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20.03.2020 Digitaler Wandel und Innovation Von: Christian Müller 0 Kommentare

Hackathon für die Soziale Arbeit: Die Caritas Bamberg geht innovative Wege

Das Format Hackathon ist eigentlich eher aus dem Technik- und Start-Up-Bereich bekannt. Doch Lena Helldörfer und ihre Kolleg*innen der Caritas Bamberg haben sich gedacht: Das können wir doch auch für die Soziale Arbeit. Gesagt, getan.

Bei Hackathons – der Begriff setzt sich aus Hacken und Marathon zusammen – geht es in der Regel darum, in wenigen Stunden mit bunt besetzten Teams konkrete Software- oder Hardwarelösungen zu entwickeln. Die Beschreibung lässt erahnen: Die meisten Hackathons werden im Technik oder Softwarebereich durchgeführt.

In den letzten Jahren wird das Konzept jedoch auch verstärkt in anderen Bereichen eingesetzt. Beim Climathon im Impact Hub Ruhr ging es zwar auch um Technik, im Kern jedoch um klimafreundliche Ansätze.

Ein Hackathon für die Soziale Arbeit? Wer, wie und warum?

Lena Helldörfer und ihre Kollegin Vera Haschke wollten ursprünglich bei einem „normalen Hackathon mit Themen der Sozialen Arbeit antreten. Sie dachten sich, das Format wäre perfekt geeignet, um Lösungen für die Klient*innen der Sozialen Arbeit zu entwickeln.

Nach vielen Fragen war jedoch klar: Die Themen passten nirgendwo wirklich rein. Statt aufzugeben kamen Lena und Vera auf eine Idee: Warum nicht einen Hackathon für die Soziale Arbeit selbst organisieren?

Gesagt, getan. Am 06. Dezember 2019 fand der erste Hackathon der Caritas Bamberg statt. Im Sozialgespräch Podcast erläutert Lena:

 

Danke Lena für deine Zeit und die spannenden Einblicke! Wenn du Fragen zum Hackathon hast, stell sie gerne hier in den Kommentaren, ich gebe sie dann an Lena weiter.

 

Information und Partner des Hackathons

Ein Großprojekt wie ein Hackathon ist immer eine Teamaufgabe, das betont Lena auch im Podcast. Essenziell war die Unterstützung von bytabo und dort von Julia Klein.

Die Jury bestand aus:

Einen ersten Bericht zum Hackathon findest du auf caritas.digital

Update (30.03.2020): Transkription des Hackathon Podcasts

Christian: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Sozialgespräch Podcast. Heute mit einem Thema, das auf der Schnittstelle von Innovation, sozialer Arbeit, Technik und fast schon agilem Arbeiten liegt. Es geht um einen Hackathon für die soziale Arbeit. Für dieses, wie ich finde, sehr spannende Thema, habe ich eine Gesprächspartnerin eingeladen, die auch bei der Caritas arbeitet, aber nicht im Ruhrgebiet. Hallo und willkommen Lena.

Lena: Hallo Christian.

Christian: Lena, stell dich unseren Zuhörerinnen und Zuhörern kurz vor. Wer bist du und was machst du?

Lena: Ich bin Lena Helldörfer und ich arbeite seit 2013 beim Diözesan-Caritasverband in Bamberg. Dort bin ich in der Stabstelle Verbandsentwicklung und bin dort unter anderem für die Themen Digitalisierung und soziale Innovationen zuständig.

Was ist ein Hackathon?

Christian: Also ist es kein Labor wie bei uns in Essen, sondern tatsächlich eine Stelle, die in der Organisationsentwicklung aufgehängt ist. Im Rahmen dieser Arbeit habt ihr ein Event veranstaltet, das man normalerweise aus der Technik kennt. Und zwar habt ihr einen Hackathon durchgeführt. Bevor wir jetzt in die Details gehen erst einmal die Frage: Was ist denn ein Hackathon? Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder mit diesem Begriff vertraut ist.

Lena: Ein Hackathon stammt, wie du schon gesagt hast, eher aus der Entwickler-Richtung. Das ist ein Marathon von Entwicklern, die meist über einen längeren Zeitraum hinweg – es gibt auch Hackathons, die gehen zwei bis drei Tage – für eine Problemstellung Lösungen entwickeln. Dabei geht es in erster Linie sehr stark um digitale Lösungen. In der Regel sind viele Entwickler und Programmierer beteiligt, die teilweise auch gegeneinander antreten. Es gibt also ein übergeordnetes Problem und dann wird sozusagen in einem Sprint in einem Marathon an Prototypen entwickelt.

Warum ein Hackathon für die Soziale Arbeit?

Christian: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das für die soziale Arbeit respektive Themen der sozialen Arbeit zu machen? Denn so ganz naheliegend ist das, auf den ersten Blick zumindest, nicht.

Lena: Wir hatten letztes Jahr bei der Caritas die Jahreskampagne “Sozial braucht digital”. Da habe ich schon gemerkt, dass das bei uns im Verband ziemlich polarisiert. Das ging dann so weit, dass man sich entschieden hat, die Jahressammlung nicht unter das Motto zu stellen. Man meinte, das würden die Leute nicht verstehen. Das hätte mit uns als Caritas so gar nichts zu tun.

Da habe ich schon ziemlich viele Vorbehalte gemerkt, wenn es um digitale Lösungen geht oder um diese Perspektiverweiterung. Zumindest dann, wenn es wirklich um die Arbeit an den Menschen geht. Auf der anderen Seite habe ich immer wieder wahrgenommen, dass in der Digitalszene und auch in der Politik das Soziale nie so wirklich auf dem Schirm ist, wenn es um digitale Themen geht. Wir werden da nicht oder zu wenig mitbedacht. Sei es beim Onlinezugangsgesetz oder auch bei digitalen Förderprogrammen. Da wird in der Regel der Mittelstand gefördert, aber die Wohlfahrt, die sozialen Bereiche nicht.

Mein Anliegen bzw. unser Anliegen als Verband war es damals schon, diese beiden Welten stärker zusammenzubringen. Und dafür ist der Hackathon ein sehr, sehr gutes Format, weil eben zum einen die Perspektive vom sozialen Bereich erweitert werden kann. Weil Lösungen entwickelt werden können, digitale Lösungen, auf die sie so erst mal nicht gekommen wären und die so völlig fernab von dieser “Wohlfahrtsblase” sind.

Zum anderen bekommen die “digitalen Menschen” Kontakt zu gesellschaftlich relevanten Themen und zu Themen, mit denen wir uns als Caritas beschäftigen. Insofern war das für uns ein spannendes Format, um wirklich zu schauen, wie gehen diese zwei Welten doch zusammen. Und was können wir voneinander lernen?

Christian: Das ist ein ganz spannender Ansatz, der für mich etwas von Transferinnovation hat. Man lernt ja von den Erfahrungen anderer Bereiche. Jetzt kommt eine Vermutung. Ich kann mir vorstellen – du korrigierst mich bitte, wenn das nicht stimmt – dass nicht jeder sofort hurra geschrien hat und begeistert war von diesem neuen Eventformat. Trifft die Vermutung zu oder waren alle von Anfang an total begeistert dabei?

Lena: Deine Hypothese kann ich bestätigen. Wie ich schon gesagt habe, war unser Anliegen, bei einem Hackathon anzutreten. Das hatte ich auch bei uns in der Leitungskonferenz so eingebracht. Nachdem ich erst einmal aufklären musste, was ein Hackathon eigentlich ist, haben Sie gesagt: “Okay.” Wir wollten eigentlich bei einem “normalen” Hackathon mit einem sozialen Thema teilnehmen. Da bin ich dann aber immer wieder auf verschlossene Türen gestoßen. Der O-Ton war: “Naja, das sind eher so Techniksachen. Was habt ihr denn da als Soziale verloren?”, “Da sind halt Bosch und Siemens, aber nicht die Caritas.”

Insofern war vom Vorstand die Unterstützung wirklich da. Als wir dann schlussendlich nicht bei einem anderen Hackathon teilnehmen konnten, entschlossen wir uns zusammen mit dem Projektpartner bytabo, einem Digital-Unternehmen, dass wir einfach unseren eigenen Hackathon machen. Auch dabei hatten wir den Rückhalt des Vorstands.

Allerdings haben wir sehr schwer Themengeber aus dem sozialen Bereich, aus unserem Caritas-Kontext gefunden. Viele konnten damit wirklich gar nichts anfangen und haben den Mehrwert für sich nicht gesehen. Es kam sogar die Aussage, dass es ja fast anmaßend wäre, wenn man annehmen würde, dass innerhalb der zehn Stunden Lösungen entstehen, auf die die Menschen, die schon Jahrzehnte in dem Bereich beschäftigt sind, nicht kommen würden. Da waren wirklich diese Hemmungen: “Was soll das bringen?” und “Das können wir doch auch alleine.”

Christian: Ich würde es als Varianten von “Das machen wir doch schon immer so” und “Was wir nicht hinbekommen, bekommt keiner hin” bezeichnen, oder?

Lena: Ja, genau. Wir sind die Experten, das ist so. Es ist überhaupt nicht anmaßend, sondern legitim. Diese Menschen haben diese Perspektive und Expertise im sozialen Bereich und bringen deshalb auch ganz viel mit. Aber dennoch sind sie auch in ihrer Blase und kommen oftmals gar nicht auf Lösungen, die es bei einer Öffnung der Problemstellung gibt.

Partner und Organisation

Christian: Ja, absolut. Ich durfte ja auch dabei sein und habe vor Ort erlebt, dass die Kreativität aus anderen Bereichen geholfen hat, neue Wege zu gehen, neue Dinge zu denken. Daran waren Partner ja nicht ganz unbeteiligt. Du hast sie vorhin kurz erwähnt. Wen hattet ihr als Partner an der Seite für die Aktion?

Lena: Wir hatten als Mitorganisator, als Mitveranstalter das Digital-Unternehmen bytabo, ohne die wir das auch so nicht hätten machen können. Denn die beiden Kompetenzen, die wir vereint haben, waren schon in der Organisation und Vorbereitung ganz wichtig. Wir hatten aber auch weitere ganz wichtige Partner, z.B. Lagarde1. Das ist das Zentrum für Digitalisierung und Gründung hier in Bamberg und war mit Hauptsponsor. Wir hatten engen Kontakt zur Universität in Bamberg, zum Lehrstuhl Informatik und auch zum Lehrstuhl Innovationsmanagement. Dadurch konnten wir gut Teilnehmer generieren und die Vertreter aus dem Bereich Innovationsmanagement haben auch als Jury-Mitglieder fungiert.

Wir hatten aber auch Kaffee-Sponsoren, Socken-Sponsoren für die Goodie Bags. Das war wirklich ganz durchmischt, was wir da an Unterstützung hatten. Aber man muss schon sagen, ohne das vielfältige Netzwerk, das auch stark aus dem bytabo-Umfeld kam, wäre die Organisation gar nicht möglich gewesen.

Christian: Ich greife jetzt einmal die Kaffee- und Socken-Sponsoren auf. Ich durfte vor Ort dabei sein. Ich zeichne mal kurz ein Bild für unserer Zuhörerinnen und Zuhörer. Ihr müsst euch ein altes Fabrikgebäude vorstellen. Das ist eine sehr coole, kreative Location aber halt auch alt, also ungenutzt und war deshalb auch relativ zugig. Das Ganze geht dann von abends bis morgens. Das heißt, es war nie so super warm. Es war sogar eher kalt.

Dann hat man in Gruppen an den Problemstellungen und an den Ideen, die im Pitch vorgetragen wurden, zusammengearbeitet. Es gab einzelne Heizpilze, die waren nur bedingt hilfreich. Irgendwann gegen Mitternacht haben die es auch nicht mehr geschafft. Es war recht frisch. Auf der anderen Seite war es tatsächlich sehr, sehr aktiv in den Gruppen. Das Essen war die ganze Zeit sehr gut, was auch für die Moral sehr wichtig war. Aus der Teilnehmersicht war es ein sehr cooles Event. Wie war es für euch aus der Organisationssicht. Wie verlief für euch denn die ganze Aktion?

Lena: Du hast ja schon gesagt, dass die Location ziemlich cool war. Wir haben auch den O-Ton eines Themengebers, dass Bamberg cooler als Berlin ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Also nicht nur vom Hipsterfaktor her, sondern weil es auch echt kalt war.

Dadurch dass wir erst im September mit der Organisation angefangen haben und der Hackathon am 6. Dezember war, mussten wir ziemlich Gas geben. Wir haben dann diese coole Location gefunden: Ein altes Kesselhaus in Bamberg, das eigentlich für Ausstellungen genutzt wird. Wir haben dabei aber ein bisschen unterschätzt, dass wir da wirklich keinerlei Infrastruktur hatten. Es gab keine Heizung, es gab kein WLAN, das wir dann doch noch dank eines Sponsors reinbekommen haben. Das Stromnetz ist am Anfang immer wieder zusammengebrochen, weil es einfach alte Leitungen waren. Wir mussten jeden Löffel, jede Tasse dahin schleppen.

Da war wirklich ganzer Einsatz gefordert. Mein Dank geht an alle Partner, an alle Kolleginnen und Kollegen von mir, die da eingesprungen sind, die uns unterstützt haben, die mit hin und her geschleppt haben und vor Ort waren. Es wäre sonst nicht möglich gewesen.

Eigentlich haben wir bis zum Schluss, also wirklich bis fünf Minuten bevor es losging, gezittert, ob das Stromnetz hält. Ob die Leute völlig ausflippen, weil es einfach zu kalt ist. Schlussendlich war es die Mühe wirklich wert – jede Gabel, die wir da reingeschleppt haben, jede Tasse – es war rundum perfekt. Natürlich hätte es wärmer sein können und dürfen. Das war aber tatsächlich später so ein Running Gag bei allen Teilnehmern. Die waren schon ganz gut ausgestattet mit Mützen und Handschuhen und die Socken waren im Endeffekt dann ein bisschen das i-Tüpfelchen.

Wir haben auch die Rückmeldung bekommen: “Boah, ich habe noch nie für mein Ehrenamt Socken geschenkt bekommen. Das war so cool.” Unser Learning daraus ist, was man auch mit diesen Kleinigkeiten erreichen kann. Die Leute sind auch später rumgegangen und haben Socken getauscht. Es war einfach eine gute Stimmung, du warst ja vor Ort.
Wir würden es beim nächsten Mal wahrscheinlich in der Location eher in wärmeren Monaten stattfinden lassen. Aber dafür, dass es alles wirklich ein bisschen provisorisch war, war die Stimmung gut, die Kreativität immens und die Leute haben einfach die Sache gerockt. Das war schon echt cool.

Projekte und Themen beim Hackathon

Christian: Da kann ich mich nur anschließen. Ihr habt das wirklich genial gerockt. Ich fand es richtig gut. Und da ich die Kälte gegenüber der Wärme bevorzuge, fand ich das gar nicht so schlimm. Ich fand es eher cool – im Wortsinn.
Kannst du unseren Hörerinnen und Hörern mal einen Einblick geben, welche Ideen dabei waren und was am Ende des Events dabei herauskam. Denn das ist ja auch nicht so irrelevant.

Lena: Wir hatten im Vorfeld fünf Projekte. Als erstes ist da Gaia Protection. Das ist eine Umwelt-Initiative, die mit dem Thema “Tinder dir dein Ehrenamt” an den Start ging. Dabei wurde ein Prototyp für ein Matching-Portal mit Wischfunktion entwickelt, in Anlehnung an die Dating-App Tinder, in dem sich Ehrenamtliche und Organisationen finden können.

Ein anderes Projekt war Bambecher. Das ist ein bestehendes Mehrweg-Bechersystem in Bamberg. Die sind mit der Idee “weniger Müll in Bamberg” angetreten. Das Team hat das ganze Konzept einmal analysiert, auf den Kopf gestellt, Fehlerquellen identifiziert und schlussendlich ein alternatives Konzept inklusive neuem Design entwickelt.
Vorweg, bevor ich mit den anderen weitermache, wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht diese krasse Reinform eines Hackathons zu machen, sondern eine softe Variante.

Wir haben auch gesagt, dass am Ende kein digitales Produkt herauskommen muss, sondern dass es auch stark um konzeptionelle Ideen, um Design, um Kreativität geht. Und so waren die Gruppen dann wirklich sehr unterschiedlich.
Du warst ja selber im Team Josefslädchen als Coach mit dabei. Sie haben ja sehr stark konzeptionell gearbeitet und weniger an einer digitalen Lösung. Das Josefslädchen ist ein Sozialladen des Caritasverbands Bamberger Land und ist mit dem Thema “Make Ehrenamt sexy” angetreten. Das Team hat ein Konzept entwickelt, wie man andere Ehrenamtliche ansprechen könnte. Wie man von diesem reinen “Ich habe hier ein Ehrenamt, dafür brauche ich Ehrenamtliche” weggehen kann und das ganze Thema ein bisschen umfassender aufstellen und so auch mehr Menschen ansprechen kann.

Dann hatten wir noch Kolping Bamberg mit dem Thema Bambike dabei. Das ist ein Bamberg-Bike-Sharing-Konzept. Mit der Idee sind sie einfach angetreten. Sie haben in der AEO, das ist eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Bamberg, auch eine Fahrradwerkstatt, in der Geflüchtete Fahrräder reparieren. Daraus ist die Idee entstanden, dass sie die auch für die Allgemeinheit reparieren und in der Stadt verteilen könnten. Dieses Team hat tatsächlich von einem Grobkonzept, über eine Landingpage, über eine Analyse von möglichen Standorten, über einen Slogan bis hin zum Design ganz viel entwickelt.

Zu guter Letzt hatten wir noch das Team Bamama. Das ist der Verein Freund statt fremd e.V., der sich auch sehr stark in der Flüchtlingshilfe in Bamberg engagiert. Das Team hat für Schwangere und Mütter in Bamberg eine Online-Plattform mit einer integrierten Chat-Funktion entwickelt. Auf dieser können Ehrenamtliche den Chat im Hintergrund bedienen und so den Schwangeren und frischen Müttern, auch denen mit Migrationshintergrund, Unterstützung bieten. Ganz spannend fand ich hier, dass sie als Grundlage ein bereits existierendes 160-seitiges PDF-Dokument der Stadt Bamberg hergenommen haben, in dem alle Angebote zwar enthalten sind, das aber super unübersichtlich ist, auch schon für Menschen die keine Sprachbarriere haben.

Sie haben das dann relativ barrierearm aufgestellt und wollen diesen Prototypen der Online-Plattform für Freund statt fremd e.V. auch weiter umsetzen.
Es war sehr spannend, vielfältig. Die unterschiedlichsten Projekte waren am Start und die unterschiedlichsten Ergebnisse gab es. Das war schon wirklich der Wahnsinn, welche Ideen in dieser kalten Nacht zustande kamen.

Christian: Ja, es war auch sehr cool vor Ort sowohl von der Atmosphäre als auch von der Arbeit, die man so beobachten konnte, her. Die Ergebnisse waren richtig gut. Mir fällt aber gerade auf, dass es für die Hörerinnen und Hörer so klingen könnte, als wären diese Teams von Anfang an startklar gewesen. Sie wären nur zum Arbeiten dahin gekommen. Das war aber nicht ganz so. Kannst du dazu noch etwas sagen, wie die Teams gewachsen sind und wie das Ganze abgelaufen ist?

Lena: Es war so, dass wir diese fünf Themen hatten, die auch im Vorfeld schon beworben wurden. Die Teilnehmer wussten also grob, welche Themen es geben wird. Als der Hackathon begann, haben die fünf Themengeber kurz gepitcht. Die haben einfach kurz ihre Projektidee vorgestellt, für sich geworben und dann konnten sich die Teilnehmer frei zuordnen. Das war wirklich wie ein Basar, auf dem die Themengeber mit ihren Schildchen unterwegs waren.

Zu meiner Überraschung war es dann so, dass es ganz gut aufging. Es gab kein Thema, bei dem keiner dabei sein wollte. Am Ende waren alle glücklich, weil sie sich zuordnen konnten.

Ein ganz wichtiger Punkt war natürlich auch die Funktion der Coaches. Du selbst warst ja auch ein Coach. Ich habe dir schon gesagt, dass dich dein Themengeber über den grünen Klee lobte und erzählte, wie wichtig du für die Gruppe warst.

Christian: Das Team hat die Arbeit gemacht, nicht ich.

Lena: Ja, aber wir hatten einfach Coaches aus unterschiedlichen Bereichen: aus dem sozialen Bereich, Kolleginnen und Kollegen von uns, auch unsere stellvertretende Vorständin, du, extra aus Essen angereist, aber auch UX-Designer, Scrum Master – also eher aus der Digital-Ecke. Sie haben die Teams in der Gruppenfindung begleitet, weil sich natürlich die Teams auch gar nicht kannten. Das waren sich völlig fremde Menschen, die da zusammenkamen und die sie dann durch die Nacht begleitet haben.

Christian: Ja. Ich durfte ja eine Gruppe zusammen mit einem Kollegen von dir leiten. Es war sehr spannend zu sehen, welche unterschiedlichen Perspektiven da reingekommen sind. Gerade auch dadurch, dass Leute dabei waren, die nicht vom Fach sind. Also dass dieser externe Blick tatsächlich ganz andere Blickwinkel möglich gemacht hat, auf die wir wahrscheinlich gar nicht gekommen wären. Und dass sich genau diese Dynamik ergeben hat, die, vermute ich jetzt, auch von euch gewollt war. Dass verschiedene Impulse zusammentreffen. War das erstens von euch so gewollt? Und zweitens habt ihr das auch in anderen Gruppen beobachtet, dass sich so verschiedene Perspektiven treffen und gegenseitig befruchten?

Lena: Ja, ich glaube, das war wirklich durchgängig so. Wir haben uns danach auch noch mal mit allen Themengebern getroffen, die das auch so zurückgemeldet haben. Alle waren wirklich sehr, sehr positiv und sagten, dass sie jetzt ganz neue Perspektiven haben. Dass sie ganz neue Einblicke, neue Ideen erhalten haben und dass das Wir-Gefühl auch so groß war. Das war nicht so “Hey meine Meinung ist jetzt die richtige”, sondern wie kann es der Sache dienen und wie kann jeder seinen Beitrag dazu leisten.

Für mich war noch ein ganz schöner Schlüsselmoment am Schluss. Es ist die Uhr runter gelaufen – diese zehn Stunden waren ja getimt. Und als wir dann die letzten Sekunden runter gezählt haben, die Zeit aus war und alle Gruppen aufhören mussten, haben wir angefangen zu applaudieren. Alle sind aufgestanden, haben mit applaudiert und haben sich aber auch selbst applaudiert. Für mich war das ein ganz magischer Moment. Weil das nicht für jemanden war, sondern alle zusammen haben da echt eine Menge an dem Abend geleistet. Jeder war irgendwie wichtig. Und das wurde in diesem Applaus und in diesem Stolz, der dabei auch rüberkam, noch mal deutlich.

Lernerfahrung aus dem Hackathon

Christian: Ja, da kann ich nur zustimmen. Es war wirklich ein sehr cooler Moment. Da kam irgendwie auch sehr vieles zusammen: kreativ gewesen, viel gearbeitet, am Schluss auch ein bisschen unter Druck, aber dann doch auch müde so kurz vor drei Uhr nachts. Es war schon eine sehr, sehr coole Atmosphäre.
Vorhin hast du es schon kurz angesprochen, ein paar Projekte werden weitergeführt. Davon mal ein bisschen abstrahiert und ein Schritt zurück: Was nehmt ihr als Caritas daraus mit? Was sind eure Learnings? Was habt ihr daraus gelernt und was macht ihr mit dem, was dabei herausgekommen ist?

Lena: Zum einen war ein Haupt-Learning, sozial kann digital – in Anlehnung an die Jahreskampagne. Das haben wir dabei gezeigt. Was aber für uns auch deutlich wurde, war: Wir haben zwar sehr stark die inhaltliche Arbeit begleitet und den sozialen Fokus auch bei der Vorbereitung und Durchführung gehabt. Es ist auch ganz wichtig, diesen Bezug zur Thematik zu haben. Aber wir müssen auch dringend nachrüsten, wenn es um die Schnelligkeit geht, digitale Dinge auch bedienen zu können.

Wie wir in den Social-Media-Kanälen präsent sind. Wie wir mal eben ein Video produzieren – da seid ihr in Essen mit euren Videoproduktionen ja unser großes Vorbild. Wie wir uns nach außen darstellen können. Da hat uns natürlich bytabo etwas vorgemacht. Die waren natürlich viel schneller, was auch in dem Fall als Partner wichtig war. Die haben mal eben die Homepage aufgesetzt, haben dann mal eben Videos produziert und die ganzen Social-Media-Kanäle bedient. Da müssen wir definitiv nachrüsten.

Aber es ist einfach auch ganz, ganz wichtig zu sagen, dass wir mehr als nur Content können. Wir sind nicht einfach dann mal präsent, aber die Inhalte sind eigentlich nicht tiefgründig. Sondern wir müssen dabei immer unseren inhaltlichen Bezug, unser Know-how und unsere Erfahrung mit reinbringen. Das war ein Learning. Aus dem Nachrüsten werden wir natürlich eine Aufgabe für uns ableiten.

Was wir noch gelernt haben war, ich habe es ja schon gesagt, Bamberg ist cooler als Berlin. Wir können auch anders. Caritas kann auch anders und damit wirklich ganz andere Zielgruppen erreichen. Diese Menschen, die da waren, auch international von Indien über Brasilien bis hin nach Taiwan, hätten wir mit unseren gängigen Formaten nie erreicht. Und das müssen wir öfters machen. Es braucht diesen produktiven Clash der Welten. Ich sehe da ein immenses Potenzial für uns, dass wir aus unserer Blase herauskommen. Dass wir unsere Perspektiven erweitern und so gemeinsam an Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen arbeiten können. Insofern braucht es mehr solche Formate.

Aber es muss nicht unbedingt immer ein Hackathon sein. Wir haben auch Formate wie zum Beispiel Service-Learning schon relativ gut etabliert. Das machen wir mit der Uni Bamberg, wo Studierende im Rahmen ihres Studiums auch Lösungen für soziale Fragestellungen entwickeln. Das ist eigentlich ähnlich wie ein Hackathon, aber ein anderes Format. Und wir müssen gucken, dass wir diesen Perspektivwechsel auch in unsere ständige Arbeit reinbekommen. Dass nicht nur einmal im Jahr ein Hackathon stattfindet, der dann auch wieder so schillernd und bunt ist, dass er nicht wirklich Andockungspunkte an die Organisation findet. Sondern dass wir das wirklich in unserer regelmäßigen Arbeit verstetigen und immer wieder diesen Perspektivwechsel, diese Durchmischung hinbekommen. Das ist ein großes Learning, auch eine große Zielsetzung für die Zukunft.

Und zu guter Letzt ist es das Einfach-mal-Machen. Wir hatten ja auch schon den Austausch darüber, dass ihr die Idee, einen Hackathon durchzuführen, auch schon länger habt. Bei uns gab es natürlich auch ganz viele Vorbehalte. Wir wussten im Vorfeld überhaupt ganz wenig, was uns da erwartet. Bei unserem ersten Gespräch mit Julia von bytabo, sprach sie von Raspberry Pis. Und wir: “What? Was ist das für eine Sprache? Was kommt da auf uns zu. Oh Gott, oh Gott.” Man muss einfach mal den Mut haben, zu machen und zu probieren und daraus zu lernen. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig für uns im sozialen Bereich. Damit wir nicht stagnieren, müssen wir einfach ausprobieren, um uns so weiterentwickeln zu können.

Christian: Mir liegt die Frage auf der Zunge, ob ihr konkret schon etwas gemacht habt. Aber du hast ja gesagt, da seid ihr gerade dran. Deshalb wäre es nicht fair, die zu stellen. Lass sie mich anders formulieren: Was ist denn schon passiert respektive was macht ihr denn gerade? Wo seid ihr dran, um mit den Ergebnissen und den Learnings umzugehen?

Lena: Wir haben insofern erste Schritte gemacht, als wir jetzt das Thema soziale Innovationen stärker bei uns in den Fokus rücken. Wir machen dazu gerade eine interne Weiterbildung und auch ein Netzwerk. Für mich ist das ein Andocken an die Digitalisierung. Die Digitalisierung ist für mich ein Vehikel, um soziale Innovationen zu entwickeln. Da sind wir auf jeden Fall auf dem Weg.
Wir hatten neulich ein Design-Thinking-Workshop bei uns im Migrationsbereich. Erst mal hat das völlig irritiert, aber es hat diese unterschiedlichen Blickweisen mit reingebracht.

Wir hatten Studenten mit dabei und Theaterpädagogen. Es waren wirklich ganz bunt gemischte Menschen. Allein das war schon für unsere Caritas-Mitarbeiter sehr irritierend. Aber so probieren wir ganz konkret, diese Durchmischung, diesen Perspektivwechsel weiterhin voranzutreiben und auch in unsere Strukturen mit einzuarbeiten. Wir sind dran, aber es liegt natürlich noch viel Arbeit vor uns.

Christian: Aber das gilt ja für alle Dinge, die irgendwie wertvoll und wichtig sind. Das ist immer Arbeit und nicht ganz unaufwendig.
Du hast schon gesagt: “Wir müssen schneller werden, auch in Sachen Kommunikation.” Das nehme ich jetzt als Segway in Richtung Abschlussfrage. Wenn ich als Zuhörerin oder Zuhörer mehr wissen will über den Hackathon, aber auch wie ihr damit weitermacht und was ihr damit macht, wo würde ich denn am besten gucken?

Lena: Ich verweise jetzt erst mal auf caritas-digital.de. Da gab es schon einen Bericht im Vorfeld des Hackathons. Es gibt auch einen Abschlussbericht mit Bildern. Sonst würde ich auch auf unsere Homepage des Hackathons verweisen. Die wird allerdings jetzt auf einen anderen Server, der noch nicht ganz klar ist, umgezogen. Darum kann ich das jetzt gar nicht konkret nennen. Aber das wird auch bei Caritas digital verlinkt sein. Darum, schaut bei caritas-digital.de und dann findet ihr auch den Hackathon in Bamberg.

Christian: Alles klar. Das heißt, Caritas digital oder der Podcast und Blogartikel hier sind dann die ersten Infoquellen dazu.

Lena: Genau. Oder wenn es Fragen dazu gibt, stehen ich und meine Kollegin Vera Haschke, die das federführend zusammen mit mir auf der Caritasseite durchgeführt hat, gerne auch als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Christian: Wunderbar. Liebe Hörerinnen und Hörer, ihr habt gerade gehört, wo ihr weitere Infos findet. So wie ich Lena kenne, ist sie auch gerne bereit, Fragen zu beantworten, wenn ihr welche habt. Stellt sie auch gerne in den Kommentaren im Blog. Ich gebe die dann an Lena oder an ihre Kollegin weiter und die beiden werden garantiert Antworten auf eure Fragen finden.
Mir bleibt an der Stelle nur, danke zu sagen. Lena, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, dass du hier zu Gast warst und uns so schön Auskunft gegeben hast.

Lena: Dankeschön. Danke an dich, dass du dabei warst als Supercoach. Danke für die Möglichkeit des Podcasts. Auch mir hat es Spaß gemacht und ich bin gespannt, was noch kommt.

Christian: Dito, ich auch. Liebe Hörerinnen und Hörer, wie immer gilt der letzte Dank euch für eure Zeit und Aufmerksamkeit, auch für das Einschalten. Wir freuen uns auf Feedback und wenn ihr Fragen habt, stellt sie gerne.
Bis zum nächsten Sozialgespräch Podcast. Tschau zusammen.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

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