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04.09.2012 Von: Christian Müller Lesedauer: 3 Minuten

Unterhaltsame und verständliche wissenschaftliche Arbeiten – das wär mal was #Kommentar

Huberta Weigl hat heute drüben bei der Schreibwerkstatt ein Thema aufgegriffen, mit dem ich als Bildungsbegleiter und Coach von Studenten regelmäßig konfrontiert bin. Immer wieder legen mir Studenten wissenschaftliche Arbeiten vor, die im klassischen Fachchinesich – pardon, wissenschaftlichem Duktus – geschrieben sind. Kurz gesagt: Fachleute verstehen diese Arbeit zwar, doch gerne werden sie den Text sicher nicht lesen. Dazu ist er einfach zu trocken. Den Studenten wird dieser Stil oft von den gleichen Leuten vorgegeben, die sich dann über rückläufige Studentenzahlen und mangelnde Begeisterung wundern. Diese kognitive Dissonanz – um mal ein schönes Fachwort zu verwenden – geht mir gewaltig auf die Nerven.

Die Gründe für diese verfestigte und unverständliche Wissenschaftssprache hat Huberta Weigl in ihrem Artikel gut erfasst. Sie schreibt:

Warum aber schreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so kompliziert? Ich sehe drei Gründe:

  • „Wissenschaftssprache“ generiert „Wissenschaftssprache“: Im Studium sind Studierende mit unzähligen schlecht formulierten Wissenschaftstexten konfrontiert. Viele Studierende meinen, sich ähnlich ausdrücken zu müssen wie die Autorinnen und Autoren, deren Texte sie lesen. Lehrende beklagen häufig die schlechte Ausdrucksweise der Studierenden, sprechen mit ihnen aber zugleich fast nie über die Sprache der Wissenschaftstexte.
  • Mangelnde Reflexion: Die wenigsten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denken über den eigenen Schreibprozess nach. Dass es Methoden gibt, mit denen man den schriftlichen Ausdruck verbessern kann, ist den wenigsten bewusst oder es interessiert sie schlichtweg nicht. Der Besuch eines Schreibworkshops o.ä. ist für viele etwas völlig Abwegiges. Und damit sind wir beim dritten Punkt.
  • Fehlende Notwendigkeit, es anders zu machen: Wenn ein wissenschaftlicher Text wichtige Ergebnisse beinhaltet, wird er auf jeden Fall gelesen – egal, ob er gut oder schlecht formuliert ist. Im Unterschied zu anderen Autorinnen und Autoren müssen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler letztendlich gar nicht darum bemühen, verständlich zu schreiben.

Doch dann dürfen sich genau diese Herren und Damen eben nicht darüber wundern, dass die Studenten die Aussicht auf eine wissenschaftliche Arbeit etwas so begeisternd finden wie den Gang zur BaföG-Stelle 8und dort bekommen sie immerhin noch Geld). Natürlich gibt es zahlreiche Gründe für rückläufige Studentenzahlen, doch ein Faktor ist sicherlich, dass die tolle Arbeit und die Faszination der Wissenschaft gar nicht bei den potentiellen Studenten ankommt.

Dazu ein praktisches Beispiel: Der Raumzeit-Podcast von ESA und DLR mit Tim Pritlove begeistert bei jeder Folge hunderte Hörer und hat – den Kommentaren zur Folge – auch viele junge Menschen für ein Studium im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich begeistert. Die gleichen Jugendlichen würden bei einer wissenschaftlichen Arbeit aus einem dieser Fachgebiete – auch wenn sich diese vielleicht mit den gleichen Themen beschäftigt, wie eine Podcast-Folge – die Augen verdrehen und vermutlich schon nach den ersten Zeilen aufhören zu lesen. Sicher ist ein Podcast etwas anderes als ein geschriebener Text, doch das Prinzip dürfte klar sein.

Eine große Bitte

Liebe Wissenschaftler und Lehrkräfte, wenn ihr schon nicht bereit seid, euch selbst einen angenehm lesbaren Schreib- und Sprachstil anzugewöhnen, dann lasst doch wenigstens euren Studenten den Freiraum, das zu tun. Es kann nicht sein, dass inhaltlich und fachlich hervorragende Arbeit abgestraft werden, weil sie nicht wissenschaftlich, sondern unterhaltsam und gut lesbar geschrieben sind. Das hat übrigens im konkreten Fall auch die Prüfung der Arbeit ergeben und sie wurde vom Equivalent der Note drei auf eine eins hochgestuft. Dass es dazu langer Diskussionen, eines heftigen Streites zwischen mir und dem Professor und einer wochenlangen Prüfungen bedurft hat, ist für mich das Traurige daran.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

[…] Studium den angemessenen Stellenwert einräumt! Während Eurer Studienzeit solltet ihr Vorlesungen, wissenschaftliche Arbeiten und Studien-Projekte an erste Stelle setzen und Euch ernsthaft damit beschäftigen. Dennoch darf es […]

[…] Bevor jemand fragt: Nein, das habe ich während meines Studiums der Sozialpädagogik selbst auch nicht begriffen oder erkannt. Aber ich wünschte, ich hätte es. Einige Grundlagen habe ich sicherlich mitgenommen, doch während des Studiums war ich definitiv kein Fan des wissenschaftlichen Arbeitens, ganz und gar nicht. Mir gingen die exakten Vorgaben, die engen Grenzen und die gestelzte Sprache gehörig auf die Nerven. Gut, was die übertrieben wissenschaftliche Formulierung von Texten betrifft, hat sich das bis heute nicht geändert. […]

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