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05.04.2020 Digitaler Wandel und Innovation Von: Christian Müller 1 Kommentar

Homeoffice mit Kindern und Familie: Praxistipps von Benjamin Wockenfuß

In Zeiten des Kontaktverbots arbeiten viele Menschen im Homeoffice. Das ist für die meisten, zumindest in diesem Umfang, neu und herausfordernd. Noch anspruchsvoller wird dauerhaftes Homeoffice mit Kindern und Familie. Ben Wockenfuß, bekannt von DigiKids, hat im Sozialgespräch Podcast dazu Praxistipps - auch aus eigener Erfahrung als Vater.

Homeoffice – für manche klingt das nach der Erfüllung eines lang gehegten Traumes. Für andere ist die Vorstellung, von zu Hause zu arbeiten, schlicht inakzeptabel. Egal zu welchem der beiden Pole du tendierst: Aktuell haben wir eine Ausnahmesituation die nicht viel mit dem sonst üblichen – oder gewünschten – Homeoffice zu tun hat. Das gilt vor allem, wenn du dein Homeoffice mit Kindern und Familie dauerhaft teilst und ihr alle längere Zeit mehr oder weniger den ganzen Tag daheim seid.

Aus Gesprächen mit FreundInnen, KollegInnen und KundInnen weiß ich, dass viele im Homeoffice mit Kindern und Familie vor einer echten Herausforderung und Belastung stehen. Daher will ich mit der heutigen Episode des Sozialgespräch Podcasts versuchen, ein wenig zu unterstützen. Wobei nicht ich unterstütze, ich habe keine Kinder und so aktiv unsere Kater auch sind, sie zählen hier nicht wirklich, sondern Benjamin Wockenfuß.

Benjamin kenne ich schon eine ganze Weile, er leitet das Projekt DigiKids und befasst sich daher mit dem Thema Digital- und Medienkompetenz für Kinder und Eltern. Außerdem ist er Vater dreier Kinder und aktuell mit ihnen und seiner Frau im Homeoffice. Daher weiß Benjamin sowohl fachlich als auch persönlich, wovon er spricht.

Links zum Sozialgespräch Podcast

Und jetzt viel Spaß mit dem Podcast oder der Transkription, wenn du lieber liest als hörst. 🙂

Transkription von Homeoffice mit Kindern und Familie

Christian: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Sozialgespräch-Podcast. Wenn ihr es seht, dann ungewöhnlicher Weise auch mit Video. Dann seht ihr ja schon meinen heutigen Gesprächspartner. Wer nur zuhört, hört ihn jetzt gleich: Willkommen Ben.

Ben: Hallo Christian. Grüße dich.

Christian: Vielleicht kennt der/die eine oder andere Ben oder seine Stimme schon. Das könnte durchaus sein. Denn Benjamin Wockenfuß, wie er vollständig heißt, podcastet auch ganz gerne mal. Er ist online recht aktiv, vor allem rund um die Medienbildung für Kinder. Er leitet das Projekt “DigiKids” und kennt sich in dem Bereich sehr gut aus. Das ist aber heute nicht unser Thema. Heute Abend geht es um etwas anderes.

Wie ihr wisst, arbeiten derzeit viele oder zumindest die, die es können (gemeint ist: denen es möglich ist), im Homeoffice. An alle, die es nicht können: Wir denken an euch. Respekt, dass ihr weiterarbeitet. Aber die, die zu Hause im Homeoffice sitzen, haben eine Herausforderung. Du bist auch im Homeoffice, Ben, korrekt?

Ben: Ja. Darf ich dich ganz kurz unterbrechen, Christian? Wir nehmen ja heute Abend auf. Ihr hört vielleicht im Hintergrund ein bisschen Kindergebrabbel. Das passt auch wunderbar zum Thema. Von mir aus können wir es drin lassen. Es ist Abendessenszeit. Es kann sein, dass ihr die eine oder andere Lebenskrise im Hintergrund mitrauschen hört. Aber so ist das in Zeiten von Homeoffice und Familienzeit. Da kann das schon mal sein.

Die Herausforderung von Homeoffice mit Kindern und Familie

Christian: Genau, das passt auch schon zum Thema. Danke für die wunderbare Überleitung, ohne vorher darüber gesprochen zu haben. Heute geht es tatsächlich um Homeoffice mit Kindern und Familie. Zum Thema Homeoffice kann ich etwas sagen, aber nicht mit Kindern. Ich habe ja keine. Ich habe zwei Kater. Die sind zwar manchmal auch unberechenbar, aber das ist nicht das Gleiche. Du hast Kinder. Fang doch mal an: Was für eine Herausforderung ergibt sich denn daraus? Lebenskrise war gerade schon eine Andeutung von dir.

Ben: Wir haben drei Kinder. Einer ist sieben Monate, der andere vier Jahre alt und der Dritte wird jetzt bald sieben. Homeoffice ist für mich kein Neuland. Ich arbeite seit 2017 ortsunabhängig und schätze es sehr, auch zu Hause arbeiten zu können, gerne auch mal in Coworking-Spaces, aber sonst sehr, sehr gerne zu Hause. Was natürlich völlig neu ist ist, dass ich das den ganzen Tag mit drei Kindern plus einer Partnerin mache. Ich sage jetzt direkt dazu: Ich kenne andere Homeoffice-Storys, in denen der Küchen- oder Wohnzimmertisch zum Büro umgebaut wird.

Ich habe es besser. Ich habe dadurch, dass ich schon lange im Homeoffice arbeite, ein eigenes Zimmer und kann die Tür zu machen. Das heißt, ihr hört vielleicht eine Kinderlebenskrise im Hintergrund, aber das dringt nicht ganz bis ans Mikro ran. Das sind natürlich Luxusbedingungen im Homeoffice. Was aber neu ist, ist dass sich die Familienzeit und die Arbeitszeit berühren. Ich glaube, das war schon vorher so, aber jetzt ist es krass spürbar und immer krass spürbar.

Wie gelingt Homeoffice mit Kindern?

Christian: Ich glaube, es stellt dieses oft gepriesene Konzept der Work-Life-Balance ein bisschen in Frage, weil es eindeutig zeigt, dass diese Trennung eben nicht so trivial und so simpel ist. Zu Hause ist man ja gefühlt, bewusst sage ich gefühlt, immer greifbar. Dann ist es noch schwerer, eine Trennung aufrecht zu erhalten.

Es gibt ja diese ganzen klassischen Tipps wie: „Schaff dir Routinen. Schaff dir Gewohnheiten.“ Die sind alle wichtig. Ich finde sie auch wichtig. Das haben wir auch gemacht, obwohl wir hier zu Hause nur zu zweit sind. Ich kann mir vorstellen, dass Routine, Regeln und Rituale mit Kindern nicht ganz so trivial sind als alleine. Wie macht ihr das?

Ben: Ja das stimmt. Ich erlebe die Zeit gerade als sehr gewinnbringend – sowohl für mich als Vater, für mich als mobil-digitaler Arbeiter, als auch im partnerschaftlichen Verhältnis zu meiner Frau. Wir begegnen uns in der Familie, jeder Teilnehmer der Familie begegnet sich wirklich auf eine ganz neue Art. Denn Kinder haben bei uns jetzt andere Rollen als vorher, als sie in die Kita oder in die Schule gegangen sind. Die sind nämlich jetzt auch gefordert, beim Tagesablauf mitzumachen. Das waren sie vorher auch, aber jetzt ist es viel elementarer, dass wir so etwas wie einen Teamworkgedanken entwickeln.

Dass wir es schaffen, auch mal persönliche Bedürfnisse ein Stück weit zurückzustellen, weil wir eben sehr konsensorientiert arbeiten müssen. Die ersten ein, zwei Tage war das bei uns auch durchaus Chaos, weil es eine neue Situation für uns alle war. Aber mittlerweile erlebe ich das als total gewinnbringend. Gerade der Mittlere, der Vierjährige, wächst über sich hinaus.

Seit Tag eins haben wir eine Tagesstruktur. Wir haben uns eine Uhr genommen und haben die Time-Slots, in denen Arbeitszeit, Spielzeit, Homeschooling-Zeit ist, farbig eingezeichnet. Wir haben versucht, es zu visualisieren, damit auch alle fair mitgestalten können. Das klappt ja nicht, wenn meine Partnerin und ich uns das auf Zettel schreiben oder in eine App oder einen Kalender und das dann synchronisieren. Das ist ja schön. Aber die Kinder haben trotzdem keine Transparenz. Das hat ganz viel geholfen.

Dann haben wir auch die Kinder ganz früh mit einbezogen und gesagt: „Hallo, das hier ist keine Dienstleistung von uns. Ihr macht mit. Ihr seid Mitgestalter und nicht nur Konsumenten dieser Zeit. Was würdet ihr denn gerne jetzt machen? Was ist heute für euch wichtig? Und gibt es vielleicht sogar etwas, was vorher nicht geklappt hat, was wir jetzt möglich machen können?“

Christian: Ja, auch wenn ich es schon nicht mehr hören kann, ihr habt die Chancen in den Umständen gesucht. Das ist auch legitim und sehr wichtig. Du hast mitgestalten gesagt. Ist das für eure Kids etwas Neues, dass sie den Ablauf so intensiv mitgestalten können? Oder war das bei euch normal und sie haben nun mehr Gelegenheit dazu?

Man muss es natürlich immer alles alters entsprechend machen. Man kann von einem Vierjährigen nicht zu viel erwarten. Man kann ihm aber immer Rahmen geben, in denen er sich beteiligen kann.

Ben: Man muss es natürlich immer alles alters entsprechend machen. Man kann von einem Vierjährigen nicht zu viel erwarten. Man kann ihm aber immer Rahmen geben, in denen er sich beteiligen kann. Das macht er auch sehr gerne. Man kann sagen: „Es muss jetzt sieben Mal gekocht werden. Wer mag denn von euch Kindern mal mittags kochen? Wer mag das übernehmen? Und was gibt es denn dann?“ Dann muss man zwar vielleicht damit leben, dass es mal Chips zum Frühstück gibt. Aber dieses Gang-Rausnehmen und Druck-Rausnehmen hat uns total gut getan. Wir erleben es, wie gesagt, im Großen und Kleinen als bereichernd.

Es muss im Homeoffice nicht perfekt sein

Christian: Das klingt auf jeden Fall sehr cool. Jetzt habt ihr es im Vergleich zu manch anderem relativ gut. Darüber hatten wir uns schon im Vorgespräch vor ein paar Tagen ausgetauscht. Bei euch ist der Platz da, Luft ist da, es ist hell. Es gibt natürlich auch Situationen, in denen Familien oder auch Alleinerziehende mit ihren Kindern oft auf sehr viel weniger Platz leben müssen.

Wir haben gerade eine Kontaktbeschränkung. Wir sind nicht so viel draußen wie früher, treffen nicht so viele Kumpels und Freunde. Wie könnte ich damit umgehen? Also wenn ich jetzt z. B. nur 40, 50 Quadratmeter habe, vielleicht echt aufeinander hocke. Gibt es Tipps, gibt es Regeln, gibt es Möglichkeiten, die Situation etwas zu entschärfen oder sie sogar für alle Beteiligten positiv zu gestalten?

Ben: Also erst einmal: Respekt an alle Alleinerziehenden, an alle, die jetzt in einer anderthalb Zimmerwohnung ohne Balkon möglicherweise wochenlang ausharren und ein kleines Kind bespaßen müssen! Respekt, Applaus, ich ziehe meinen Hut. Jeden Tag, den ihr überlebt, ist ein gewonnener Tag. Das ist ganz große Klasse!

Du hast es schon gesagt, wir haben eine Situation, in der wir innerhalb des Hauses Auslauf haben. Das ist mit so einer Situation nicht vergleichbar. Deswegen ist mein erster Tipp: Nicht zu viel und nicht zu früh wollen. Es ist völlig normal, dass es chaotisch ist, weil es für alle Teilnehmer der Familie eine neue Situation ist.

Dazu kommt die innerliche Unruhe. Ich habe es mir irgendwann abgewöhnt, gefühlt alle zehn Minuten auf Twitter rum zu hängen, um zu schauen, was jetzt gerade los ist: Dann hat das Robert-Koch-Institut etwas gesagt und dann ist der Podcast mit dem Dr. Drosten raus gekommen – man ist so in einer Schleife. Und diese innerliche Unruhe spüren die Kinder natürlich. Die haben ganz feine Antennen dafür, erst recht, wenn man auf beengtem Wohnraum lebt.

Deswegen ist meine Einladung: einen Gang runterschalten, nicht zu viel wollen. Es darf auch mal etwas nicht klappen und auch wiederholt nicht klappen. Wichtig ist, dass man sich Ziele setzt, die für alle verträglich sind und die nicht zu schwer zu meistern sind. Die man auch an einem mittelprächtigen oder sogar an einem schlechten Tag schaffen kann.

Deswegen ist mein erster Tipp: Nicht zu viel und nicht zu früh wollen. Es ist völlig normal, dass es chaotisch ist, weil es für alle Teilnehmer der Familie eine neue Situation ist.

Was wir jetzt in dieser Zeit nicht brauchen, ist eine Selbstfrustration, die wir uns aufladen, weil z. B. dieses Blatt, das die Grundschule ausgeteilt hat, nicht heute bearbeitet wurde. Wir haben ganz andere Probleme als irgendwelche Blätter von irgendwelchen Schulen, die am Ende der Kita- und Schulschließungen nicht bearbeitet sind. Das ist nichts, was uns irgendwie auch nur eine Schweißperle kosten sollte. Lasst uns da locker bleiben.

Es gibt von der Erziehungsratgeberin Nicola Schmidt, die ich sehr schätze, einen schlauen Satz: „Zeit verlieren, um Zeit zu gewinnen.“ Das trifft es, glaube ich, wenn man auf engem Raum mit Kindern ist, noch mehr. Dann lernt ihr vielleicht einmal die Puppe kennen oder ihr repariert mit dem Zauberschraubenzieher das Spielzeugauto. Das kostet euch drei, vier Minuten, auch wenn ihr gerade an einer E-Mail sitzt. Aber die holt ihr wieder rein, indem eine ruhige Stimmung ist, indem alle entspannt sind. Und dann ist es möglicherweise ganz schlau, Zeit zu verlieren, um Zeit zu gewinnen.

Umgang mit Medien für und mit Kindern

Christian: Jetzt hast du ja beruflich auch den Schwerpunkt Medienbildung. Wenn ich erzähle, dass du mit den Kleinsten schon Tablet-Schulungen in der Kita machst, bekomme ich zum Teil sehr emotionale Reaktionen, um es freundlich zu sagen. Aber jetzt ist es ein Thema.

Manche Eltern werden das Thema bisher noch gar nicht so aktiv gehabt haben, weil die Kinder vielleicht in der Betreuung in der Kita waren. Jetzt ist das Kind aber zu Hause und jetzt muss ich das in der Familie auf einmal den ganzen Tag tun. Hast du Grundregeln, an denen man sich zumindest orientieren kann, wenn das Thema zum ersten Mal aufkommt? Wie sollten Kids mit Medien und Smartphones usw. umgehen?

Ben: Das Erste ist: Kein Kind braucht in der frühen Kindheit, das ist vom nullten bis zum sechsten Lebensjahr, digitale Reize über ein Tablet oder Smartphone, um zu überleben. Es gehört nicht zu den Grundbedürfnissen eines Kindes. Was nicht heißt, dass das nicht schön ist und auch wertstiftend sein kann, Erfahrungen und Erlebnisse damit zu haben. Wenn ein Kind aber bisher wenig bis keine Berührung mit digitalen Impulsen hatte, dann vermisst es auch nichts.

Ich weiß gar nicht, ob es das überhaupt noch gibt, dass ein Kind wirklich noch nie ein Tablet gesehen hat. Teilt uns das doch mal mit. Dann habt ihr bereits Strategien entwickelt, wie ihr den Alltag ohne digitale Medien gestaltet.

Wenn es aber digitale Impulse immer mal wieder gab, was, glaube ich, mehrheitlich so ist, z. B. in Form von mal ein paar Fotos gucken oder mal das Spiel spielen oder im Restaurant sogar etwas länger spielen, dann ist es natürlich ein Irrglaube zu denken, dass das Kind auf einmal besser digitale Reize verarbeiten kann, nur weil ihr jetzt ein paar Wochen zu Hause aufeinanderhängt.

Das Erste ist: Kein Kind braucht in der frühen Kindheit, das ist vom nullten bis zum sechsten Lebensjahr, digitale Reize über ein Tablet oder Smartphone, um zu überleben. Es gehört nicht zu den Grundbedürfnissen eines Kindes.

Dieser Gedanke: „Ich sediere das Kind“, ich sage es jetzt bewusst provokativ, „ich sediere das Kind mit Netflix Kids oder mit einer Spiele-App und es darf das von mir aus auch unlimited spielen. Hauptsache ich kann zwei Stunden am Stück arbeiten“, ist sehr kurz gedacht. Das Kind wird eine Überforderungsreaktion, eine Stressreaktion und eine Unausgeglichenheit haben. Es wird aufgewühlt sein, egal ob jetzt gerade „Stay at home“ angesagt ist oder nicht. Es kann die Reize ja nicht besser verarbeiten, nur weil wir eine neue äußere Situation haben.

Wir arbeiten stark mit dem Begriff der digitalen Balance. Also analoge und digitale Reize im besten Fall partizipativ miteinander zu verbinden. Das gelingt nicht immer so ideal in einer Zweizimmerwohnung. Bei uns bedeutet das oft auch raus zu gehen, in die Natur zu gehen. Das geht vielleicht nicht immer, aber ihr könnt es übersetzen, indem ihr z. B. eine Rennauto-App, eine Spiele-App habt und danach fahrt ihr das nächste Rennen mit den Spielzeugautos analog auf dem Teppich. Also diese Bestandteile aus dem Spiel nehmen und auf die analoge Welt übersetzen. In der Psychologie würden wir sagen, die analoge Welt wieder mit positiven Reizen aufladen.

Es macht uns wieder schmackhaft, dass es sich lohnt, das Teil wegzulegen mit einem schön analogen Input. Wir haben wirklich mit vielen, vielen Kindern bei DigiKids gearbeitet und gesprochen und noch nie hat ein Kind gesagt: „Ich möchte lieber das Tablet und isoliert damit spielen, als dass Mama und Papa mir etwas vorlesen, mit mir etwas malen, mit mir Fingerspiele machen, eine Ritterburg mit Bauklötzen bauen oder was auch immer tun, was jüngeren Kindern Spaß macht.“ Das ist natürlich eine Zeitfrage und auch eine Frage des Zeitmanagements, bei uns Erwachsenen noch eher als bei den Kindern.

Praxistipps für das Homeoffice mit Kindern

Christian: Welche Grundlagen, welche Tipps hast du für Eltern, die hier zuhören? Welche zwei, drei Punkte gibt es, bei denen du sagst: „Die solltet ihr mitnehmen. Das macht es vielleicht zumindest ein bisschen einfacher“? Patentlösungen sind es nicht, das ist klar. Aber es macht es vielleicht einfacher, in die neue Situation reinzugehen.

Ben: Wenn ihr vorher noch nie im Homeoffice gearbeitet habt, dann macht euch nichts vor. Das wird erst einmal nicht gelingen. Das kann gar nicht anders sein, weil ihr es nicht kennt. Vielleicht gibt es auch Menschen, die gar nicht dafür geschaffen sind, im Homeoffice zu arbeiten. Die einen äußeren Rahmen, eine äußere Struktur brauchen, damit das funktioniert. Aber das geht jetzt nun einmal nicht.

Deswegen sind meine Tipps: Stellt euch unter der Woche einen Wecker und lasst ihn am Wochenende aus. Denn es ist ein Wochentag, es ist ein ganz normaler Arbeitstag.

Ihr werdet selbstverständlich nicht in der Jogginghose am Schreibtisch sitzen – ich habe sogar ein Hemd heute angezogen, Christian auch. Also zieht euch so an, wie wenn ihr zur Arbeit geht. Da gibt es ja wirklich Jobberater, die so weit gehen und sagen: „Zieht sogar Straßenschuhe an. Kleidet euch komplett so, wie wenn ihr zur Arbeit geht.“ Das ist ein äußerer Rollentausch, den ihr schon über Jahre vollzogen habt. Das heißt: Dieses Hemd anziehen, Jacke anziehen, raus zur Tür, über den Bahnhof ins Büro. Und das fehlt jetzt ein Stück weit.

Geht, soweit es geht, eurer Struktur nach. Dann habt ihr vielleicht, wenn ihr am Anfang eurer Homeoffice-Karriere steht, zu kleine Arbeits- und Familienzeitblöcke. Das kann manchmal nur eine halbe Stunde sein. Das heißt dann eben auch, dass ein Tempo nicht so ist, wie es vorher war. Aber mal ganz ehrlich, keiner, der acht Stunden am Tag im Büro ist, hat acht Stunden am Tag wirklich performt. Da gibt es ja verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, dass wir ungefähr fünf bis sechs Stunden am Tag produktiv sein können, danach geht eh nichts mehr. Deswegen müssen wir das alles hier auch nicht zu hoch hängen. Überfordert euch nicht.

Geht, soweit es geht, eurer Struktur nach. Dann habt ihr vielleicht, wenn ihr am Anfang eurer Homeoffice-Karriere steht, zu kleine Arbeits- und Familienzeitblöcke. Das kann manchmal nur eine halbe Stunde sein. Das heißt dann eben auch, dass ein Tempo nicht so ist, wie es vorher war.

Nehmt euch kleine Blöcke. Macht eine Mittagspause in einem anderen Raum, wenn es geht. Vielleicht habt ihr ja einen Sekretär oder den Luxus, dass ihr einen Tisch habt, den ihr danach nicht für etwas anderes braucht. Wenn ihr ihn für etwas anderes braucht, räumt immer den ganzen Tisch leer. Nehmt euch einen Umzugskarton, packt eure Sachen dort rein und am nächsten Morgen packt ihr sie wieder aus.

Wenn ihr mit dem Arbeitstisch in einem Raum seid, würde ich vielleicht sogar eine Decke darüber schmeißen. Raus aus dem Büro, wenn die Homeoffice-Zeit vorbei ist, ist auch etwas Wichtiges. Darauf freuen sich nämlich eure Kinder, die die ganze Zeit um euch herumspringen, schon den ganzen Tag. Darauf, dass sie endlich mit euch Fußballspielen und mit Wasserfarbe malen und was auch immer machen können.

Vielleicht geht ihr sogar eine Runde um den Block, damit ihr euch aus dieser Rolle Arbeit löst. Es gibt durchaus Verfechter, ich gehöre dazu, die sagen, dass man sich so etwas auch über die Sprache vergegenwärtigen kann. Wenn ihr merkt, dass ihr aus diesen verschiedenen Labels, aus diesen verschiedenen Rollen nicht herauskommt, diesen Sprung „jetzt bin ich der Papa oder die Mama und gleich bin ich der Jobmensch, der arbeitet“ nicht so gut schafft, dann sprecht es aus. Verbalisiert das.

Das klingt dann so wie: „So, jetzt bin ich der Ben und ich arbeite.“ Dann macht ihr eure Arbeit und danach sagt ihr: „Jetzt bin ich der Ben und ich bin Papa.“ Das klingt affig. Das müsst ihr auch nicht laut sagen, dürft es aber gerne. Denn es macht es noch einmal deutlich, dass ihr jetzt eure Rolle verlasst und wechselt. Das wird bei Homeoffice- und Familienzeit ganz oft ganz schön kurz hintereinander passieren.

Wo du Benjamin Wockenfuß findest

Christian: Ich denke, dass es auf jeden Fall super wichtig ist, Distanz und eine Trennung herzustellen. Vor allem wenn man nicht die Möglichkeit hat, das räumlich so klar zu trennen, dass man hinter sich eine Tür zu machen kann. Wenn man das machen kann, ist das genial. Dann geht man raus, macht die Tür zu und das war es für den Tag. Man muss nur aufpassen, dass man nicht auf dem Sofa mit der Arbeit weitermacht. Das ist ja sehr nahe liegend und könnte tatsächlich so simpel sein.

Wenn jetzt die Zuschauer/Zuschauerinnen und Zuhörer/Zuhörerinnen nach diesem Gespräch das Gefühl haben, dass Sachen dabei waren, die gar nicht mal so blöd, die sogar interessant sind, dann fällt mir dazu ein, dass du auch ein Kinderbuch geschrieben hast. Das habe ich so ganz dunkel in meinem Hinterkopf. Ich glaube, dass das jetzt auch als Beschäftigung ganz gut dienen kann. Wo findet man denn mehr zu dir, zum Buch? Wo findet man dich online? Wo kann man mehr erfahren?

Ben: Ihr könnt natürlich gerne auf Twitter, Facebook und Instagram vorbeischauen. Ich versuche, jeden Tag eine Bilderstrecke zu machen, wie das Homeschooling bei uns abläuft. Dann mag ich das Format Podcast sehr, sehr gerne. Ich habe mit der Elterncouch einen Podcast, in dem es um Erziehungsfragen geht. Im DigiKids-Podcast geht es in der Tat um digitale Kompetenzen für Kinder und der Wockenfuß-Podcast ist so etwas wie ein auditives Tagebuch, in dem ich mit Leuten quatsche, mit denen ich schon immer mal gerne quatschen wollte. Und es interessiert mindestens eine Person – nämlich mich – was dort für ein Content produziert wird. Wenn es noch anderen gefällt, ist es schön. Da erfährt man so einiges über mich.

Im DigiKids-Podcast geht es in der Tat um digitale Kompetenzen für Kinder und der Wockenfuß-Podcast ist so etwas wie ein auditives Tagebuch, in dem ich mit Leuten quatsche, mit denen ich schon immer mal gerne quatschen wollte. Und es interessiert mindestens eine Person – nämlich mich – was dort für ein Content produziert wird. Wenn es noch anderen gefällt, ist es schön. Da erfährt man so einiges über mich.

Ich habe das Kinderbuch „Lotta und Klicks“ geschrieben, das im Oetinger Verlag erschienen ist. Wer das gerne kaufen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Ansonsten schaut mal in der Bücherei, ob ihr es euch leihen könnt. Wenn ihr es euch kaufen möchtet, was ich natürlich nicht schlecht finde, dann seid so gut und kauft es nicht bei amazon, sondern kauft es im Buchladen um die Ecke. Die brauchen uns jetzt in der Corona-Zeit. Bestellt es, ruft an. Ihr könnt es über die Hintertür, durch ein Fenster oder so ähnlich bekommen. Das ist ein Wunsch von mir. Wenn ihr es euch kaufen möchtet, was schön ist, dann gerne bei einem kleinen Buchladen bei euch um die Ecke.

Christian: Ja, „lokal unterstützen“ ist, glaube ich, jetzt gerade mehr als nur das Gebot der Stunde, sondern es ist überlebenswichtig für viele. Ben, ich sage herzlichen Dank für deine Zeit, die du dir heute Abend trotz Familie genommen hast. Es war super spannend. Herzlichen Dank dir.

Ben: Sehr gerne. Danke für die Einladung, Christian.

Christian: Immer gern! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, vielleicht auch Zuschauer – mal schauen, ob ich es auch als Video, zumindest teilweise, veröffentliche …

Ben: Christian, ich habe jetzt ein Hemd angezogen, ja! [lacht]

Christian: Wir müssen also Video nehmen. [lacht] Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr werdet mindestens einzelne Videoclips online finde. Ich verlinke alles im Blogartikel. Ich danke euch herzlich für eure Zeit, denn ohne euch macht das Ganze nicht viel Sinn. Schön, dass ihr reingeschaltet habt.

Wenn es euch interessiert, was Ben so macht, dann findet ihr alle Links in den Shownotes und im Blogartikel. Wir hören uns demnächst wieder. Danke und ciao zusammen.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

Kommentare zu diesem Artikel

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