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22.01.2012 Kommunikation Von: Christian Müller 3 Kommentare

Kommunikationstief – Die CSU und die 3D-Demokratie

Es gibt geniale, durchschnittliche und schlechte Werbespots. Und es gibt Werbespots bei denen es einige Zeit dauert um zu entscheiden, ob lachen oder weinen die bessere Reaktion wäre. Ein Video dieser Kategorie hat die CSU veröffentlicht. Gefunden habe ich das Video über Netzpolitik.org. Sehen Sie selbst.

Ein Paradestück für misslungene Kommunikation und zwar aus mehreren Gründen.

Zu Beginn sieht der Zuschauer die CSU-Mitglieder bei der Anreise und schlussendlich in der Arbeitssituation der Klausur in Wildbad Kreuth. Das Ziel ist klar: Die Partei soll menschlich und sympathisch dargestellt werden, dazu müssen eben einige Gesichter gezeigt werden. Und um die Seriosität und den Einsatz der Parteimitglieder zu betonen, werden eifrig arbeitend bei der Klausur gezeigt. Rein subjektiv passt diese non-verbale Botschaft so gar nicht zur ersten verbalen Aussage des Videos, den, dort heißt es sinngemäß “Herrliches Winterwetter hier in Kreuth” Klingt – zumindest für mich – eher nach Urlaub.

Doch wirklich anstrengend wird das Video im Anschluss. Quasi als Gegensatz zum “herrlichen Winterwetter” folgt gleich danach “teilweise in Blackout im Internet”. Klar, es muss eine Überleitung zum Thema her, doch das ist dann schon mehr als erzwungen. In der Folge wird klar: Es geht um dem Blackout Day mit dem Wikipedia und Co. – erfolgreich – gegen den SOPA-Gesetzesentwurf in den USA protestiert haben. Oder anders ausgedrückt: Es geht Urheberrecht und Internet-Sperren oder – Zensur. Im Video heißt es dann, dass der CSU natürlich sowohl der Schutz des geistigen Eigentums als auch die Freiheit des Internets wichtig sind. Interessant ist, dass die Freiheit des Internets “für die Blogger und die für die Weiterentwicklung der Demokratie” wichtig ist. Klingt irgendwie sehr nach Buzzword-Bingo und den Versuch, ein klein wenig auf die Piratenpartei mit ihren Themen und Forderungen zu reagieren. Den Höhepunkt erreicht das Video allerdings erst danach.

“Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen aber die Freiheit des Internets schützen.”

Dieses Zitat sollten Sie sich ganz in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen. Was bitte ist denn die 2D-Demokratie? Und was soll die Weiterentwicklung zur 3D-Demokratie konkret ausmachen? Hier werden schlicht und ergreifend bekannte Begriffe – das Thema 3D ist im Bereich der Unterhaltungselektronik und speziell der Fernseher den meisten Zuschauern ein Begriff – in einen völlig anderen Kontext gesetzt, in dem sie keinen Sinn ergeben. Das zeugt von Unwissenheit und Inkompetenz, dabei ist Herr Sinner der medienpolitische Sprecher seiner Partei – also der Fachmann für Themen wir Urheberrecht, Internet, Online Kommunikation und Co.

Es wäre wirklich interessant zu wissen, welche PR-Agentur sich diesen Clip ausgedacht hat. Eines ist auf jeden Fall klar: Das ist reinstes Marketing Blabla ohne jeden sinnvollen Inhalt. Danke an die CSU, seit heute gibt es ein neues Beispiel für misslungene Kommunikation. Wird im nächsten Seminar garantiert Verwendung finden.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

Eberhard Sinner  |   22. Januar 2012 um 19:09 Uhr

end piracy, not liberty ist die Kernforderung. Bilder sagen mehr als tausend Worte, auch Sprachbilder. Wenn Globaliierung von manchen als Bedrohung der Demokratie empfunden wird, so sehe ich im Internet eine neue Dimension der Demokratie und Partizipation, die eben nicht reduziert werden darf durch die in Amerika eingebrachte Gesetzgebung . Stört sie das, weil es von einem CSU-Medienpolitiker kommt? Ich mache keine Werbespots.

Christian  |   22. Januar 2012 um 21:40 Uhr

Guten Tag Herr Sinner (ich gehe mal davon aus, das Sie hier selbst kommentieren),

zuerst: danke für Ihren Kommentar.

Das “end piracy, not liberty” die Botschaft Ihres Videos sein sollte, glaube ich Ihnen. Das hätte das Video vielleicht auch ausgesagt, wenn es nach Ihren ersten Aussagen geendet hätte. Doch der Teil mit der “2D- und 3D-Demokratie” ist so absurd, dass die intendierte Botschaft völlig untergeht. Auch Ihre Botschaft “end piracy, not privacy” strotz for Buzzwords. Das wirkt – aus meiner Sicht – eher wie leere Phrasen als wirklich überzeugende Aussagen. Wie gesagt, ich stelle nicht Ihre Intention in Frage, aber die kommunikativen Mittel sind einfach untauglich,

Ihr Parteizugehörigkeit spielt dabei übrigens keine Rolle. Eines noch: Natürlich handelt sich bei dem Video um einen Werbespot, eben für Ihre Partei und deren Politik. Das ist nicht verwerflich, ich frage mich nur, warum Sie das nicht offen kommunizieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Müller

Eberhard Sinner  |   23. Januar 2012 um 14:38 Uhr

Danke für Reaktion. Unabhängig ob Werbe-Spot oder nicht, ich habe versucht in einem kurzen Text klar zu machen, dass wir im Internet eine neue Dimension der Demokratie ermöglichen können. Die Begrifflichkeit 3D ist nichts anders als ein Anknüpfen an Globalisierung und natürlich als Bild zu verstehen. Ich habe in meiner Zeit als Minister 3 Bürgergutachten zu verschiedenen Themen gemacht. Über das Internet wäre diese Bürgerbeteiligung viel öfter, schneller, besser und kompetenter zu organisieren. Das Internet führt zu einer Universalisierung der Grundrechte, sichtbar an den Demokratiebewegungen des 21. JH. Schließlich sehe ich im Internet die große Chance Werte mächtiger als Waffen und Geld zu machen. Das habe ich in dieser Kurzform zusammengefasst. Ich glaube, dass das auch eine Intention von Tim Berners-Lee war. Den Vergleich 2D/3D habe ich schon öfters gebracht – auch in PPP – natürlich mit Beispielen unterlegt. Da es viele gibt, die in Globalisierung das Ende der Demokratie sehen, setze ich das Internet, ein Symbol der Globalisierung, als Chance für mehr Demokratie dagegen. Liquid democracy kann aber nicht heißen liquid values, daher mein Verweis auf die Charta der Grundrechte, der in Art 17 auch das geistige Eigentum schützt. End piracy not Liberty fasst das ganz gut zusammen.

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