteilungsleiter kennt, sondern plötzlich lernen sich die Leute kennen. Die Leute bekommen direkt von der Unternehmensführung wichtige Unternehmensinformationen, die ist die Führungskraft nicht mehr die erste Person, die sie kennt und erst einen Tag später weitergibt.

Das heißt hier beginnt ein Weg, wo die Führungskräfte anfangen müssen ihr Verhalten oder ihren Führungsstil umstellen zu müssen und je länger man Führungskraft ist, umso schwerer wird das. Die Umstellung sollte dafür da sein die Blocks aus dem Weg zu räumen, damit sie stärker vernetzt sind ist die große Herausforderung für Führungskräfte.

Christian Müller: Das stellt Führungskräfte in der Wirtschaft vor Herausforderung die ein gewisses Führungstraining bekommen, das stellt jedoch Führungskräfte im sozialen Bereich vor noch größeren Herausforderungen, wo die Führung oft ein Nebeneffekt der neuen Position darstellt.

Das ist dann etwas, was nicht zwangsläufig geschult oder vermittelt wird. Mit welchen grundlegenden Kompetenzen müssen Führungskräfte anfangen, wenn jetzt wirklich ansteht: „Wir ändern unsere interne Kommunikation, wir machen das flexibler, wir heben es auf ein modernes Level“?

Reiner Knudsen: Das wichtigste, wenn auch trivialste ist einfach das Mitmachen. Sich also darauf einlassen, diese Kommunikation auch wirklich zu leben, das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber einfach einmal die Mitarbeiter motivieren damit anzufangen um zu sehen, wie das Ganze funktioniert.

Und da ist eine wichtige Kompetenz zu lernen, dass man als Führungskompetenz davon loslassen muss, dass man einen Status über seinen Mitarbeitern hat. Man muss lernen sich in seiner Aufgabe als ein Teil seiner Gruppe zu sehen. Er soll dabei nicht vergessen, dass er noch eine Vorgesetztenrolle hat, sondern sich in dieser Rolle als Teammitglied zu verstehen, um dann auch aktiv im Team mitarbeiten zu können. Im sozialen Dienst ist es so, dass die hierarchischen Strukturen noch viel verfestigter sind als in einem Unternehmen.

Christian Müller: Ich nehme gerne knackige Sprüche: Als Führungskraft arbeite ich für mein Team und nicht mein Team für mich.

Reiner Knudsen: Man darf an diesem Punkt eine Sache nicht vergessen, es gibt Menschen die brauchen und wollen Führung. Es gibt Menschen denen man alle Möglichkeiten gibt und ihnen sagt, sie dürfen einfach mal machen, das können die nicht. Das hat auch nichts mit Gewohnheit zu tun, sondern damit, dass solche Personen in ihrer Fachaufgabe total gut sind, aber sie brauchen etwas, was man ihnen hinsetzt und das machen sie dann sehr gut.

Christian Müller: Das trifft gerade auf den sozialen Bereich zu, wo viele eher dankbar sind wenn eine Trennung zwischen Beruf und Arbeit möglich wird und man auch wirklich einmal Feierabend machen kann. Gerade mit verteilten Schichtdiensten und was das Gebiet noch so alles so mitbringen kann, wirkt mobiles Arbeiten auf viele eher als Bedrohung, weil es eben in die Privatsphäre eingreifen könnte. Da helfen dann bis zu einem gewissen Grad auch nur klare Guidelines und Vorgaben in denen man sich bewegen kann.

Reiner Knudsen: Der Begriff Schichtdienst ist ein guter Begriff bezogen auf das kollaborative Thema, häufig gehen ja im Schichtdienst Informationen, die Tagsüber ankommen, vollkommen an einem vorbei. Und gerade mit solchen Tools hast du auch mit Schichtarbeit eine viel größere Möglichkeit solche Informationen zu bekommen und damit an der Organisation teilzuhaben, selbst wenn man gerade nicht vor Ort ist.

Christian Müller: Um es bildlich zu machen, quasi das handgeschriebene Übergabebuch ersetzen durch interne Messenger-Gruppen, wo dann auch Informationen schneller weitergeben werden können. Wo dann auch nicht nur der eine Punkt ist, der im Übergabebuch eingetragen ist, sondern wo man auch die Möglichkeit hat etwas nachzutragen, wenn einem noch etwas einfällt.

Reiner Knudsen: Ich war kürzlich hier in Bonn in einem Krankenhaus und war sehr begeistert davon, dass sie dort mit Tablets rumgelaufen sind und wenn der Arzt dann eine Anweisung gegeben hat, das direkt via Tablet erledigt wurde. Früher wäre das nicht so schnell gegangen, da hätte erst telefoniert werden müssen, ich hätte meine Akte bekommen und der Gleichen und solche Übergänge sind unheimlich Hilfreich gerade für den Patienten.

Christian Müller: Wir haben jetzt viel über die größeren Träger gesprochen, da ist es oft naheliegend zu sagen, ihr müsst so ein bisschen aufräumen und ein bisschen flexibler werden. Viel Skepsis kam aber auch von den kleineren Teams, die sich einmal die Woche in jedem Fall sehen, weil sie nur acht Leute sind. Und selbst wenn dort raus gegangen wird, einmal die Woche gibt es ein Team-Meeting. Warum sollten kleinere Teams so etwas machen? Die Frage bekomme ich oft von meinen Social Start Ups, die mit einem vierer oder fünfer Team anfangen und so etwas wie eine App oder so entwickeln.

Wie sieht es denn bei diesen kleineren Organisationsstrukturen aus? Auf dem Barcamp kam die Diskussion auf, es kam zum Teil heraus, dass es sich für einige wirklich lohnen kann. Gerade ich als Freiberufler sehe das, ich hab ein recht kleines Team und trotzdem nutzen wir recht viele Tools. Bei uns liegt es daran, dass wir einfach nicht am gleichen Ort sitzen, aber welche Vorteile hat es denn, wenn ich mindestens einmal am gleichen Ort bin? Lohnt sich sowas oder ist das unnötiger Aufwand?

Reiner Knudsen: Das muss man natürlich im Einzelfall entscheiden. Grundsätzlich ist es so, wenn ich mit vier Leuten in einem Büro bin und man sich regelmäßig sieht, dann lohnt es sich eher nicht. Aber grundsätzlich sind die Kollaborations- und Socialtools auch eine Wissenssicherung, das was wir Jahrzehnte im Knowledge Management versucht haben in den Griff zu bekommen, passiert dort quasi im Nebengang.

Aber wir haben heute sehr selten noch die Situation, dass man mit fünf bis acht Leuten in einem Büro sitzt. Die regionale und auch zeitliche Verfügbarkeit wird da völlig abgekoppelt, du kannst teilen und wahrnehmen wann du willst oder verfügbar bist und das finde ich wertvoll. Es gibt dir sehr viel mehr Flexibilität in deiner Lebensgestaltung gerade in Start Ups, wo viel gearbeitet wird, die aber auch sehr viel Wert auf ihre Familie legen.

Also das soziale Leben zu genießen, aber trotzdem an der Kommunikation des Unternehmens teilzuhaben. Und noch ein Plus ist, dass ich vielleicht meine Partner oder Investoren direkt an der Kommunikation teilhaben lassen kann.
Das ist auch eine neue Welt, dass ich vielleicht nicht mehr auf Berichte oder Meetings abwarten muss, sondern permanent mit eingebunden bin, egal wo ich bin.

Christian Müller: Ich hab da ein banales Beispiel, wo meine Social Start Ups auch immer etwas seltsam gucken. Die Meeting-Protokolle, die ja in aller Regel gehasst werden. Ich mach das immer so, dass ich mittlerweile drei bis sechs Protokollanten habe, für jeden Punkt dann einen und alle sind in einem Google Doc drin und sobald das Thema kommt, weiß jemand, dass er sich um das Thema kümmert und wenn er etwas vergessen hat, dann kann ein anderer es nachtragen.

Am Ende des Meetings haben wir ein vollständiges Protokoll das alle erstellt haben, ich muss nichts mehr rumschicken und jeder hat Zugriff. Da habe ich auch gemerkt, dass man Fragen besser geklärt bekommen, denn dann sieht man im Google Dokument eine Anmerkung, dass das anders verstanden wurde, also ist das offensichtlich unklar, dann reden wir darüber. Und das ist bei kleinen Teams wirklich hilfreich.

Reiner Knudsen: Ich habe am Sonntag in einer Telefonkonferenz gesessen, wo ich mit Zwei in einer Konferenzschaltung durch ein Dokument gegangen bin. Und ich hab mir gedacht, wenn wir das jetzt kollaborativ gelöst hätten, dann hätte jeder in dem Dokument arbeiten können, wenn er gerade Zeit hat und jeder hätte seinen Input direkt liefern können. So war es jetzt, dass einer saß und schrieb und die anderen korrigierten und das ist irgendwie schon lästig, auch wenn es geht.

Aber da habe ich gemerkt, dass auch die Annäherung an diese neue Arbeitsweise für junge Menschen, die unglaublich viel mit ihrem Smartphone machen, noch nicht gänzlich gegeben ist. Weil diese Arbeit zum Teil nicht gewohnt ist. Wenn du solche Meetings hast und kollaborativ Tools einarbeitest, dann ist das auch immer eine Sicherung von Wissen.

Ich hab eine kooperation mit zwei anderen Couches hier in Bonn, wir nutzen Slack, weil wir nicht zusammen wohnen und immer alle unterwegs sind, aber die Kommunikation miteinander ist unglaublich effektiv. Wenn einer etwas findet, dann kann er es sofort teilen an alle. Jeder hat die gleichen Informationen. Sowas geht schlicht mit E-Mails nicht, vor allem nicht, wenn das Unternehmen sehr groß ist.

Christian Müller: Per E-Mail geht es auch nur dann, wenn du dich an Konventionen halten würdest. Eben alle Dinge, die auf Dauer dann anstrengend werden, wenn man sie einzeln jedes Mal berücksichtigen würde. Etwas das Slack und Messenger von vornherein schon drin haben.

Ein Thema über das ich noch sprechen möchte ist das Thema Datenschutz, ich arbeite zum Beispiel mit einem Team als Freiberufler mit der G-Suite, das ist die bezahlte Variante von Google Docs wo man datenschutztechnisch ziemlich gut abgedeckt ist. Die meisten dieser Tool über die wir jetzt geredet haben erzielen einen Teil ihrer Wirkung daraus heraus, dass sie diese Daten flexibel handhaben.

In wie fern sind deiner Ansicht nach Datenschutzbedenken berechtigt? Und ab wo beginnt der Punkt, wo du sagst, es basiert auch einfach auf dem fehlenden Wissen der Funktionsweise des Tools.

Reiner Knudsen: Zum einen muss ich erst einmal sagen, dass ich niemand bin der wegen der Datenschutzfrage schlaflose Nächte hat. Ich bin da eher etwas entspannt, natürlich sind Datenschutzfragen immer berechtigt. Zum Beispiel bei Cloudservices, werden meine Daten dort geleaked? Das kann man nie wirklich sagen.

Ich denke es ist eine Portion Vertrauen notwendig, vor allem in die großen Unternehmen kann man davon ausgehen, dass sie sehr daran interessiert sind, dass die Daten sicher verwahrt sind. Sie brauchen die Business-Kunden um Geld zu machen und dem Kunden müssen sie Datensicherheit liefern.

Und das ist für mich persönlich ein Punkt, bei dem ich sagen kann, dass ich mich entspannen kann. Der Gewinn den ich durch diesen Cloudservice in der Kommunikation habe, wiegt die Bedenken auf, dass da mal etwas passieren könnte.

Christian Müller: Viele große Unternehmen gehen ja oft in die Microsoft-Ecke und gerade die haben für ihre Kunden ja auch extra Server in Europa installiert und bieten dann an, wenn es euch wirklich wichtig ist oder es gesetzlich bei euch durch Klienten vorgegeben ist, dann könnt ihr diese Servicestandorte buchen und wir garantieren, dass sie Deutschland dann auch nicht verlassen. Heißt oft ist es ein fehlendes Wissen um die Möglichkeiten und manchmal auch ein wenig ein Vorwand sich nicht mit neuen Tools befassen zu müssen.

Reiner Knudsen: Ich nenne es einmal eine Sozialhysterie. Alle machen sich sorgen, also muss ich mir auch sorgen machen. Heißt nicht, dass ich das kleiner machen möchte, aber ich denke trotzdem, dass wir auf die Service vertrauen können, die wir nutze und das diese Service auch daran interessiert sind sicher zu sein. Es kann sich kein Service erlauben zu sagen, dass hier massiv Daten verloren gegangen sind, dann wird es die nicht mehr lange geben.

Christian Müller: Ich möchte zum Abschluss noch auf einen Punkt kommen, wenn jetzt ein sozialer Träger, eine Organisation oder so zuhört, die sagt sie sehen das Potential für solche Tools, wo sollen sie dann anfangen? Denn meist ist die erste Frage die ich gefragt bekomme: „Welches Tool nehmen wir denn?“ und das ist für mich die falsche Einstiegsfrage, da es vom falschen Ende her kommt. An dich also die Frage, wo fängt man an, wenn man seine interne Kommunikation modernisieren und flexibilisieren möchte?

Reiner Knudsen: Man kann die Frage umkehren und dann wird es recht offensichtlich. Wo fange ich an, wenn ich ein neues Auto möchte? Ich gehe nicht zum Händler und kauf mir ein Auto und frage danach was das Auto alles können soll, sondern ich lege von vornherein fest, wo meine Anforderungen liegen.

Wo liegen heute meine Probleme in der Kommunikation? Wo sind heute meine Herausforderungen? Es mag sein, dass man feststellt ich hab gar keine. Also wo liegen die Herausforderungen, wo funktioniert es nicht, wo möchte ich besser werden. Und dann muss ich mich fragen, was bedeutet das für meine Organisation? Und das sollte man als erstes machen, denn darauf sollte man vorbereitet sein. Und ganz am Ende kann man sich Gedanken über die IT machen.

Leider ist es oft bei meinen sozialen Kunden so, dass sie sich einen IT-Spezialisten geholt haben und dort dann hängen und das ist schade, denn das ist der falsche Ansatz, denn man sollte immer hinterfragen: „Was ist heute wichtig für mich, meine Organisation, aber auch für meine Mitarbeiter?“ Und da müssen die Mitarbeiter direkt mit involviert werden.

Es wird nicht mehr funktionieren, dass der Chef von oben sagt, was die Pflegekraft braucht, sondern die Pflegekraft muss dem Chef mitteilen was sie braucht, damit sie ihre Arbeit gut und effektiv machen kann und darauf muss ein Vorstand theoretisch eingehen und sich überlegen, wie man damit arbeiten kann. Das muss man eigentlich quer durch die ganze Organisation machen, aber das ist unabdingbare Arbeit, wenn man am Ende eine akzeptierte Kommunikationskultur haben möchte.

Christian Müller: Heißt, bei den Menschen und ihren Bedürfnissen anfangen, versuchen die Hierarchie außen vor lassen, auch wenn es schwer ist und denen die am Ende die Arbeit machen eine Arbeitserleichterung damit zu geben. Ein Tipp, den ich da noch geben kann, wenn man sich einmal auf den Weg gemacht hat und etwas verändern möchte, sollte man die alten Zöpfe auch wirklich radikal abschneiden, denn solange man Alternativen offen lässt, werden Doppelstrukturen entstehen und das ist dann Zusatzarbeit.

Reiner Knudsen: Das woran man Jahrelang festgehalten hat, einfach mal loslassen, es wird nichts passieren, da bin ich mir sicher. Und dafür sorgen, dass die die Verantwortung tragen in der Organisation auch mitspielen. Man kann nicht sagen, die da unten sollen das einmal so machen, aber ich mach das was ich immer gemacht habe. Daher ist das auch eine Frage der Unternehmenskultur wie man miteinander kommunizieren und arbeiten möchte. Dann werden sich auch die Anforderungen an Führungskräfte ergeben. Man muss sich darüber klar sein, dass das nicht einfach die Einführung eines neuen Tools ist, bei dem gesagt wird, dass das ab jetzt sofort genutzt werden muss.

Christian Müller: Das Tool ist im Grunde der letzte Schritt um diese Anforderung zu erfüllen. Also das Ergebnis des ganzen Entwicklungsprozess. Was man dann nimmt muss man eben im Einzelfall klären.

Reiner Knudsen: Microsoft z.B. ist in den meisten Unternehmen schon da, da gibt es denke ich mittlerweile eine vernünftige Kollaborationsschiene die integriert wurde, wieso etwas anders nehmen, wenn ich das schon kenne.

Christian Müller: Richtig, welche Altlasten sind da, was muss ich vielleicht einfach rechtlich mitnehmen, das sind Dinge die muss man diskutieren sollten aber nicht der Anfang sein.

Reiner Knudsen: Deswegen mag ich den Vergleich mit dem Autokauf. Wirklich niemand kauft zuerst ein Auto und fragt sich dann, was er eigentlich braucht.

Christian Müller: Das war spannend, wir reden schon seit über einer halben Stunde. Danke für deine Zeit. Zum Abschluss die Frage, wo finden unsere Zuhörerinnen und Zuhörer mehr über dich?

Reiner Knudsen: Ich habe eine Website: reinerknudsen.com, dort stelle ich kurz vor was ich für Themen habe und anbiete. Auf Medium habe ich einen eigenen Blog, den ich versuche regelmäßig zu pflegen.

Christian Müller: Danke lieber Reiner für das dabei sein, danke an die lieben Zuhörerinnen und Zuhörer für die Aufmerksamkeit, ich verlinke alles was Reiner genannt hat, wenn ihr Fragen habt dann gerne in die Kommentare, aber auch gerne an Reiner wenden, der ist gut erreichbar auf sozialen Netzwerken.

Danke an Kira Subkowski für die Transkription.


Also published on Medium.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

Twitter-Symbol Facebook-Symbol Google+-Symbol YouTube-Symbol Soundcloud-Symbol Xing-Symbol LinkedIn-Symbol Skype-Symbol

Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfeld / ** Wird nicht veröffentlicht!

 
Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden.
Mehr dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an cm@sozial-pr.net widerrufen.
 
Navigation