5 Argumente für die Kommunikation auf Mastodon

Eine Hand hält ein Smartphone mit der Mastodon-App auf dem Bildschirm. Die App zeigt niedliche Cartoon-Elefanten auf einer grünen Wiese. Daneben sind Sprechblasen mit dem Mastodon-Logo, dem Wort „TRÖÖÖT" und der Frage „Was spricht für die Nutzung des Kanals?" zu sehen. Das Bild hat einen blauen Rahmen.

Geplant war dieser Blogartikel eigentlich als aktuelle Ausgabe meines Newsletters Digital braucht Sozial. Doch da kein Plan den Kontakt mit der Wirklichkeit überlebt, und mehr als 1000 Wörter für eine E-Mail einfach arg viel sind, lest ihr ihn jetzt hier. Im Newsletter teile ich dafür meine Werkzeuge für die Kommunikation auf Mastodon mit euch.

Wie schon in meinem Blogartikel letzte Woche angekündigt, geht es heute um Argumente für den Einstieg in Mastodon.

Die formuliere ich explizit aus Sicht und für soziale, zivilgesellschaftliche, gemeinnützige und gemeinwohlorientierte Organisationen und die dort aktiven Kommunikationsprofis.

Mein Ziel: Euch vom Potenzial, Sinn und Nutzen der Kommunikation auf Mastodon zu überzeugen – oder zumindest tieferes Interesse dafür zu wecken – und euch Argumente für das Gespräch mit euren Leitungspersonen an die Hand zu geben.

Wenn ihr selbst auf Mastodon aktiv seid,lasst uns gerne in Kontakt treten. Und wenn ihr weitere Argumente – oder Gegenargumente – habt, lasst sie mich gerne per E-Mail wissen. Mein Blog könnt ihr auf Mastodon übrigens auch gesondert abonnieren.

Ich freue mich auf den Austausch. Viel Spaß beim Lesen und Tröten.

Mastodon: Das dezentrale Netzwerk mit relevanter Reichweite und Interaktion

Vorweg ein vielleicht banaler, jedoch wichtiger Hinweis: Wenn ihr selbst oder eure Leitungspersonen sich auf größtmögliche direkte Reichweite fokussieren und das als wichtigstes aller KPI sehen, könnt ihr euch die Zeit für die folgenden Zeilen sparen.

Ich sage grundsätzlich, und führe das in diesem Blogartikel noch detailliert aus, dass ein zu starker Fokus auf absolute direkte Reichweite im Jahr 2026 für uns als Kommunikationsprofis im Sozialbereich und der Zivilgesellschaft ein Fehler ist.

Wenn diese These in eurer Organisation jedoch eine Grundsatzdiskussion auslöst, solltet ihr die zuerst führen und euch erst danach Gedanken über Mastodon oder das Fediverse machen.

Im Folgenden meine Argumente für die Kommunikation auf Mastodon in absteigender Priorität.

1. Relevante Reichweite und echte Interaktion

Mastodon-Nutzerinnen und -Nutzer sind aktuell in der Regel diskussions- und kommunikationsfreudiger als die Nutzenden anderer Plattformen. Das hat natürlich den „Nachteil“, dass ihr hier potenziell auch mehr Aufwand in Sachen Kommentarbeantwortung und Interaktion haben könnt.

Da es sich jedoch, meistens, um zivilen Austausch, inhaltliche Kommentare und (konstruktiv-kritische) Nachfragen handelt, sehe ich das eher als ein Luxusproblem. Hatespeech ist (noch) selten. Ob sich das ändert, was natürlich zu befürchten ist, werden wir sehen.

2. Ehrliches Feedback zur Relevanz eurer Inhalte

Auch auf den meisten anderen Plattformen und Netzwerken spielt die Relevanz der Inhalte zwar eine Rolle, doch Reichweite lässt sich leider auch durch „Algorithmus Hacks“ und schlichtes Werbebudget erreichen, ohne je eine echte Aussage zur Relevanz der Inhalte zu erhalten.

Auf Mastodon ist das anders. Da es keinen Algorithmus gibt, entsteht eure Reichweite durch inhaltliche Relevanz, gute Beziehungs- und Community-Arbeit und Hashtags für die Findbarkeit. Wenn eure Inhalte gefunden werden, entscheidet wieder die Relevanz, ob sie auch weitergetrötet werden.

3. Neue Zielgruppen erreichen

Die User-Basis von Mastodon ist natürlich deutlich kleiner als die beispielsweise von Instagram, doch dafür sind auf der Plattform mit dem Urzeit-Elefanten als Logo Menschen aktiv, die wir auf anderen, kommerziellen Plattformen kaum noch oder gar nicht erreichen.

Sind diese oft privatsphäre- und datenschutzaffinen Menschen, die sich oft mehr für Austausch und Themen als für Likes und Klicks interessieren, für uns relevant? Ich meine ja, doch konkret könnt das natürlich nur ihr für eure Organisation entscheiden.

4. Das Potenzial indirekter Reichweite

Dieses Argument priorisiere ich ganz bewusst niedriger als das dritte, denn mir geht es immer zuerst um den Kontakt mit den Menschen. Doch aus einer strategischen Sicht sollten wir nicht übersehen, dass auf Mastodon auch viele aktivistisch und zivilgesellschaftlich aktive Menschen unterwegs sind.

Wenn wir diese mit unseren Inhalten erreichen, vielleicht sogar gute Beziehungen aufbauen und sie von unseren Anliegen und unserer Mission überzeugen, können unsere Themen dadurch eine große indirekte Reichweite bekommen. Denn wenn diese Menschen unsere Themen weitertragen, erreichen wir Menschen, die auf unsere eigenen Beiträge, egal auf welcher Plattform, nie reagiert hätten.

5. Eine dezentrale, nicht kommerzielle, nicht US‑kontrollierte Plattform

Für mich persönlich kommt dieses Argument auf Platz zwei, doch mir ist klar, dass es in Diskussionen mit den meisten Leitungspersonen keine riesige Rolle spielen wird. Auch wenn ich hoffe, dass aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in den USA das ändern werden.

Kurz gesagt: Durch seine dezentrale Natur unterliegt Mastodon nicht der Kontrolle einer einzigen Person oder Organisation und ist unabhängig von US-Gesetzen und -Wertvorstellungen. Dazu kommt, dass Mastodon sich nicht durch Werbung oder den Verkauf von Daten finanziert.

Diese Kombination macht es zu einer Alternative für all die Menschen, die sich zwar mit anderen vernetzen, dafür aber nicht ihre Daten verkaufen wollen. Und es ist ein Backup für den Fall, dass wir irgendwann doch Meta und all den anderen kommerziellen Plattformen den Rücken kehren, weil wir deren Nutzung, wie bei X schon heute der Fall, nicht mehr ethisch vertreten können.

Mein Bonus-Argument ist nur für die unter euch relevant, die – wie ich – das Fediverse und generell dezentrale Alternativen stärken wollen: Mastodon kann ein hervorragender Einstiegspunkt in die breitere Nutzung von Diensten im Fediverse sein.

Wie viel Arbeit braucht Mastodon?

Wie bei jedem anderen Netzwerk braucht auch die Kommunikation auf Mastodon Zeit und Ressourcen. Meiner Erfahrung und Überzeugung nach ist der Aufwand jedoch a) machbar und b) anders gelagert als bei den kommerziellen Netzwerken.

Die Gründe:

  • Wenn ihr bereits Inhalte für andere Plattformen erstellt, lassen sich Bilder und Videos meistens mit wenig Aufwand gut auf Mastodon nutzen.
  • Beitragstexte müssen oft gekürzt werden – Mastodon hat ein Zeichenlimit, das die Älteren unter uns ein wenig nostalgisch an die Twitter-Zeiten denken lässt, doch das ist mit passender Planung kein Problem. Verfasst einfach zuerst die kurze Version für Mastodon und baut die Version dann für die anderen Netzwerke aus.
  • Wo der Zeitaufwand größer werden kann, ist im Kommunikations- und Community-Bereich. Mastodon-Nutzerinnen und -Nutzer sind potenziell kommunikationsfreudig und erwarten berchtigterweise Antworten und Reaktionen auf ihre Nachrichten. Wenn Ressourcen knapp sind, empfehle ich ganz pragmatisch eine geringere Posting-Frequenz. Veröffentlicht auf Mastodon wirklich nur die relevanten und wichtigen Beiträge, kommuniziert mit den aktiven Nutzerinnen und Nutzern, stellt Fragen und geht in den Austausch. Fast schon ein wenig oldschool, ich weiß.

Wird Mastodon in sechs Monaten Euer stärkster Kanal sein? Vermutlich nicht. Werdet ihr dort gute Gespräche führen, wichtige Kontakte aufbauen und Euer Netzwerk wirksam erweitern?

Wenn ihr konsequent und qualitätsorientiert kommuniziert und das Social in Social Media ernst nehmt, sage ich ganz klar: Ja, werdet ihr.

Ihr seid auf Mastodon aktiv oder wollt es werden? Dann nehmt gerne Kontakt auf.

Ich freue mich auf eure Fragen und den Austausch.

P.S.: Noch eine Leseempfehlung zum Abschluss: Das Fediverse als Raum politischer Bildung.

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