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31.05.2019 Soziale Arbeit Von: Christian Müller 0 Kommentare

Stecken Soziale Arbeit und Wohlfahrt in der Projektfalle?

Tolle, innovative, sinnvolle und wirksame Pilotprojekte gibt es in der Sozialen Arbeit und Wohlfahrt zuhauf. Wir testen, erproben und gehen neue Wege. Das ist super und wichtig. Doch Projekte sind der Anfang der Veränderung und sollten nicht ihr Ende sein.

Drei Punkte vorweg:

  1. Aktuell darf ich selbst an einem spannenden und sinnvollen Projekt, dem Innovationslabor der Caritas Essen, kurz #CariLab, arbeiten. Wenn ich von Projekten spreche, tue ich das also mit einem praxisnahen Verständnis der Herausforderungen.
  2. Ich habe höchsten Respekt für die Leistung und Arbeit der KollegInnen, egal in welchem Projekt, unabhängig von Träger, Verband oder Einrichtung.
  3. Alle im Folgenden genannten Maßnahmen, konstruktiv-kritischen Hinweise und Fragen gelten mir genau so wie meinen LeserInnen. Meine Gedanken sind also auch Arbeitsaufträge an mich selbst.

Doch warum spreche ich im Titel von der Projektfalle, wenn ich Projekte doch für sinnvoll und wichtig halte?

Die Antwort liegt im Wesen und Ansatz von Projekten. Ursprünglich sind sie dafür gedacht, temporär neue Wege zu gehen, ungewöhnliches auszuprobieren oder einen einmaligen Bedarf gezielt zu bedienen. Sie sollten der Beginn neuer Wege, die Veri- oder Falsifizierung und der Praxistest für neue Ansätze sein. Und sie sie sollten als Lernräume dienen, aus denen Erfahrungen hervorgehen, die dann anderweitig genutzt werden können.

So weit die Theorie. Die Praxis sieht heute leider in weiten Teilen – Ausnahmen bestätigen die Regel – anders aus.

Projekte sind zu oft gleich zwei Schritte – der erste und letzte – in eine neue Richtung. Es geht nicht mehr darum, das normale Aufgabenspektrum mit Projekten zu ergänzen, sondern darum, Lücken zu schließen.

Und das Lernen aus Projekten? Das setzt voraus, das wir sie sauber dokumentieren,evaluieren und publizieren. Doch das ist viel zu selten in Projekten vorgesehen und wird noch seltener tatsächlich mit ausreichend Zeit und Ressourcen eingeplant.

5 Schritte aus der Projektfalle

Nein, ich beschwere mich nicht über die Arbeit, die ich machen darf. Die macht mir Spaß, ist sinnvoll und bringt mich – und hoffentlich auch die Caritas und ihre Mitglieder und KlientInnen – weiter. Doch die oben beschriebenen Muster habe ich in den letzten Jahren einfach zu oft angetroffen.

Warum schreibe ich jetzt darüber? Weil ich die letzten Jahre die Hoffnung hatte, dass sich etwas ändert. Die Hoffnung, dass Projekte wirklich als Test- und Lernchancen gesehen und genutzt werden. Nach mehreren Jahren weiß ich: Das passiert zu selten, es ändert sich nicht oder zumindest nicht schnell und umfassend genug.

Weil ich die Titelfrage dieses Artikels aktuell mit einem klaren „ja“ beantworte. Wir stecken in der Projektfalle.

Wie können wir in Sozialer Arbeit, Wohlfahrt und Sozialwirtschaft das ändern? Aus meiner Sicht mit den folgenden fünf Punkten:

  1. Dokumentation und Evaluation müssen bei Projekten fest eingeplant und mit ausreichend zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.
  2. Es muss eine Pflicht zur Publikation der Evaluationsergebnise und der wichtigsten Erkenntnisse und Lernerfahrungen aus Projekten geben. Mindestens innerhalb der finanzierenden Organisationen und Verbänden, idealerweise jedoch öffentlich. Bei öffentlich oder von der EU geförderten Projekten ist öffentliche Publikation für mich ein Muss.
  3. Projekte müssen wieder dazu dienen, Neues auszuprobieren und zu testen. Sie dürfen nicht an stelle von Regelaufgaben treten oder Teiles eines Leistungskatalogs ersetzen.
  4. Apropos Regelaufgaben: Es muss fest eingeplant werden, dass rechtzeitig – im Rahmen der Evaluation und der Diskussion der Ergebnisse – geprüft wird, wie erfolgreiche und wirksame Projekte in Regelstrukturen und -Finanzierung überführt werden können.
  5. Idealerweise – und mir ist klar das ich mir hier als Berufsoptimist etwas wünsche – sollten die Mitarbeitenden von Projekten im Anschluss für kollegiale Weiterbildungen und Schulungen eingesetzt werden. Neben der bereits angesprochenen Dokumentation wäre das ein wichtiger Baustein der Wissenssicherung.

Einige dieser Punkte klingen nach gesundem Menschenverstand, andere – je nach LeserIn – arg ambitioniert und fordernd. Ist mir klar.

Dennoch halte ich sie für wichtig und verzichte bewusst auf weiche „solle“ Formulierungen. Wenn Projekte in Sozialer Arbeit, Wohlfahrt und Sozialwirtschaft wirklich ihre Wirkung entfalten, neue Impulse setzen und uns weiterbringen sollen, muss sich an der vielerorts gängigen Praxis etwas ändern.

Es ist super, wenn ein Projekt einem Träger oder einer Einrichtung und deren KlientInnen und Mitarbeitenden hilft. Für den gesamten Arbeitsbereich ist es jedoch noch viel besser, wenn die Erfahrungen dokumentiert, evaluiert und publiziert – und am besten auch erklärt und praktisch weiter getragen – werden.

Die Projektfalle lauert auch für Sozialunternehmen

Bevor meine LeserInnen aus der Social-Start-Up-Welt und die mitlesenden SozialunternehmerInnen jedoch die Soziale Arbeit und Wohlfahrt bemitleiden: Die Projektfalle lauert auch in diesem Bereich. Zumindest Teile von ihr.

Denn wie viele Social Start Ups messen ihren Impact – die Wirkung ihrer Arbeit – denn tatsächlich? Wie viele machen sich bei Projektpartnerschaften Gedanken über die Verstetigung von Strukturen und Finanzierung? Wer fragt wirklich nach der langfristigen und skalierten Wirkung von Angeboten?

Sicher gibt es SozialunternehmerInnen, die all diese Fragen stellen, auch unbequeme Antworten annehmen und sich an die Arbeit machen. Recht häufig erlebe ich jedoch, dass diese Fragen als unnötiger Ballast abgetan werden.

Das sind sie nicht. Sie sind essenziell. Sowohl für die Soziale Arbeit und Wohlfahrt als auch für Sozialunternehmen.

Bildnachweis: Photo by Mimi Thian on Unsplash

Porträt Christian Müller

Christian Müller

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Christian unterstützt als Kommunikationsberater Soziale Einrichtungen, Bildungsträger, KMU und Start Ups auf dem Weg in die digitale Kommunikation. Mit seinen Kunden entwickelt er Kommunikationsstrategien, schult Mitarbeiter und hilft dabei, die nötige Kompetenz inhouse aufzubauen. Das Ziel: Die individuell wichtigen Menschen zu erreichen, Gespräche zu initiieren und tragfähige (Kunden) Beziehungen aufzubauen.

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