Digital braucht Sozial mehr dann je: Das sozial-pr Manifest 2026

Ein altmodischer mechanischer Schreibmaschinenwagen der Marke Olympia mit eingelegtem Blatt Papier, auf dem handschriftlich ‚Manifest 2026‘ in blauer Schrift steht. Die Schreibmaschine liegt auf einer hellen, marmorierten Oberfläche.

Was hat sich verändert, was bleibt gleich und wie geht es weiter? Diese Fragen stellen sich zum Ende eines alten und zum Beginn eines neuen Jahres in schöner Regelmäßigkeit. Traditionsgemäß beantworte ich sie für mich, mein Netzwerk und meine (möglichen) Kund*innen im sozial-pr Manifest zu Beginn des neuen Jahres. Wie immer liegt auch 2026 der Fokus auf dem Blick nach vorne und den Gestaltungsräumen und -möglichkeiten, die ich aktiv angehen werde.

Beim Lesen meiner Manifeste der letzten Jahre musste ich ein wenig schmunzeln. Zwar haben sich so manche Vorsätze und Ziele nicht realisiert, doch die für mich wichtigen Themen haben sich kaum verändert und ziehen sich wie ein Bündel roter Fäden durch alle Texte. Das gilt auch 2026.

Rahmenbedingungen: Was bleibt gleich?

Meine Arbeitssituation hat sich nicht grundlegend verändert. Ich darf nach wie vor beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn für das Projekt „7 gegen Einsamkeit“ und die Social-Media-Arbeit verantwortlich sein, jeweils mit 50 Prozent. Beide Aufgaben bereiten mir Freude und ich bin sehr dankbar, dass ich, durch den Impuls meiner Frau Steffi, eine so passende und gute Arbeitsumgebung mit sinnvollen Aufgaben und tollen Menschen finden durfte.

Mit beiden Stellenanteilen plane ich aktuell dauerhaft respektive langfristig. Danke an meine Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen, die das möglich machen. Und natürlich danke an meine Frau, ohne die all das – auch die folgenden Aspekte und Pläne – nicht möglich wäre.

Digital braucht Sozial: Bekanntes Motto mit neuem Fokus

Inhaltlich und thematisch setzt sich meine Entwicklung der letzten Jahre recht geradlinig fort. Ich zitiere mich sinngemäß selbst aus meinem Manifest 2025:

Meine grundlegende Motivation besteht darin, die Profession der Sozialen Arbeit und ihre Entwicklung zu unterstützen. Sowohl bei der verantwortungsvollen, menschenfreundlichen und wirksamen Nutzung digitaler Potenziale und Möglichkeiten, als auch bei der gesellschaftlichen Verankerung und Wirkung.

Vor allem den zweiten Teil baue ich 2026 aus. Letztes Jahr lag mein Fokus noch rein auf der Nutzung digitaler Möglichkeiten. Das hat sich durch die Entwicklungen der und meine Erfahrungen des letzten Jahres, genauer gesagt, der letzten Jahre, verändert.

Meine drei Themenschwerpunkte sind daher auch eine Weiterentwicklung des letzten Jahres:

1. Verantwortungsvoller und menschenfreundlicher KI-Einsatz

Künstliche Intelligenz, nicht nur generative, ist und bleibt eines meiner zentralen Themen. Allerdings entwickelt sich mein Fokus hier weiter. In den Jahren seit der Veröffentlichung von ChatGPT bestand meine Hauptarbeit darin, Kompetenzen bei der Nutzung generativer KI-Systeme zu vermitteln und soziale Organisationen bei der strategisch und operativ sinnvollen Nutzung der bekannten Systeme zu unterstützen.

Die Vermittlung von KI-Kompetenzen behalte ich 2026 als Aufgabe bei, doch ich weite meinen Fokus im KI-Bereich aus. Er liegt darauf, Fachkräfte und Organisationen der Sozialen Arbeit und Zivilgesellschaft beim Einsatz datenschutzrespektierender – ja, den Begriff habe ich erfunden – und europäischer oder selbst verwalteter KI-Systeme zu unterstützen. Konkret bedeutet das:

  • Verstärkter Kommunikation und Schulung generativer KI-Systeme wie beispielsweise Le Chat von Mistral oder Sozial-KI. Letztgenanntes ist inzwischen mein Hauptsystem.
  • Verstärkte Schulung und Kommunikation lokaler KI-Anwendungen.
  • Bewusste Ausweitung meiner Kommunikation und Inhalte über generative KI und LLM hinaus.

In allen drei Bereichen hat die Entwicklung 2025 große Schritte gemacht und es ist an der Zeit, dass wir in Zivilgesellschaft, Sozialer Arbeit und Wohlfahrt das Potenzial nutzen. Denn inzwischen ist es auch mit vergleichsweise geringen Ressourcen möglich, KI datenschutzrespektierend, selbstkontrolliert und datensouverän einzusetzen.

Dazu gehört auch die Vermittlung von mehr Grundlagenwissen über Machine Learning, KI-Systeme jenseits von LLM und Transformern und deren Funktionsweise, Stärken und Schwächen. Dabei werde ich nicht zu mathematisch, da gibt es mit Menschen wie beispielsweise Sandra Looß auf LinkedIn echte Kapazitäten, doch es wird in manchen Artikeln sicherlich anspruchsvoller und struktureller werden. Parallel dazu befasse ich mich schon seit 2024, und 2026 noch intensiver, mit der Technik und Mathematik hinter KI und Machine Learning. Auch ethische Aspekte stehen verstärkt auf meinem Lernplan.

Warum? Weil dieses Wissen oder zumindest das grundlegende Verständnis für die Mechanismen und Funktionsweisen essenziell ist, um strategisch fundierte Entscheidungen für den verantwortungsvollen und sinnvollen Einsatz von KI-Systemen treffen – oder dazu beraten und begleiten – zu können.

Ein so klarer Fokus bedeutet natürlich auch Einschränkungen. Da ich europäische und datenschutzrespektierende KI-Systeme priorisiere, werde ich nicht mit allen Entwicklungen von ChatGPT, Claude oder Gemini mithalten können. Für Grundlagen-Seminare und Kompetenzvermittlung wird es sicherlich reichen, doch wenn Organisationen beispielsweise ChatGPT Business einkaufen und intensiv integrieren und schulen wollen, werde ich Kolleg:innen, wie beispielsweise Julia Junge empfehlen. Einzig den Microsoft CoPiloten und Googles NotebookLM werde ich, weil ich sie für bestimmte Aufgaben und Kontexte brauche, weiterhin schulen und aktiv verfolgen.


2. Menschenfreundliche Kommunikation und Demokratieförderung im digitalen Raum

Das Thema der menschenfreundlichen Kommunikation zieht sich seit vielen Jahren durch meine Arbeit und wird 2026 noch wichtiger. Konkret bedeutet das:

  • Ein stärkerer Fokus auf ganzheitliche und umfassende Kommunikation, auch mit Offline-Medien und Nischen-Kommunikationskanälen.
  • Stärkere Nutzung und Kommunikation nicht-algorithmisch gesteuerter Netzwerke und dezentraler Kanäle. Stichworte sind hier Fediverse, Blog, datenschutzrespektierende Messenger und E-Mail.
  • Aktiver Einsatz gegen Hatespeech und spaltende Kräfte. Damit geht auch ein stärkeres Engagement für Demokratieförderung im digitalen Raum einher.

In Sachen Kommunikation werde ich meine Arbeit also gesellschaftlich wirksamer ausrichten und das natürlich mit meiner Arbeit im KI-Bereich verbinden. Ein erstes Projekt in diese Richtung durfte ich bereits, gemeinsam mit dem Caritasverband für das Erzbistum Berlin und dem Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, beginnen.

Diese kommunikative Ausrichtung wird auch meine eigene Kommunikation auf drei Arten prägen:

  1. Mein Berufsoptimismus wird in meinen Inhalten noch sichtbarer und leitender werden.
  2. Position beziehen und sich einsetzen heißt für mich primär, FÜR bestimmte Themen und Positionen einzustehen. Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen nur von positiven Alternativen und Zukunftsbildern angezogen fühlen. Zustandsbeschreibungen, die primär Defizite aufzeigen und gegen radikale Haltungen eintreten, sind nicht attraktiv. Das Sich-entgegenstellen ist zweifellos wichtig, mindestens genauso wichtig ist jedoch zu zeigen, WOFÜR wir eintreten.
  3. Bereits 2024 habe ich in meinem Manifest geschrieben, dass ich mehr an Utopien für die Soziale Arbeit arbeiten und mitwirken will. Öffentlich sichtbar ist zu diesem Thema seitdem wenig passiert, doch für mich und im Hintergrund habe ich daran konsequent weitergearbeitet. Letztes Jahr habe ich dann, nachdem Steffi den entscheidenden Impuls gab, der alles zusammenbrachte, ein sehr konkretes Bild davon entwickelt, wie meine Arbeit dazu aussehen wird. Mehr dazu im Folgenden.

3. Soziale Arbeit gesellschaftlich verankern und mitgestalten

Mein dritter Fokusbereich hat wenig mit konkreten Aufträgen und Projekten zu tun, zumindest in der näheren Zukunft. Hier will ich meinen Teil dazu beitragen, die Soziale Arbeit gesellschaftlich und politisch als die Querschnittsprofession zu verankern, die sie aus meiner Sicht schon längst ist. Dank Steffi habe ich jetzt ein klares Bild davon, wie mein Engagement dafür aussehen wird.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis ich es konkret umsetzen und öffentlich darüber sprechen werde. Doch mit ersten Vertrauten habe ich bereits Gespräche geführt und wertvolles Feedback erhalten. Die Vorbereitungen laufen und 2026 und in den folgenden Jahren werde ich die Grundlagen dafür legen. Auch durch die Arbeit an mir. Das Thema und die Arbeit werden 2026 und in den folgenden Jahren viel Raum, Zeit und Energie einnehmen.

Wenn du dich beruflich mit Sozialer Arbeit, der Lehre der Sozialen Arbeit, ihrer Professionalisierung oder Weiterentwicklung – fachlich, strukturell und / oder politisch – beschäftigst, freue ich mich auf deine Kontaktanfrage und den Austausch mit dir. Das gilt auch für Empfehlungen zu Büchern, Veranstaltungen, Kontakten oder Weiterbildungen, die ich aus deiner Sicht unbedingt besuchen, lesen oder absolvieren sollte.

Kurzzusammenfassung oder: too long didn’t read

Wenn dir das zu viel Text war oder du wenig Zeit hast und deshalb über das Inhaltsverzeichnis direkt hierher gesprungen bist, fasse ich dir die Kernaussagen gerne zusammen:

  1. Meine Arbeit konzentriert sich 2026 auf verantwortungsvolle, datenschutzrespektierende und menschenfreundliche KI. Mein Fokus liegt auf der lokalen Nutzung, offenen Modellen, eigenen und europäischen KI-Systemen. Auch das Fachwissen zu KI kommuniziere ich verstärkt.
  2. Mit meiner Kommunikation fokussiere ich mich auf menschenfreundliche, datenschutzrespektierende, dezentrale und nicht-algorithmisch gesteuerte Kommunikationskanäle, Medien und Plattformen. Meine eigenen Inhalte werden stärker von meinem Berufsoptimismus geprägt sein. Demokratieförderung im digitalen Raum wird ein wichtiger Teil meiner Arbeit werden.
  3. Meine grundlegende Motivation ist die gesellschaftliche und politische Verankerung der Sozialen Arbeit als Querschnittsprofession. Daher setze ich mich aktiv für die Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit ein. Ich habe bereits ein sehr konkretes Bild davon, wie dieser Einsatz aussehen wird. Bis ich darüber öffentlich sprechen oder es realisieren kann, wird es jedoch noch einige Zeit dauern. Austausch oder Empfehlungen zur Entwicklung der Sozialen Arbeit sind jedoch jederzeit herzlich willkommen.

Wenn irgendetwas davon für dich interessant klingt oder du für dich oder deine Organisation an einem der genannten Themen arbeitest: Lass uns gerne sprechen. Das gilt sowohl für – gerne gesehene – Anfragen zur Zusammenarbeit als auch für Gespräche und Vernetzung.

2026 hält garantiert zahlreiche Herausforderungen für uns bereit. Damit verbunden sind große Gestaltungsräume und -potenziale und zahlreiche Chancen. Lass sie uns gemeinsam nutzen!

Denn Digital braucht Sozial – 2026 mehr denn je!

Bildnachweis: White Paper on a Green and Black Typewriter, Markus Winkler von Pexels via Canva Teams.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner