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19.03.2013 Kommunikation Von: Christian Müller 10 Kommentare

Weder Zensur noch böse Absicht: Der “Fall” Domian #Kommentar

ZensurUpdate: Eine Stellungnahme von Facebook bestätigt meine Annahme, dass hier die Technik eingegriffen hat.

Es ist mal wieder eine Geschichte aus der Kategorie: Kopfschütteln ohne Ende. Seit gestern wird wieder einmal die große Zensur-Keule rausgeholt. Stein des Anstoßes ist ein Beitrag des bekannten Radio-Moderators Domian auf Facebook. Dort regt er sich darüber auf, dass zwei seiner Beiträge von Facebook gelöscht wurden. Bei beiden ging es um die katholische Kirche, wer den Sachverhalt genauer nachlesen möchte, findet hier den Weg zu Domians Facebook-Seite.

Ich zitiere der Einfachheit halber aus Domians Beitrag:

Auch mein völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst entspricht nicht den Richtlinien von Facebook (so wurde es mir heute mitgeteilt). Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt.

Ein Blick in die Kommentare zeigt, dass viele seiner Fans hier – natürlich – von Zensur, politischer Agenda und teilweise wirklich abstrusen Verschwörungstheorien sprechen. Das ist alles völlig übertrieben und die Aufregung zeigt nur, wie wenig Menschen Facebook als das wahrnehmen was es ist: Ein Unternehmen mit eigenen Interessen.

Weder Zensur noch böse Absicht – eher die Technik

Es sei gleich vorausgeschickt, dass ich hier nicht an ein aktives Eingreifen von Facebook oder dessen Mitarbeitern glaube. Viel mehr dürften die beiden Beiträgen von Domian – wie er auch selbst vermutet – von zahlreiche Nutzern gemeldet worden sein. Logisch, dass dann die Technik eingreift und solche Beiträge aus dem Verkehr zieht.

Das ist jetzt keine Verteidigung, doch diese ist auch gar nicht nötig. Um das noch mal klar zu sagen: Von Zensur kann hier absolut keine Rede sein! Hier die Definition der Wikipedia:

Zensur (lateinisch censura) ist ein restriktives Verfahren von in der Regel staatlichen Stellen, um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.

Kurz gesagt: Zensur kann nur von staatlicher Seite ausgeübt werden. Facebook ist ein privates Unternehmen, das keinerlei Verpflichtung hat, Meinungen und Themen zuzulassen. Es ist schlicht nicht seine Aufgabe, Meinungsfreiheit zu gewährleisten. Punkt. Wer bis heute noch nicht verstanden hat, dass soziale Netzwerke der Kontrolle ihrer Eigentümer und Betreiber unterliegen, sollte schleunigst aufwachen. Sorry.

Grund der Empörung: Zerstörte Illusionen und Hilflosigkeit

Ein Grund für die Empörung dürfte vermutlich in dieser Illusion zu finden sein. Viele Nutzer sind immer noch der Meinung, dass es sich bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken um demokratische Kommunikationsplattformen handelt, auf denen Sie Rechte haben. Der “Fall” Domian zeigt wieder einmal, dass es sich dabei um eine reine Illusion handelt. Facebook hat komplettes Hausrecht und muss eine Löschung noch nicht einmal ansatzweise rechtfertigen.

Der andere Grund für die Empörung: Nutzer fühlen sich hilf- und machtlos. Ihnen wird bewusst, dass sie wenig bis keinen direkten Einfluss auf das Verhalten von Facebook haben und auch ihre Inhalte von heute auf morgen weg sein könnten. Das ist nicht schön, zugegeben. Doch genau auf diese Regeln lässt sich jeder Nutzer sozialer Netzwerke ein.

Wer eigene Inhalte weitgehend sicher publizieren will, sollte ein eigenes Blog mit einer eigenen Domain aufsetzen. Dort kann er seine Gedanken und Themen dann frei kommunizieren. In sozialen Netzwerken ist das nur möglich, solange es dem Betreiber gefällt. Das ist keine Zensur, sondern das völlig normale Verhalten eines Unternehmens. Es wird Zeit, dass sich mehr Nutzer darüber klar werden.

Inspiration

Die Inspirationsquelle des Artikels und der letzte Anstoß für mich, ihn wirklich zu schreiben, war heute eine Facebook-Beitrag von Stefanie Bamberg von Liebe & Detail Kommunikation. Danke für den Impuls.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

Rouven Kasten  |   19. März 2013 um 10:18 Uhr

Leider schon oft gehört. Jetzt wo aber eine Persön der Öffentlichkeit dazu stellung nimmt wird es hoch gekocht. Schon oft wurde Posts von mir gelöscht und niemand hat sich bei mir entschuldigt. Auch habe ich oft schon Artikel “gemeldet” aber sie sind immer noch Online. Irgendwas läuft das Falsch. Zu Domain fällt mir nur ein “Schreib einen Blog und sei Herr Deiner Meinung”. Das große sterben von Diensten wie Posterous oder Google RSS zeigt doch das man sich auf Drittanbieter nicht verlassen kann.

Christian  |   19. März 2013 um 10:20 Uhr

Solche Löschungen werden erst ab einer gewissen Sichtbarkeit und Prominenz des Betroffenen öffentlich wahrgenommen.

Deiner Schlussfolgerung kann ich nur zustimmen: Nur auf der wirklich eigenen Plattform habe ich auch die Kontrolle über meine Inhalte.

Roger Martin  |   19. März 2013 um 10:44 Uhr

Sie sagen, dass Zensur nur evon staatlicher Seite ausgeübt werden kann. Dabei berufen Sie sich auf die Definition von Wikipedia. Dort steht jedoch “in der Regel staatlichen Stellen”. Wieso lassen Sie das “in der Regel” einfach wegfallen? Es besagt doch genau, dass normalerweise der Staat zensiert, aber in Ausnahmefällen kann die Zensur auch von anderer Seite erfolgen! Ihre Definition widerlegt zudem nicht, dass es sich nicht um Zensur gehandelt hat! Es wurde in einem Massenmedium ein Inhalt unterdrückt, der nicht erwünscht war. Somit wird die Definion von Zensur erfüllt!
Es mag ja sein, dass es sich nicht um Absicht gehandelt hat – aber eine Zensur lag vor! Man sollte aber m.E. nun nicht den Fokus auf diesen Einzelfall legen und sich fragen, was Facebook gegen Domian oder seine Einstellung hat, sondern man sollte Facebook die Frage stellen, wieso die Zensur nicht rückgängig gemacht werden kann? Im vorliegenden Falle hat sich ja Facebook noch manuell mit der Sache beschäftigt und müsste also die Möglichkeit haben, den Beitrag wieder freizuschalten und dafür zu sorgen, dass er nicht mehr falsch gemeldet werden kann.

Christian  |   19. März 2013 um 10:51 Uhr

Hallo,

nein, Zensur liegt meiner Meinung nach nicht vor. Von Zensur kann nur gesprochen werden, wenn eine Institution – egal ob staatlich oder privat – die zur Einhaltung der Meinungsfreiheit verpflichtet ist, diese unterdrückt oder einschränkt. Facebook weder zur Aufrechterhaltung noch zu Durchsetzung der Meinungsfreiheit nicht verpflichtet. Es handelt sich maximal – wenn überhaupt – um die Durchsetzung des Hausrechts, dass Facebook im eigenen Netzwerk hat. Weder Unternehmen noch Blogger sind dazu verpflichtet, alle Meinungen zu zulassen.

Wenn ein soziales Netzwerk von sich aus oder auf Wunsch der Nutzer – was hier der Fall war – Inhalte sperrt und löscht, handelt es sich nie um Zensur. Erst wenn die Löschung aufgrund staatlicher Intervention stattfindet, kann über den Begriff ernsthaft diskutiert werden.

Gruß,
Christian

Joachim  |   19. März 2013 um 13:00 Uhr

Bin da auch, es einmal vorwegzunehmen, der Meinung von Roger Martin. Letztlich ist es egal bei einer solchen Diskussion, wie das Kind benannt wird. Es handelt sich für mich um einen Eingriff. Ob diese Mechanik durch Scanner usw. ausgelöst wurde – Diese Linie der Scanner oder so wird von Menschen vorgegeben. Leider finde ich es an dieser Stelle sehr, sehr merkwürdig, dass ein Unternehmen wie FB diesen Eingriff nicht wieder reproduzieren kann. Bzw. aus dem Archiv zu holen. Denke da gerne an die Diskussion, als der Student aus Wien (?) vor einiger Zeit seine persönliche Daten in Form einer CD oder Ausdruck erhielt. Demnach müsste/könnte es doch ein Archiv bei FB geben? …

Christian  |   19. März 2013 um 13:03 Uhr

Hallo Joachim,

oh, das Archiv gibt es sicher und so wie ich Facebook verstehe, haben sie die erneute Freischaltung noch nicht abgelehnt.

Wie gesagt: Der Eingriff und die Einflussnahme gefallen mir ganz sicher nicht. Doch die Aufregung jetzt ist deplatziert, das Problem gibt es schon lange. Ich hoffe ja, dass dieser “Fall” ein Weckruf für viele ist.

Gruß,
Christian

Magnus  |   19. März 2013 um 12:50 Uhr

Wenn hier davon die Rede ist, dass in Fällen wie dem Domian-Post die “Technik eingreift” erweckt das den Eindruck, irgendein Such-Algorythmus von Facebook würde gemeldete Beiträge automatisch nach zweifelhaften Begriffen Scannen oder ähnliches und sie daraufhin löschen.

Das ist, wenn nicht sachlich falsch dann zumindest irreführend formuliert: Die Meldungen von Beiträgen auf Facebook werden von menschlichen Mitarbeitern überprüft, deren Aufgabe es ist, Verstöße der Nutzungsbedingungen festzustellen. Nach menschlichem Ermessen also, ohne Bot oder technische Funktion.

Eine Facebook-Mitarbeiterin hat sich mittlerweile entschuldigt und die Löschung als “Versehen” bezeichnet (https://www.facebook.com/notes/tina-kulow/was-ist-mit-dem-post-von-domian-passiert/625428644149658). Um in dem Post von Domian zum Thema Martin Lohmann und die Katholische Kirche nun einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen zu erkennen braucht man schon einiges an Fantasie und dass man dann aus Versehen mehrere Posts gleichzeitig verschwinden lässt (also sowohl die Kirchen-kritischen wie auch die zum Thema Homo-Ehe) ist auch schwer nach zu vollziehen.

Eine kritische Auseinandersetzung wäre hier auf jeden Fall angebracht, liegt doch der Verdacht der Willkür sehr nahe. Auch wenn das sicher nicht dasselbe ist wie Zensur, in Ordnung ist es trotzdem nicht, wenn ein Unternehmen zwar Nutzungsbedingungen vorgibt, dann aber auch Leute über diese Regeln hinaus abstraft. Selbst wenn Facebook ein privater Raum mit Hausrecht ist, ein Vermieter muss auch erst einen Verstoß gegen die Hausordnung nachweisen, bevor er seine Mieter sanktionieren darf.

Mit einem “Technischen” Vorgang ist die Sache jedenfalls in meinen Augen nicht erklärt.

Christian  |   19. März 2013 um 12:59 Uhr

Hallo Magnus,

die gemeldeten Posts werden von Menschen untersucht, korrekt. Doch diese werden auch durch Algorithmen und automatisierte Systeme unterstützt, das hat Facebook mal erklärt, ich suche den Link dazu gerne mal raus.

Die Erklärung habe ich im Update ganz zu Beginn des Artikel verlinkt und angesprochen.

Dass ich das Verhalten von Facebook nicht für gut halte, schreibe ich im Artikel. Der Vergleich mit dem Vermieter hinkt jedoch, da es – im Gegensatz zum Mietrecht – hier keine Gesetze gibt, die Facebook binden (das gilt nicht beim Umgang mit den Daten der Nutzer).

Generell ging es mir im Artikel – und das wird auch deutlich – um die übertrieben Aufregung. Löschung finden ständig statt, jetzt hat es mal ein prominentes “Opfer” getroffen. Das ist nicht gut, aber eben auch nicht neu.

Gruß,
Christian

Magnus  |   19. März 2013 um 13:39 Uhr

Jetzt wo Sie’s sagen (ich weiß, Siezen ist im Netz eher ein Zeichen für Herabwürdigung, hier aber absolut nicht so gemeint!), der Vergleich hinkt wirklich etwas. Soviel zum Thema sich ereifern 😉

Es ist also keine juristisches Problem, sondern lediglich eine Frage der Fairness – die man von einem Aktienunternehmen nicht unbedingt erwarten kann, da haben Sie ganz Recht. Ich bin auch sonst kein Freund der Facebook-Kritiker, wenn sie z.B. unsinnige Widerrufe der “neusten” Nutzungsbedingungen Posten, so wie andere Leute sich Hufeisen über den Türrahmen hängen.

Nur dieser Fall hatte in meinen Augen eben aufgrund der Popularität Jürgen Domians (dessen Funktion als Multiplikator sich sicher auch Facebook bewusst ist) und der offensichtlichen nicht-Regelübertretung seinerseits eine etwas andere Qualität als das übliche “Facebook will uns sicher Böses und ist Teil der Weltverschwörung”.

Christian  |   19. März 2013 um 13:41 Uhr

Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu, der populäre Fall schafft – hoffentlich – Bewusstsein für das grundlegende Problem.

Dann hätte das Ganze auch einen positiven Aspekt.

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