Mistral AI und Le Chat im Überblick – europäische KI-Systeme als ChatGPT-Alternative – Teil 1

Mehrere Personen arbeiten an Laptops an einem Tisch, wobei auf einem Bildschirm eine Chat-Oberfläche mit Logo zu sehen ist, was eine gemeinsame Arbeitssituation in einem modernen Büro oder Café zeigt.

Wenn von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) die Rede ist, fallen in der Regel Namen von US-Anbietern wie ChatGPT, Gemini und Claude (Code). Mit Le Chat vom französischen Anbieter Mistral AI gibt es jedoch eine Alternative, die konsequent auf eine europäische Ausrichtung setzt. Le Chat ist neben Sozial-KI inzwischen eines meiner beiden Haupt-KI-Systeme. Im ersten Teil der Serie gebe ich euch einen Überblick über das System und das Unternehmen.

Da eure Zeit kostbar ist, adressiere ich gleich zu Beginn, für wen dieser Artikel nützlich ist. Ihr solltet weiterlesen, wenn …

  • … ihr euch für Anbieter und Systeme generativer KI interessiert.
  • … Datenschutz und privatsphärerespektierende Systeme für euch relevant sind.
  • … Nachhaltigkeit generativer KI für euch ein wichtiges Thema ist.
  • … ihr Offenheit, Flexiblität und digitale Souveränität zu schätzen wisst.

Der Artikel, und Le Chat und Mistral AI, sind für euch eher weniger nützlich, wenn ihr …

  • … ein ethisch völlig unproblematisches generatives KI-System sucht. Spoiler: Das kann es heute (noch) gar nicht geben.
  • … den größtmöglichen Funktionsumfang auf dem Level von Gemini Pro oder den neusten Modellen von OpenAI braucht. Mini-Hinweis aus meiner Praxis: Die wenigsten Unternehmen oder Organisationen BRAUCHEN die neuesten Modelle wirklich.
  • … maximale Kompatibilität und fertige Integrationen mit den großen kommerziellen Anbietern und Ökosystemen, beispielsweise Microsoft 365, oder ähnliches sucht oder braucht.

Wenn ihr noch da seid: Herzlich willkommen. Dieser Artikel ist der erste von mindestens drei Teilen, in denen ich euch Mistral AI und seine KI-Systeme vorstelle. Ob es mehr Teile werden, hängt auch von euch und euren Fragen ab. In Teil 1 hier erwartet euch zuerst der Blick auf das Unternehmen Mistral AI und das KI-System Le Chat.

Mistral AI: Französischer Anbieter generativer KI-Systeme

2023 gegründet, hat sich Mistral AI in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Als ich das System Anfang 2024 das erste Mal getestet habe, waren die Ergebnisse so weit von der damaligen ChatGPT-Version entfernt, dass ich den Test nach wenigen Wochen enttäuscht abgebrochen habe.

Durch kontinuierliche Updates hat sich das jedoch geändert. Spätestens seit Ende 2024 sind die Mistral-AI-Modelle wirklich konkurrenzfähig. Bevor sich jemand in den Kommentaren aufregt: Mit konkurrenzfähig meine ich, dass Nutzer*innen, die mit den Mistral-AI-Modellen in Le Chat arbeiten, für die häufigsten Einsatzzwecke und Anwendungen gute Ergebnisse bekommen.

KI-Benchmarks und andere, rein auf Leistung, aber nicht auf praxistaugliche Ergebnisse ausgelegte Tests interessieren mich zwar fachlich, sind für den größten Teil meiner Kund*innen jedoch irrelevant.

Ein Mini-Einschub zu den Modellen: Mistral AI verfolgt bei der Modellauswahl übrigens einen für mich sehr vorbildlichen Ansatz: In einem Artikel auf ihrer Website stellen sie nicht nur ihre offenen Modelle vor, sondern beschreiben auch, welches Modell für welche Aufgabe am besten geeignet ist.

Dabei weisen sie explizit darauf hin, dass für viele Anwendungen kleinere Modelle völlig ausreichen und der Ressourcenverbrauch großer Modelle gar nicht nötig ist. Das finde ich super!

Generative KI-Systeme werden, wie die meisten technischen Angebote, von Unternehmen betrieben. Wie bei Cloud-Systemen halte ich es auch im Bereich der generativen KI für essenziell, sich mit den Unternehmen hinter den Diensten zu beschäftigen, bevor sich Organisationen strategisch für Anbieter entscheiden.

Daher hier die aus meiner Sicht für soziale und gemeinnützige Organisationen wichtigsten Aspekte zu Mistral AI im Überblick:

  • Privates französisches Unternehmen mit vielfältigen Investor*innen, auch aus den USA. Die größten Finanzierungsanteile kommen jedoch vom niederländischen Unternehmen ASML und von der französischen Regierung. Investitionen von US-Unternehmen spielen eine deutlich kleinere Rolle und haben laut Mistral AI keinen Einfluss auf die Ausrichtung und Strategie des Unternehmens.
  • Die Infrastruktur von Mistral AI und die Datenspeicherung sind primär in Europa konzentriert. Einige Arbeitsschritte – namentlich Inferenz und Training – finden teilweise noch auf gemieteter US-Infrastruktur statt. Diesen Anteil reduziert Mistral AI aber Schritt für Schritt und investiert unter anderem mehrere Milliarden in den Aufbau eines Rechenzentrums in Frankreich. Privatsphäre und digitale Unabhängigkeit von den USA sind für Mistral AI wichtige Prinzipien, die sie auch immer wieder kommunizieren.
  • Mistral AI ist das erste, und aktuell einzige mir bekannte, KI-Unternehmen, das sich aktiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und eine erste Auswertung des Ressourcen-Fußabdrucks von KI-Modellen mit konkreten Zahlen veröffentlicht hat. Mistral AI selbst sagt, dass dies ein erster Schritt zu einem Nachhaltigkeits- oder Umweltstandard für KI-Modelle sein soll. Auch wenn seit Veröffentlichung der Übersicht Mitte 2025, zumindest öffentlich, nichts mehr in die Richtung geschehen ist.
Infografik zur Lifecycle-Analyse des Mistral Large 2 Modells mit prozentualen Umweltwirkungen in verschiedenen Phasen.
Lifecycle-Analyse des Mistral Large 2 Modells mit Fokus auf Umweltwirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Bislang klingt das alles sehr gut, ist es auch, doch natürlich gibt es auch kritische Aspekte. Einer ist aus meiner Sicht vor allem für wertegeleitete soziale und gemeinnützige Organisationen relevant: Mistral AIs Verbindungen in den militärischen Bereich.

Anfang 2026 hat Mistral AI einen großen Vertrag mit dem französischen Militär abgeschlossen. Das ist kein Zufall, denn das Unternehmen bemüht sich bereits seit Anfang 2025 aktiv um militärische Aufträge in Europa.

Die Bewertung dieser Kooperation und Aufträge muss jede Organisation und jede*r Nutzer*in für sich vornehmen. Ich persönlich sehe den militärischen KI-Einsatz zwar kritisch, bin aber realistisch genug anzuerkennen, dass solche Aufträge bei wirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen im generativen KI-Bereich heute leider unvermeidlich sind.

Le Chat: Eine ChatGPT Alternative aus Europa

Was Mistral AI von anderen europäischen und deutschen KI-Anbietern unterscheidet, ist, dass sie mit Le Chat einen generativen KI-Assistenten im Angebot haben, der klar als Alternative zu ChatGPT positioniert und für Nutzer*innen genauso leicht zugänglich ist.

In diesem ersten Artikel gebe ich euch einen Überblick über Le Chat, im zweiten Artikel der Serie fokussiere ich detailliert nur auf das System.

Einen Nachteil gegenüber ChatGPT möchte ich für das Erwartungsmanagement gleich zu Beginn benennen: Die kostenlose Version von Le Chat ist eher eine Testversion als ein wirkliches Arbeitsinstrument, zumindest im Kontext des professionellen Einsatzes für soziale und gemeinnützige Organisationen.

Während ChatGPT, abhängig von der Tagesnutzung der zahlenden Kund*innen, teilweise stundenlange intensive Arbeit im kostenlosen Plan möglich macht, stoßt ihr bei Le Chat viel schneller an die Grenzen des kostenlosen Accounts.

Meine Erfahrungen beziehen sich primär auf den bezahlten Team-Account, der ein wenig teurer ist als der Pro-Plan. Eine Übersicht der aktuellen Preise findet ihr im folgenden Screenshot:

Screenshot der Mistral-AI-Preisseite mit den Tarifen Free, Pro und Team.
Übersicht der Preispläne von Mistral AI für Einzelpersonen und Teams.

Ihr seht also: Die bezahlte Version von Le Chat ist sogar einen Tick günstiger als der bezahlte Einstieg bei ChatGPT. Das gilt auch funktional. Hier müsst ihr, wie heute in vielen Bereichen, für euch die Frage beantworten, was euch Datenschutz, digitale Souveränität und die Unterstützung europäischer Alternativen wert sind.

Nach der Anmeldung ist die Ähnlichkeit von Le Chat zu ChatGPT offensichtlich. Persönlich finde ich das nicht überraschend, schließlich hat ChatGPT das Interface für Chatbots nun wahrlich nicht erfunden:

Screenshot der Mistral-Chatoberfläche mit Eingabefeld und Navigationsmenü.
Startansicht der Mistral-AI-Oberfläche zur Interaktion mit dem Sprachmodell.

Funktional bietet euch Le Chat einiges. Die wichtigsten Funktionen aus meiner Sicht:

  • Projekte mit Personalisierungsfunktion
  • Bildgenerierung
  • Code-Interpreter
  • Recherche-Modus
  • Canvas-Funktion für komplexe Texte
  • Wissensdatenbanken

Im Bereich „Intelligenz“ rechts verbergen sich die Aspekte Erinnerungen (ähnlich ChatGPT, aber mit mehr Kontrolle), Konnektoren (die Integrationen und Verbindungen zu anderen Cloud-Systemen), Bibliotheken (Wissensdatenbanken, die ihr mit euren Daten befüllt) und Anweisungen (hier hinterlegt ihr eigene System- und Masterprompts).

Der Begriff „Agenten“ steht bei Le Chat für eine funktionelle Kombination dessen, was ChatGPT eigene GPTs nennt, und „echter“ Agenten, die Aufgaben nach Anweisung teilautonom erfüllen können.

In der täglichen Nutzung gibt es kaum Unterschiede zu ChatGPT. Nur die Canvas-Funktion muss in den Chats, in denen ihr sie verwenden wollt, jedes Mal explizit aktiviert werden. Warum, ist mir noch nicht ganz klar, ich hab den Mistal-AI-Support dazu mal angeschrieben und warte noch auf eine Antwort.

Die entscheidende Frage: Sind die Ergebnisse mit ChatGPT vergleichbar? Jein. Out-of-the-Box, also ohne Konfiguration und Lernzeit, sind die generierten Texte meist ein wenig generischer als die von ChatGPT.

Allerdings lernt Le Chat mit den Mistral-AI-Modellen schnell und ist meiner Erfahrung nach sehr gut darin, einmal hinterlegte Stile zu imitieren und Anweisungen umzusetzen.

Was euch auffallen dürfte: Die Mistral-AI-Modelle simulieren weniger Empathie und loben nicht jede Frage oder jeden Prompt als „super Idee“. Hier ist für mich die europäisch-kulturelle Prägung der Modelle sicht- und spürbar, und ich persönlich bevorzuge den sachlicheren Stil von Le Chat. Schließlich ist es nur ein, mächtiges, Werkzeug, kein Kollege.

Meine Serie zu Le Chat und Mistral AI

In Teil zwei dieser Serie fokussiere ich mich ganz auf Le Chat im praktischen Einsatz und teile meine Erfahrungen und Tipps mit euch. Der dritte Teil betrachtet dann die weiteren Angebote von Mistral AI, vor allem ihre API und was ihr mit den Mistral-AI-Modellen in euren eigenen KI-Systemen tun könnt.

Ich setze sie beispielsweise in meinem Notizprogramm Obsidian, aber auch in LM Studio, als Ergänzung meiner lokalen KI-Modelle, ein.

Wenn ihr für diese beiden Teile Fragen habt oder euch andere Aspekte von Mistral AI interessieren, schreibt mir einfach einen Kommentar oder meldet euch direkt bei mir, und ich nehme eure Anregung auf.

Und falls euch der lokale Einsatz generativer KI interessiert, ist mein Artikel „Generative KI lokal nutzen – Anleitung und Tipps für den Einstieg“ ein guter Startpunkt dafür.

Viel Spaß mit Le Chat und / oder lokaler KI!

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