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26.11.2012 Von: Christian Müller Lesedauer: 3 Minuten

Studium als Sinnsuche? – Warum ihr Alternativen braucht

„Ich konzentriere mich ganz auf das Studium, alles andere ist zweitrangig.“

Diesen Satz habe ich vor kurzem im Erstgespräch mit einem neuen Coachee gehört. Es war die Antwort auf meine Frage, welchen Stellenwert das Studium aktuell für ihn hat. Als Coach und Bildungsbegleiter sollte mich diese Einstellung natürlich freuen. Immerhin gibt es genug Studenten, bei denen das Studium frühestens an vierter oder fünfter Stelle steht. Doch der neue Coachee zeigte durch Blick, Mimik und Körpersprache, dass er diesen Satz absolut ernst meint. Nach dem Erstgespräch war für mich klar, dass sein Studium für ihn aktuell auch seine Sinnsuche ist. Das finde ich bedenklich, denn so wichtig Euer Studium auch ist: Ihr braucht Alternativen.

Um das gleich deutlich zu machen: Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, dass ihr Eurem Studium den angemessenen Stellenwert einräumt! Während Eurer Studienzeit solltet ihr Vorlesungen, wissenschaftliche Arbeiten und Studien-Projekte an erste Stelle setzen und Euch ernsthaft damit beschäftigen. Dennoch darf es nicht zum einzigen, alles bestimmenden Thema werden.

Leidenschaft ja, Besessenheit nein

Wenn ich Studenten kennenlernen darf, die ihr Studium mit Leidenschaft, Ehrgeiz und Hingabe angehen, freue ich mich wirklich jedes Mal. Es ist für mich immer wieder faszinierend, die Begeisterung und Motivation in den Gesichtern der Menschen zu sehen und zu spüren, wie sehr sie für die Sache brennen. Doch es gibt einen feinen Unterschied zwischen Leidenschaft und Besessenheit. Intensives Lernen ist gut und richtig, doch nur noch zu lernen, Freunde, Familie und Hobbys zu Gunsten des Studiums ständig zu vernachlässigen und das Privatleben fast komplett zu beenden, ist definitiv nicht gesund.

In der Klausurvorbereitung oder kurz vor der Abgabe einer wichtigen Arbeit kann es sinnvoll sein, sich in eine selbstgewählte Arbeitsisolation zurückzuziehen. Die Betonung liegt jedoch auf „selbstgewählt“. Das ist dann eine bewusste Entscheidung, andere Lebensbereiche zu Gunsten des Studiums oder der Klausuren zurückzustellen. Diese Entscheidung ist zeitlich befristet und nach dem Ende dieser Phase geht Euer Privatleben wieder seinen normalen Gang.

Aktives Monitoring

Vor allem ehrgeizige Studenten laufen Gefahr, dass solche, eigentlich befristete, Phasen zum Dauerzustand werden. Klar, mit einem großem Lern- und Arbeitspensum können engagierte Studenten ihre Ergebnisse oft noch verbessern. Für manche sind diese Erfolge Ansporn genug, um ihre Anstrengungen zu verstärken.

Wenn ihr Euch darin wiederkennt, müsst ihr rechtzeitig mit der Prävention beginnen. Diese besteht aus einem fortlaufenden Monitoring-Prozess, bei dem ihr Euer Verhalten selbst reflektiert und Euch Feedback von Freunden und Kommilitonen einholt. Das Wort „Prozess“ macht deutlich, dass ihr diese Maßnahmen kontinuierlich durchführen müsst. Solange Euer Ehrgeiz nicht nachlässt, müsst ihr auf der Hut sein. Das bedeutet nicht, dass ihr aktiv versuchen sollt, Euren Ehrgeiz einzudämmen. Nein, Ehrgeiz kann – richtig kanalisiert und genutzt – äußerst sinnvoll und nützlich sein.

Leidenschaft – nicht nur im Studium

Natürlich könnt und sollt ihr auch Euer Studium mit Leidenschaft und Ehrgeiz angehen. Das Wörtchen „auch“ ist jedoch entscheidend. Wer sich nur auf das Studium konzentriert, wird früher oder später ausbrennen und dann ohne ein funktionierendes soziales Netz – anders formuliert: ohne Freunde – dastehen. Das ist – aus meiner Sicht – kein erstrebenswerter Zustand.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

Karsten  |   26. November 2012 um 17:20 Uhr

Moin Christian,
schöner Artikel. Genau solche Kandidaten sind mir in meiner (kurzen) Zeit an der RWTH Aachen massenweise untergekommen. Einer hat sein Studium (Dipl. Ing. Maschbau) unter Regelzeit ohne eine Woche Urlaub durchgezogen und 4 Wochen nach dem Abschluss bereits seine Arbeitsstelle bei nem großen Energieversorger angetreten. Da ist Burnout sowas von vorprogrammiert…

Ich selbst seh das Studium allerdings durchaus als Zeit der Sinn- und Charakter-/Persönlichkeitssuche. Allerdings ganzheitlich, nicht nur im Beruf. Wenn jemand mit Leidenschaft studiert und Ehrgeiz zeigt, sollte das dennoch nie die Entwicklung der eigenen Person übergestellt sein. Sozial inkompetente und charakterlich null ausgebildete Menschen werden in der Regel auch mit Summa cum Laude nicht wahnsinnig erfolgreich werden.

Dementsprechen finde ich eine gewisse „Lockerheit“ bei der ganzen Sache ganz wichtig. Insbesonere natürlich auch beim Thema „Neuorientierung“, also dem Abbruch des Aktuellen und dem Ausprobieren etwas Neuem… Besonders weil ja nun schon junge 18 Jährige damit anfangen, MUSS eine Ausprobier-Toleranz her. Sowohl bei Uni, Student und Umfeld.

Mir ist immer schleierhaft, wie man sich mit 18 einfach mal so überlegen können soll, was man den Rest seines Lebens machen will… Das von jungen Menschen zu verlangen, ist eigentlich fahrlässig.

Aber ich komm ins Schwafeln 🙂

Danke dir für den Artikel,

Karsten

Christian  |   26. November 2012 um 17:26 Uhr

Hi Karsten,

danke dir für den Kommentar – schwafeln ist übrigens auch mal gut ;-).

Klar ist die Studienzeit auch Sinnsuche und Orientierung, aber eben – wie du auch sagst – nicht nur im Studium. Da auch, ist wichtig und sinnvoll, aber es darf nicht alles andere dominieren. Schließlich soll das Studium ja auch eine tolle Zeit sein, in der die Studenten auch in anderen Lebensbereichen viel ausprobieren können und dürfen. Die Erlebnisse der Studienzeit sind oft, äh, ich sag mal nachhaltig und einzigartig ;-).

Das soll und muss auch so sein. Aber wer da schon anfängt zu übertreiben, wird danach unter Garantie zum Workaholic und brennt aus. Das ist mal gar nicht Sinn der Sache.

Die Wahl des Studiengange halte ich selbst zwar für wichtig, doch oft eben auch für überbewertet. Viele meiner Coachees landen später in Jobs, die mit ihrem Studium nicht soooo viel zu tun haben. Gut, das kann auch an meinem schlechten Einfluss liegen ;-), ist aber oft einfach die Konsequenz, wenn sie ihrer Leidenschaft wirklich folgen und den Weg – mit allen (unangenehmen) Konsequenzen – angehen.

Gruß,
Christian

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