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10.05.2021 Digitaler Wandel und Innovation, Soziale Arbeit Von: Christian Müller

Innovationsmanagerin in der Wohlfahrt: Vom Mut zu träumen #Podcast

Was tut eigentlich eine Innovationsmanagerin? Und wie passt diese Aufgabe zur Arbeit eines Wohlfahrtsverbandes? Was strategisches Träumen damit zu tun hat und wie das in der Praxis aussieht, erklärt Jenny Verstegeen im Interview.

Habt Mut und träumt und plant eure Innovationen.

Könnte ich nur ein Zitat aus dem heutigen Podcast herausnehmen, es wäre dieses. Denn dieser Satz bringt auf den Punkt, mit welcher Energie, Haltung und Begeisterung Jenny Verstegeen an ihre Arbeit als Innovationsmanagerin in der Wohlfahrt geht. Jenny kenne ich durch meine Arbeit bei der Caritas schon einige Jahre. In dieser Zeit durfte ich viel von ihr, ihrem Verständnis von Innovation und ihrer offenen, Menschen zugewandten Arbeitsweise lernen.

Glücklicherweise hat Jenny nicht nur den eingangs zitierten Satz gesagt, sondern sich Zeit für ein Interview für den Sozialgespräch-Podcast genommen.

Bevor Du Dir jedoch unten das Transkript unseres Gespräches anschaust, möchte ich Dich auf einige Highlights von Jennys Arbeit hinweis:

Klingt interessant? Dann ist dieser Sozialgespräch-Podcast für Dich definitiv spannend und hörenswert. Weiter unten im Transkript findest Du auch einen Videoeinblick in Jennys Arbeit.

Die Arbeit als Innovationsmanagerin in der Wohlfahrt: Sozialgespräch-Podcast-Transkript

Christian: Hallo zu einem neuen Sozialgespräch-Podcast. Schön, dass ihr wieder zuhört. Heute geht es um die Arbeit als Innovationsmanagerin in der Wohlfahrt: Was man da so genau macht, was diese Stelle umfasst und warum die Wohlfahrt solche Stellen und die Menschen dahinter auch wirklich braucht. Das erklärt uns Jenny, die eine ehemalige Kollegin aus dem Caritas-Bereich ist. Viel Spaß beim Zuhören.

Hallo und herzlich willkommen zu einem weiteren Sozialgespräch-Podcast. Ihr kennt es inzwischen aus dem Intro, hier geht es auch um soziale Innovationen, Projekte und Menschen, die damit zu tun haben. Meine heutige Gesprächspartnerin passt da einfach perfekt rein. Ganz herzlich willkommen Jenny.

Jenny: Hi, schön, dass ich hier sein darf.

Christian: Sehr schön, dass du da bist und dir Zeit nimmst. Danke dir. Bevor ich dich um Vorstellung bitte, so ein ganz kurzer Background für euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Jenny und ich waren bis vor Kurzem Kollegen im Caritas-Kontext. Wir kennen uns schon eine Weile. Wenn ihr also merkt, dass wir zum Teil über Dinge sprechen, bei denen ihr das Gefühl habt: „Ich habe keine Ahnung, was er gerade meint, das sind Interna“, dann fragt einfach später nach. Wir versuchen, das zu vermeiden. Aber dadurch, dass wir uns länger kennen, kann es sein, dass wir Sachen voraussetzen. Dann, bitte, fragt einfach.

Genug der Vorrede. Jetzt, Jenny, meine Bitte an dich: Dein Lebenslauf, dein Background sind spannend und vielfältig. Deswegen stell dich doch bitte einfach mal mit den aus deiner Sicht relevanten Punkten vor.

Vorstellung von Jenny Verstegeen

Jenny: Okay, ja, das ist tatsächlich etwas witzig, weil ein Freund von mir neulich gesagt hat: „Jenny, bald brauchst du eine aufklappbare Visitenkarte.“

Also ich habe schon ganz viele Stationen hinter mir. Ich bin Krankenschwester, Theologin, kulturelle Sozialpädagogin und bald systemischer Coach. Das zu meiner beruflichen Laufbahn.

Christian: Das ist, glaube ich, auch eine sehr kurze Fassung. Da ist noch einiges mehr. Aber das vielfältige Profil, so nenne ich es jetzt mal – ich hätte fast bunter Blumenstrauß gesagt, aber das wird dem Ganzen nicht gerecht –, hat dich jetzt aktuell zu einer Stelle und zu einem Job geführt, der, würde ich behaupten, in der Wohlfahrt jetzt nicht so Standard ist. Denn deine Berufsbeschreibung nennt sich Innovationsmanagerin. Darüber werden wir nachher auch reden und auch fragen: Was ist das? Wir steigen aber einen Schritt weiter vorne mit der Frage ein: Wenn du Innovationsmanagerin bist, wie definierst du selbst denn Innovation?

Jenny: Ja, das ist sehr spannend. Ich habe mir auch schon mal darüber in der Vergangenheit Gedanken gemacht, weil ich das natürlich ganz oft gefragt werde: Was ist Innovation und was macht man als Innovationsmanagerin? Ich habe gedacht: Innovation ist für mich persönlich strategisches Träumen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich glaube wir alle kennen Menschen, die von Zeit zu Zeit so tolle Ideen haben oder auch hatten. Zum Beispiel die Idee, einen komplizierten Arbeitsablauf zu vereinfachen oder zu digitalisieren. Oder sie haben eine spannende Erfindung im Kopf, so eine Produktinnovation und dann, das kennst du vielleicht auch, passiert einfach gar nichts.

Kürzlich habe ich gelesen, dass Innovation drei Säulen benötigt: Träumen, Denken und Handeln. Ich glaube, viele Menschen trauen sich viel zu selten, ihre Ideen zu prüfen und mutige Schritte in Richtung Realisierung zu gehen. Das finde ich total schade.

Die Aufgabe als Innovationsmanagerin

Christian: Das ist eine sehr schöne Definition: Strategisches Träumen. Wenn ich darf, klaue ich mir die Definition, die finde ich sehr gut. Die hat was. Es klingt schon fast poetisch, aber trifft es tatsächlich sehr gut. Innovation hat – ich glaube, das wissen wir beide – ganz viele Gesichter: Je nach Kontext, je nachdem wo und wer und was. Jetzt nennst du dich Innovationsmanagerin. Klingt erstmal spannend. Was darf ich mir denn unter dieser Berufsbezeichnung vorstellen, noch dazu – als Hinweis für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer – im Rahmen eines Caritasverbandes?

Was ist das: Innovationsmanagerin?

Jenny: Ja, das ist tatsächlich eine spannende Sache. Wie ich gerade eben schon gesagt habe, fragen mich das auch ganz viele Leute. Die Fachliteratur beschreibt Innovation als geplante und kontrollierte Veränderung. Ich finde diese Erklärung ziemlich hilfreich, weil ich finde, dass es das eigentlich ganz gut trifft. Mein persönliches Anliegen ist es, Erneuerungen in unserem Ortsverband zu ermöglichen. Vielleicht als kleines Beispiel: Ich mache ich es in unserem Fall so, dass ich ganz nah bei den Menschen bin. Also ich hospitiere zum Beispiel, bin in Einrichtungen, ich leite Arbeitskreise und offene Angebote oder ich gestalte Workshops.

Und jetzt in Corona-Zeiten passiert das natürlich auch digital.

Christian: Okay, „ganz nah bei den Menschen“ heißt wahrscheinlich auch zu gucken, was brauchen sie denn tatsächlich? Bedarf ist aber auch mein Stichwort für die nächste Frage, denn ein Caritasverband, gerade ein Caritas-Ortsverband, ist jetzt nicht der naheliegendste Arbeitgeber für Innovationsmanager:innen. Wie kommt denn dein Caritas-Ortsverband dazu, dich als Innovationsmanagerin einzustellen?

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Jenny: Es ist tatsächlich ein Pilotprojekt, das über einen Innovationsfonds gefördert wird. Ich glaube, so heißt das, oder Innovationstopf. Das läuft über drei Jahre und man schaut jetzt, wie wirkt ein Innovationsmanagement in einem Wohlfahrtsverband.

Ich muss sagen, dass ich in einem ganz tollen und sehr offenen Ortsverband arbeiten darf, der sich schon ganz viele Jahre auf den Weg gemacht hat. Sie setzen sich auf verschiedenen Ebenen mit der eigenen Zukunftsfähigkeit auseinander. Ich erlebe z. B. immer wieder, dass Gedanken und Ideen, die ich ausfindig mache, schon in der Personalentwicklung Thema sind oder Thema waren. Ich finde, da ergänzen wir uns ganz großartig. Unter anderem sind das natürlich die üblichen Themen wie New Work, Digitalisierung, Fachkräftemangel, aber auch potentielle Kooperationen mit Start-ups oder kleine Innovationslaboren, in denen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre ganz eigenen Ideen umsetzen können.

Christian: Das ist doch eine sehr praktische Arbeit, mit Projekten, die das Ganze voranbringen. Klingt für mich sehr spannend. Jetzt muss ich natürlich auch nach der anderen Seite fragen: Wieso hat dich denn genau diese Stelle gereizt, als sie ausgeschrieben war?

Jenny: Ja, das ist mal eine richtig spannende Frage, Christian. Ich glaube, weil ich vorher im kirchlichen Bereich gearbeitet habe und deswegen die Idee schön fand, wieder in einem christlichen Traditionsunternehmen tätig zu sein. Ich muss sagen, mit der Caritas verbinde ich eine besondere Werteorientierung und natürlich auch eine starke Sinnhaftigkeit, im Auftrag der Nächstenliebe unterwegs zu sein. Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, muss ich sagen, dass ich durchweg gute Erfahrungen mit verschiedenen Caritas-Verbänden gemacht habe.

Mein erstes Schulpraktikum war z. B. in der Seniorentagespflege und dann später in der Sozialstation der Caritas. Da waren immer wieder total nette und wertschätzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich total begeistert haben, weil sie so eine gute Arbeit vor Ort gemacht haben. Später habe ich dann sogar neben meinem Theologiestudium wieder bei einem Caritasverband in der Sozialstation gearbeitet. Das war so eine gute Zeit. Genau deswegen habe ich mich total gefreut, so ein spannendes Jobangebot zu finden.

Christian: Das klingt auch sehr passend, weil ich glaube, dass du diese Verbindung zu Organisationen oder zu deren Basis auch brauchst, wenn du mit den Menschen arbeitest und die Bedarfe erkennen sollst. Nun würde ich aber auch den nächsten Schritt gehen wollen. Du hast vorher gesagt, dass du viel in der Praxis, viel bei den Menschen, nah an den Menschen bist. Jetzt bin ich jemand, der denkt: „Wenn ich mit Menschen zu tun habe, lerne ich auch von diesen Menschen.“ Deswegen die Frage an dich: Was hast du denn bisher bei deiner Aufgabe und Arbeit gelernt oder lernen dürfen?

Jenny: Ja, zuallererst musste ich lernen, dass manche Dinge mehr Zeit brauchen, als ich am Anfang erwartet habe.

Wir sind, glaube ich, beide auch immer sehr gerne, sehr schnell unterwegs. Vorher war ich in einem diakonischen Start-up tätig. Also muss ich mich hier an ganz neue Prozesse, an neue Wege, an neue Zeiten gewöhnen. Ansonsten habe ich ganz viele neue, spannende Methoden und Instrumente für Innovation kennengelernt und die habe ich dann auch mal direkt bei uns ausprobiert. Genau, das habe ich gelernt.

Und dann habe ich etwas Besonderes bemerkt. Das habe ich eigentlich schon erwartet und wurde darin bestärkt:

Die Lösungen, die wir irgendwie erwartet haben, die sind schon da. Die sind im System vorhanden. Die sind in den Köpfen und in den Herzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gilt jetzt eigentlich nur noch, diesen Schätzen Raum und Struktur zu geben, damit Innovation ermöglicht werden kann.

Ich weiß, dass es jetzt die Krux im Alltag ist, weil wir dafür Zeit brauchen: Zeit für Kreativität, Zeit für neue Wege und wir brauchen offene Räume für Erneuerung.

Meine Erfahrung ist auch – jetzt nicht unbedingt von uns ausgehend, aber generell, wenn ich auch mit anderen Kolleginnen und Kollegen rede, ist das oft ein KO-Kriterium –, dass mir Menschen begegnen und sagen: „Boah Jenny, ja, ich habe aber einfach keine Zeit. Ich habe keine Zeit für Innovation.“ Meine Empfehlung ist: „Ich weiß nicht wie du das siehst, aber wir müssen uns dringend davon lösen.“

Wir müssen uns davon lösen, wenn wir wirklich Veränderungen erleben möchten. Ich glaube, wir brauchen dieses Investment in Zeit-Ressourcen. Ja, das kostet auch etwas, aber man verbessert nachhaltig Prozesse, man entwickelt neue Produkte und, wie du weißt, die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird signifikant erhöht.

Die Bedeutung von Innovation für die Wohlfahrt

Christian: Oh ja. Dazu ein kurzer Exkurs. Das hatten wir vorher nicht so besprochen, aber ich glaube, der kommt jetzt gerade ganz passend. Du sagtest gerade: „Nein, es muss etwas kosten und wir haben nicht die Zeit dafür.“ Ich habe immer das Gefühl, dass das etwas mit der Haltung und der Wahrnehmung von Innovation zu tun hat. Das klingt für mich immer so, als wäre Innovation etwas Zusätzliches, was wir jetzt als weitere Aufgabe machen. De facto ist doch aber eigentlich Innovation tief in unserer eigentlichen Arbeit verankert und die Weiterentwicklung der Arbeit besteht doch darin, genau diese strukturierte Veränderung – du hast die Definition vorhin so schön gebracht – zu ermöglichen, damit die Arbeit noch besser werden kann und sich auch an veränderte Rahmenbedingungen anpasst.

Da die Frage an dich: Mein Gefühl ist, Innovation wird gerade in der Wohlfahrt immer noch als Zusatzding gesehen. Dass es zwar nicht unwichtig ist, aber dass wir uns dem jetzt auch nicht unbedingt widmen müssen. Eigentlich würde ich meinen, dass es ein Kernteil des Ganzen und einfach natürlicher Bestandteil ist. Was meinst du denn von der Haltung her dazu?

Jenny: Ich habe grad so ein inneres Bild von einer Decke. Von so einer Decke, vielleicht des Alltags … Ich glaube, Innovation ist, so wie du sagst, eigentlich da. Sie ist vielleicht ein Randthema oder ist nicht so präsent. Die Schönheit von Innovation ist einfach oft nicht so im Blick. Aber ich denke, sie ist da. Und jetzt geht es darum, das sichtbar zu machen, die Decke zu lüften, das zu ermöglichen. Wie gesagt, wir brauchen diese Ressourcen.

Bei uns ist es auch so, dass es spezielle Kostenstellen für Innovation gibt, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Raum dafür haben, sich z.B. in diesen Experimentierräumen, wie wir sie nennen, einzubringen.

Christian: Ja, aber auch die fehlen mir ganz oft. Und selbst wenn es die gibt, habe ich manchmal das Gefühl, dass diese Kostenstellen erst kommen, nachdem der Rest mit Budget versorgt ist. Ich formuliere es mal so: Es ist der Nach-Gedanke, wenn möglich. Und ich persönlich würde mir eigentlich wünschen, dass sie das auf die gleiche Ebene wie Organisationsentwicklung stellen, weil es de facto nichts anderes ist. Nur einen Tick mehr als Querschnittsaufgabe gedacht.

Jenny: Auf jeden Fall. Und wir können uns das gar nicht mehr erlauben. Wir können es uns heutzutage in diesen besonderen Zeiten überhaupt gar nicht mehr erlauben, das so anzugehen. All das Gute und Spannende unter der Decke liegen zu lassen und dem keinen Raum zu geben. Das geht einfach nicht mehr.

Christian: Ja, ich denke, wir haben auch mit Aktionen wie CAREhacktCORONA und anderen gesehen, was passiert, wenn den Menschen, die diese Lösungen in sich tragen, so nenne ich es jetzt mal, der Raum gegeben wird. Wenn ihnen auch ein ganz neues, kreatives Umfeld gegeben wird, in dem sie sich entfalten, ihre Lösungen entwickeln können. Welche Projekte, Lösungen, Ansätze dabei herauskommen können, die sich aber im Alltag, selbst wenn wir versuchen, Räume zu schaffen, bisher nicht wirklich entfalten können, weil die Räume halt immer noch sehr begrenzt sind.

Jenny: Ja, absolut, genau.

Christian: Ich stimme dir komplett zu. Das Potenzial ist sehr groß. Und es ist für uns super wichtig, es dann auch tatsächlich zu heben. Wir haben im Vorfeld gesprochen und wir haben uns bewusst dagegen entschieden, zu viele Methoden und konkrete Projekte, die du schon gemacht hast, anzusprechen, weil das eine ganze Menge ist.

Jennys Empfehlungen für den Einstieg ins Thema Innovation

Dennoch habe ich die Frage: Gibt es ein Projekt, ein Format, das in den letzten Jahren entstanden ist, das besonders hängengeblieben ist oder das du besonders zur Nachahmung empfehlen kannst?

Jenny: Mein persönlicher Favorit ist wirklich unser Experimentierraum. Wir haben ihn auf verschiedenen Ebenen etabliert, zum Beispiel für die Jugendhilfe und für die Altenhilfe, und auch immer wieder erneuert und verändert. Ich mag diesen Raum total. Andere große Player im Markt haben ihre Innovationslabore und Werkstätten und ich habe immer gedacht: „Warum haben wir das nicht? Warum können wir das nicht machen?“ Also eröffneten wir einen Raum, in dem wir uns aktuell zwei Stunden im Monat treffen, z. B. mit zwei Altenheimen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Spaß daran haben. Es sind insgesamt ungefähr zehn Leute – jetzt übrigens natürlich virtuell.

Wir arbeiten an deren Themen. Also an den Dingen, die sie z. B. in ihrem Arbeitsumfeld und in den Tätigkeiten, die sie tun, verändern und verbessern wollen. Wir arbeiten an den Problemfeldern und Themen, die die Klientinnen und Klienten oder in dem Fall Bewohnerinnen und Bewohner beschäftigen und die verbessert werden können. Es macht unglaublich viel Spaß. Echt. Es ist eine tolle Zeit, jedes Mal.

Christian: Du hast es gerade gesagt: „Wir arbeiten an deren Themen.“ Das klingt für mich so – und ich bitte dich, widersprich mir, wenn die Wahrnehmung falsch ist –, als wäre das tatsächlich ein sehr bedarfsorientiertes, sehr offenes Angebot, das, ich spreche jetzt aus Logik einer Leitungsfunktion, die sehr wirtschaftlich denkt, nicht vor jedem Termin eine klare, oft auf unternehmerische Ziele ausgerichtete Agenda hat. Ist das so?

Jenny: Ich glaube, dem würde ich widersprechen. Dieses Format hat auf jeden Fall eine Freiheit in sich. Ich gehe natürlich mit einer strukturierten Übersicht und einem Plan da rein. Aber es ist formierbar. Ich würde auch einzelne Elemente austauschen und auf die Gruppe und auf die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anpassen. Aber der Gedanke dahinter, die Struktur, die Strategie, das Ziel, das unternehmerische Ziel, das bleibt natürlich gleich.

Christian: Danke, genau die Einordnung hatte ich mir als Antwort erhofft, weil es oft dieses Vorurteil gibt: „Ihr mit euren Innovationsformaten, ihr“,  ich überspitze sehr stark, „spielt ja nur, macht es euch gemütlich, redet über das, was ihr wollt. Ihr tragt ja gar nicht direkt zu dem bei, was wir hier mit der eigentlichen Arbeit machen.“ Das ist aber nicht der Fall. Der Connect ist nur nicht immer sofort und direkt sichtbar wie bei einer Arbeitsgruppe, die ich mit einem konkreten Thema gründe.

Jenny: Absolut. Ich habe mittlerweile die Überzeugung, dass viele Dinge auch einfach die Unternehmenskultur verändern. Das ist vielleicht nicht in erster Instanz sichtbar. Aber du weißt selber, Christian, wie unfassbar wertvoll das ist, zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben.

Dass sie selbst, als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, mitgestalten, eigene Themen nach vorne bringen. Dass sie schlechte Hierarchien – es gibt auch gute – abbauen, gemeinsam wirken, auf ein gemeinsames Ziel hinwirken. Das ist so notwendig. Da müssen wir hin, immer stärker.

Christian: Das auf jeden Fall. Und gleichzeitig auch wie wertvoll und wichtig es ist, wenn Mitarbeitende, die vielleicht zum Teil auch schon lange dabei sind und sich mit den Strukturen abgefunden haben – das ist ein bisschen negativ – auf einmal wieder merken, wie selbstwirksam sie doch sein können und wie relevant ihre Ideen, die bisher vielleicht nicht gehört werden sollten oder strukturell einfach nicht gehört wurden, doch sind. Dass sie viel mehr beitragen können, als sie bisher dachten. Es macht ganz viel Positives mit Menschen, wenn sie die Erfahrung machen können.

Jetzt haben wir gerade ein bisschen davon geschwärmt, wie toll Innovationsarbeit ist. Wir sind beide davon sehr angetan und überzeugt. Das bringt mich natürlich logischerweise zu der Frage: Wo fängt man an? Wenn jetzt hier Kolleg:innen zuhören, und ich weiß, dass wir ein paar davon in der Zuhörerschaft haben, die das jetzt total spannend finden und sich denken: „Hey, das bräuchten wir eigentlich auch“, und ich weiß, wie es mir es am Anfang vor vielen Jahren ging, als ich das Thema Innovation zum ersten Mal angefasst habe, dann stand ich da mit dieser großen Frage.

Das ist ein riesengroßes Thema. Deswegen die Frage an dich: Wenn Kolleg:innen hier zuhören und sagen: „Eigentlich ist das mal eine Stelle und ein Ansatz, den wir auch bei uns bräuchten“, wie könnten die sich grundsätzlich diesem Thema nähern? Mal abgesehen von der Finanzierung und Co, denn das ist ein anderes Thema. Wie könnten die da herangehen?

Jenny: Da sind natürlich viele Ansätze möglich. Mein spontaner erster Gedanke ist: Werbt dafür. Holt euch Unterstützer an die Seite. Wer kann an eurer Seite gehen? Mit wem könnt ihr das Thema nach vorne bringen? Und dann würde ich sagen: Schaut euch doch mal Best-Practice-Beispiele aus anderen Unternehmen an. Ich finde es unfassbar faszinierend, zu sehen, was Bosch oder andere coole große Institutionen so machen?

Ich finde sowieso, dass es überhaupt total wichtig ist, sich Inspiration von außen zu holen. Dabei geht es auch nicht immer nur um neue Zugänge zu Kreativität und Ideenfindung, sondern ich erlebe immer wieder, dass man auch eine besondere Ermutigungen bekommt, wenn man sieht, was draußen bei anderen möglich und denkbar ist. Das würde ich echt empfehlen.

Christian: Ja, das auch Ideen, die man bisher verworfen hat, doch umsetzbar sind. Das ist echt inspirierend. Absolut richtig. Lass uns dieses Thema noch aus einer anderen Richtung angucken. Wenn uns hier jemand zuhört, der oder die sich überlegt: „Na gut, Stelle einrichten ist schon ein Schritt zu weit. Ich habe selber noch keine Ahnung von Innovation“, was wäre denn dein Tipp für den Einstieg der Beschäftigten in diesen Themenkomplex „Innovation“ (wenn es nicht Tischkicker und Kaffee-Flatrate heißt)?

Jenny: Da würde ich sagen: Kommt mal zu Twitter oder Linkedin. Das sind meine Lieblings-Inspirationsquellen aktuell. Da lerne ich spannende Leute kennen und kriege neue Ideen. Und dann würde ich natürlich empfehlen: Hört euch regelmäßig diesen inspirierenden Podcast von Christian an.

Christian: Kleiner Werbeblock.

Jenny: Kleiner Werbeblock, genau. Und wie ich es gerade eben schon gesagt habe: Sucht euch Partner und Verbündete und dann legt los. Lasst euch nicht irgendwie ausbremsen, sondern probiert einfach mal. Ich glaube wirklich, dass hier Einzelne einen ganz großen Unterschied in ihren Einrichtungen und Unternehmen machen können. Und noch ein kleiner Exkurs: Meine Erfahrung ist außerdem, dass es wichtig ist, in den eigenen Stärken unterwegs zu sein. Also wenn ihr merkt, dass ihr eure Stärken noch nicht kennt, dann beschäftigt euch damit.

Ich glaube nämlich, dass die Welt jeden einzelnen da draußen braucht, mit all dem Potenzial, was in diesem Mensch liegt.

Christian: Definitiv. Und in den eigenen Stärken unterwegs sein heißt auch: Wenn ihr euch inspirieren lasst, dann vergleicht euch deshalb nicht. Seht es wirklich als Inspiration und nicht als Frustrationsquelle, so nach dem Motto: „So weit sind wir, so weit kommen wir nie.“ Das mag sein. Aber das muss ja auch vielleicht gar nicht so sein, weil ihr ja ganz anders aufgestellt seid. Das ist, finde ich, wichtig, denn das erlebe ich manchmal. Hast du für den etwas konservativeren Zugang, das ist jetzt eine ganz spontane Frage, einen Buchtipp oder eine Idee, wenn jemand mehr zum Thema lesen möchte?

Jenny: Ja, mein Lieblingsbuch. Das ist natürlich ein Methodenbuch. Aber ich finde es unfassbar toll. Das heißt „Das große Handbuch Innovation“ und das enthält 555 Methoden und Instrumente. Es ist von Benno van Aerssen und Christian Buchholz. [Links siehe Anfang des Artikels]

Christian: Ja, das steht hier auch im Regal. Ich unterschreibe diese Empfehlung absolut. Das ist auf jeden Fall ein sehr geniales Ding zum Nachgucken und damit Arbeiten.

Ich hatte gesagt: Wir sprechen ca. 30, 40 Minuten. Wir nähern uns langsam dieser Grenze. Leider ist die Zeit begrenzt. Deswegen sage ich an der Stelle schon einmal: Danke für das Gespräch bis hier hin. Das hat mir super viel Spaß gemacht und ich glaube unseren Zuhörer:innen auch. Aber natürlich kommst du, Jenny, nicht ohne die zwei klassischen Abschlussfragen aus. Die erste klassische Frage heißt wie immer: Wo findet man denn mehr zu dir respektive deiner Arbeit, wenn man sich dazu jetzt ein bisschen umtun möchte?

Jenny: Da würde ich sagen, ihr könnt super gerne mit mir Kontakt bei Linkedin oder Twitter aufnehmen. Das sind wie gesagt meine Lieblingsmedien. Wir können uns auch gerne virtuell treffen. Das mache ich sowieso sehr gerne. Also wenn ihr Fragen habt oder euch gerne austauschen wollt, dann meldet euch über diese Kanäle. Ansonsten geht es natürlich auch über unsere Caritas-Seite. Da sind auch meine Kontaktdaten hinterlegt.

Legt los und macht, ihr werdet gebraucht

Christian: Alles klar. Werde ich natürlich verlinken. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr kennt es, wie immer: Shownote und Blog-Artikel. Und die letzte Frage, die eigentlich auch immer kommt und vielleicht auch ein bisschen fies ist, aber ich finde sie wichtig: Worüber würdest du gerne noch sprechen, wonach ich dich bisher nicht gefragt habe?

Jenny: Also ich würde gerne noch einen Gedanken einbringen. Und zwar einen Gedanken, den ich gerne noch mal so in die Runde werfen möchte.

Es ist unfassbar wichtig, dass Menschen, die das jetzt hören, sich auf den Weg machen, um einen ungewöhnlichen Austausch miteinander zu wagen.

Es ist echt eins meiner Lieblingsthemen. Ich liebe Diversität. Ich glaube, wir profitieren alle so sehr voneinander. Deswegen ist mein Tipp – oder mein besonderes Anliegen –: Geht aktiv auf Menschen zu, die euch interessieren und inspirieren.

Das können auch ruhig mal ganz andere Menschen sein als die, mit denen ihr sonst so in Kontakt und im Austausch seid. Ich glaube, es ist so wichtig, voneinander zu lernen. Damit meine ich auch, kritische Gedanken und Stimmen zuzulassen. Denn auch die braucht es, um sich weiterzuentwickeln und Innovation voranzubringen. Es ist aber auch total wichtig, Stimmen der Leichtigkeit, der Ermutigung und der Zuversicht anzuhören. Deswegen ist es wichtig, ein gutes Netzwerk zu haben. Als Schlussgedanken: Habt Mut und träumt und plant eure Innovationen. Mit euren Ideen könnt ihr einen Unterschied in euren Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft machen.

Christian:: Das war ein ganz hervorragendes Schlusswort, Jenny. Sehr herzlichen Dank dafür. Das passt sehr gut. Ich habe auch schon eine Idee, wie der Podcast überschrieben sein kann, das hast du gerade geliefert. Danke dir dafür.

Jenny, es war mir eine große Freude, dass es geklappt hat.

Jenny: Mir auch.

Christian: Ich danke dir herzlich, dass du dir Zeit genommen hast.

Jenny: Ja, danke dir Christian.

Christian: Und natürlich wie immer, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, gilt euch der letzte Dank. Denn ohne euch hätte das Ganze ja auch Spaß gemacht, aber es wäre nur halb so hilfreich, weil es keiner hören würde. Wir freuen uns also über euer Feedback. Ihr habt es gehört: Jenny freut sich über Kontaktanfragen und Co. Ich verlinke sie auf jeden Fall. Wir freuen uns natürlich auch, wenn ihr den Podcast teilt und Leuten zugänglich macht, die ihn auch hören sollten.

In diesem Sinne herzlichen Dank euch allen und bis zum nächsten Mal.

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

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